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Ehestreit eskaliert mit Sprühdose und Brechstange und landet vor Gericht

Landgericht Münster

Mit einem Ehestreit musste sich das Landgericht Münster am Montag auseinandersetzen. Eine Frau soll ihren Ex-Mann angegriffen haben – mit einer Brechstange und einer Sprühdose

von Klaus Möllers

Legden

, 12.02.2019 / Lesedauer: 3 min
Ehestreit eskaliert mit Sprühdose und Brechstange und landet vor Gericht

Mit einer Sprühdose schrieb die Frau das Wort „Psychopath“ an die Wand. © picture alliance / dpa

Der Trennungsstreit eines früheren Ehepaares in Legden ist in eine gefährliche Auseinandersetzung gemündet: Abends fuhr die Frau (42) zur Adresse ihres Ex-Mannes (39), sprühte mit einer Farbdose „Psychopath“ an eine Hausmauer und versuchte dann, mit einer Brechstange auf ihn einzuschlagen.

Diesen Tathergang sah am Montag zumindest das Landgericht Münster bestätigt, nachdem es die Frau, den Mann und seine neue Lebensgefährtin (36) als Zeugen gehört hatte. Das Amtsgericht Ahaus hatte die Verkäuferin im August 2018 in erster Instanz wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 90 Tagesätzen verurteilt. Die Angeklagte ging in Berufung, weil sie die Geldstrafe als „zu hoch“ bewertete, wie sie am Montag dem Richter erklärte. Außerdem wolle sie freigesprochen werden.

Ex-Frau: „Ich war psychisch am Ende“

„Es ist niemand verletzt worden“, sagte sie. „Ich war psychisch am Ende.“ Und ihr Ex habe sie „gestalkt“, also ihr nachgestellt, schilderte die 42-Jährige. Am fraglichen Abend im Juli 2017 sei sie einmal mehr enttäuscht gewesen, weil sie den gemeinsamen Sohn nicht sehen konnte. „Wir haben beide das Sorgerecht. Aber wenn ich den Jungen sehen will, macht mein Ex-Mann etwas, damit es nicht klappt. Zum Beispiel sagt er, die Mama wäre einfach nicht gekommen“, erzählte sie weiter. „Das war so ein psychischer Druck für mich. Ich wollte meine ganze Wut an die Wand sprühen.“ Kurz vor ihrem Aufbruch mit dem Auto habe sie ein Glas Sekt getrunken. Die Brechstange habe sie nur „zum Schutz“ für alle Fälle aus dem Kofferraum geholt.

Der Ex-Partner, ein Kraftfahrer, stellte die Ausgangssituation anders dar. Seine frühere Frau habe ihm zusätzliche Vollmachten erteilt, dass er sich um wesentliche Dinge für den Jungen kümmern dürfe. Am Tattag wiederum habe der Sohn sich kurzfristig dafür entschieden, „mit dem Opa zum Schützenfest“ zu gehen, sagte der 39-Jährige. Daraufhin habe das Kind seine Mutter angerufen und abgesagt.

Der 42-Jährige leide seit längerer Zeit unter dem Stress, dem seine geschiedene Frau ihm bereite, erklärte er dem Gericht. So habe sie etwa „Hassbriefe“ über ihn an Angehörige und einen seiner Freunde verschickt. „Und das kurz vor Weihnachten!“, betonte er. Beiden ehemaligen Eheleuten schienen ihre Aussage schwer zu fallen und sie emotional sehr zu belasten.

Angeklagte darf sich ihrem Sohn nicht mehr nähern

Bei ihrer Sprühaktion habe sie nicht versucht, jemanden zu verletzen, beteuerte die Ex-Frau. Der Mann hingegen schilderte, dass sie vor dem Haus zwei Mal mit dem Eisen nach ihm geschlagen hätte. Beim zweiten Mal habe seine neue Lebenspartnerin ihn „zur Seite geschubst“, sodass er einem Treffer entgangen sei.

Gegen die Angeklagte sprach das Gericht am Montag eine Gesamtstrafe von 110 Tagessätzen aus. Darin bezog es einen Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz mit ein. Denn zwischenzeitlich war der 39-Jährigen verboten worden, sich ihrem Sohn bis auf 200 Meter zu nähern. Vor dessen Schule hatte sie dann aber versucht, dem Kind ein Geburtstagsgeschenk zu übergeben.