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Zwei arme polnisch sprechende Rumänen im Nebel

Bochum Kunstnebel zieht über den Bühnenboden des Bochumer Theaters unter Tage. Es ist nicht schwer, zu erraten, was uns Regisseurin Rabea Kiel sagen will: Die beiden Protagonisten des Stücks "Zwei arme polnisch sprechende Rumänen" sind völlig benebelt. Ihre Identität, ihre Geschichte verlieren sich in den Schwaden.

von Von Max Florian Kühlem

, 27.04.2010
Zwei arme polnisch sprechende Rumänen im Nebel

zu sehen v.l.n.r. Henning Hartmann (Parcha), Karin Moog (Dschina), Veronika Nickl (Bardame), Andreas Bittl (Gardeobenfräulein) Dorota Maslowska Zwei arme polnisch sprechende Rumänen Regie: Rabea Kiel Premiere am 26. April 2010 im Theater unter Tage Copyright: Birgit Hupfeld Fotodesign, Rottstraße 5 (Hinterhaus), 44793 Bochum, Tel.: 0173 2746750 Pressestelle: Jörn Denhard, 0234 / 3333 - 5523, jdenhard@bochum.de Abdruck honorarfrei bei Nennung einer Vorstellung und des Fotografen.

Der dramatische Erstling des jungen polnischen Starautorin Dorota Maslowska ist eine merkwürdige Mischung aus Bühnen-Roadmovie, Drogenphantasie und Sozialstudie und verbleibt im Ungefähren. Bis zum Ende kann sich der Zuschauer nicht sicher sein, wen er mit dem skurrilen Pärchen Parcha und Dschina vor sich hat: Er gibt vor, einen Priester in einer Fernsehserie zu spielen. Von ihr erfährt man vor allem, dass sie nicht mehr weiß, wo sie ihr Kind gelassen hat.

Verkörpert von Karin Moog bleibt diese Dschina generell sehr blass. Den kaputten Aufzug aus geschmacklosen Leggings und trostlos verlaufener Schminke vermag sie in keinem Moment zu füllen. Henning Hartmann geht hingegen ganz auf in der Rolle des Parcha. Eine Gestalt wie aus "Fear and Loathing in Las Vegas", die im Rausch ihr letztes Geld verschenkt und anschließend um jeden Funken Klarheit ringt. Eigentlich wollen die beiden nur nach Hause. Doch dazu müssten sie erstmal wissen, wo sie sind.

Regisseurin Kiel entfaltet auf der Kellerbühne des Bochumer Schauspielhauses lustvoll eine bizarre Szenerie, kann sich jedoch nicht recht entscheiden, ob sie die heitere Überspitzung oder stoische Ruhe sucht. Da wird mal wild im Kreis gerannt wie im Dick-und-Doof-Film, mal wortkarg im Waldhaus gesessen wie bei Aki Kaurismäki.

Veronika Nickl und Andreas Bittl geben die überzeichneten Figuren, denen Parcha und Dschina auf ihrer Odyssee begegnen. Sie bilden ein kleines Panoptikum osteuropäischer Existenzen. Die sind entweder gescheitert, verbohrt, völlig durchgeknallt oder betrunken. Eine Gesellschaft in der ständigen Identitäts- und Kommunikationskrise - natürlich wenig hilfreich auf der Suche nach dem Weg nach Hause. - Ein Weg, der selbst in kurzen anderthalb Stunden zum manchmal beschwerlich langen wird.

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