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Zwischen Eros und Unschuld

KÖLN "Träumende Therese" (1938) ist das provokanteste von rund 70 Gemälden und Zeichnungen einer Ausstellung, mit der das Kölner Museum Ludwig erstmals in Deutschland den skandalumwitterten Maler Balthasar Klossowski (1908- 2001) würdigt, der sich auf Anregung des Dichter-Freundes Rainer Maria Rilke "Balthus" nannte. Die klug auf die "besten Jahre" des malenden Exzentrikers zwischen 1932 bis 1960 beschränkte Schau "Balthus - Aufgehobene Zeit" ist vom heutigen Samstag an in Köln zu sehen.

Zwischen Eros und Unschuld

Die „Träumende Therese“ aus dem Jahr 1938: Ein Bild, das den Betrachter zum Voyeur macht und schon zu Lebzeiten des Künstlers für Diskussionen sorgte.

Entspannt lehnt sich das junge Mädchen auf dem Stuhl zurück, faltet die Hände hinter dem Kopf: Ihr roter Rock rutscht hoch, der Blick des Betrachters fällt zwischen die geöffneten Schenkel. Warmes Sonnenlicht bescheint die laszive Szene, vor der eine mollige Katze ihre Milch schleckt.

Mehr als Mädchenbilder

Das wohlfeile Schlagwort des ewig wiederkehrenden "Lolita"-Motivs wird dem malenden Psychologen keineswegs gerecht, der sich mit seinen streng in der Manier italienischer Frührenaissance komponierten figürlichen Szenen gegen Surrealismus und Abstraktion stemmte.

Die Ausstellung zeigt nicht nur seine Mädchenbilder, die den Betrachter zum heimlich schauenden Voyeur mit schlechtem Gewissen machen. Auch Porträts und Landschaften in dumpf-tonigen Farben entspringen einer beunruhigend schwebenden Zwischenwelt aus Traum und Wirklichkeit, Stille und Dramatik, sexuellem Erwachen und naiver Kindlichkeit.

"Freud der Malerei"

Schon der 26-Jährige, der bald der "Sigmund Freud der Malerei" genannt wurde, erregte 1934 einen Skandal mit seiner ersten Galerie-Ausstellung in Paris, aus der drei bedeutende Bilder in Köln zu sehen sind. Doch nicht die entblößte Brust des Mädchens in "Das Fenster" (1933) beunruhigt, sondern die Dramatik des scheinbar auf die Straße stürzenden Kindes.

Zu den herausragenden Werken der Vorkriegszeit gehören ein fast neusachlich wirkendes Porträt des Malerkollegen Joan Miró mit Tochter und die 1937 gemalte Szene "Die Kinder Blanchard". Wie eine Bebilderung zu Jean Cocteaus Roman "Die schrecklichen Kinder" wartet auch hier ein heranwachsendes Geschwisterpaar - halb wach, halb dämmernd - larvenhaft in der Düsternis eines geschlossenen Raumes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hellt sich die Palette des Malers auf. An die Stelle der künstlerischen Untersuchung sublimer Erotik tritt nun eine mehr kompositorisch-technisch geprägte Serie von Bildern wie der spröde Blick aus dem Pariser Atelierfenster ("Das Fenster"/1951). Balthus war nun auch zu Kompromissen mit dem prüden Zeitgeist bereit.

Frechheit übertüncht

In der 1933 gemalten Straßenszene "La Rue", die zum Schlüsselwerk des Künstlers wird, nimmt er gut 20 Jahre später eine entscheidende Veränderung vor: Die Hand des Gassenjungen, der frech in den Schritt eines Mädchens greift, wird überpinselt und erscheint nun harmlos eine gute Handbreit höher.

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