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Fußball

Die Flucht der Amateure vor dem Revierderby

Schwerte Schalke 04 gegen Borussia Dortmund – das Bundesliga-Revierderby zieht die Massen in seinen Bann. Die Terminierung des Derbys auf den Sonntagnachmittag aber ärgert viele Amateure, die mit Vorverlegungen ihrer Spiele reagieren.

Die Flucht der Amateure vor dem Revierderby

Der ETuS/DJK Schwerte spielt am Sonntag gegen den VfL Schwerte schon um 13 Uhr Foto: Bernd Paulitschke

Das Thema ist nicht neu. Aber es ist aktueller denn je. „Die Flucht vor dem Derby“ lautete in der Ausgabe des 4.November 2015 die Titelzeile des Aufmacher-Artikels auf der ersten Lokalsportseite. Bezogen auf das bevorstehende Fußball-Wochenende könnte man diese Überschrift problemlos übernehmen.

Damals wie heute ärgert die Terminierung des Bundesliga-Revierderbys zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund die Amateurfußballer. In der Veltins-Arena ist am Sonntag um 15.30 Uhr Anstoß – die Zeiten, als der Sonntagnachmittag noch den Amateuren gehörte, sind längst passé.

Die Folge: Jede Menge Spielverlegungen am Wochenende. Denn so sehr die Amateur-Verantwortlichen auf die ungeliebten Auswüchse des Profifußballs auch schimpfen, so genau wissen sie auch, dass es Zuschauer kosten würde, parallel zum Revierderby zu kicken.

Derbyzeit ist am Sonntag nicht nur in der Bundesliga. Um Bezirksliga-Punkte stehen sich die beiden Schwerter Erzrivalen ETuS/DJK und VfL gegenüber – schon um 13 Uhr. Hans Haberschuss, Vorsitzender des gastgebenden ETuS/DJK, sagt: „Alles Andere macht keinen Sinn. Bei so einer Konstellation hätten wir bestimmt 150 Zuschauer weniger, wenn wir parallel spielen würden.“ Noch lieber als am Sonntagmittag hätten die „Östlichen“ schon samstags gespielt, aber diesem Vorschlag stimmten die VfL-Verantwortlichen nicht zu, weil einige Spieler nicht gekonnt hätten.

Dass der 13-Uhr-Termin in die Tat umgesetzt werden kann, sei auch nicht selbstverständlich, erklärt Haberschuss. „Das geht nur, weil die Mannschaft, gegen die unsere Zweite gespielt hätte, sich zurückgezogen hat.“

Eine Viertelstunde später als das Schwerter Derby „Rot gegen Blau“ beginnt das Heimspiel des Ligakonkurrenten SC Berchum/Garenfeld gegen den SSV Kalthof. Thomas Wegener, Sportlicher Leiter des SC, gewinnt der Konstellation sogar einen positiven Aspekt ab: „Nach dem eigenen Spiel kann man bei uns im Vereinsheim auf Sky das Revierderby gucken. Wenn man vorher selbst gewonnen hat, könnte das ein schönes Miteinander werden“, sagt Wegener.

Dagegen spielen mit dem Geisecker SV (zu Hause gegen Fortuna Hagen) und der SG Eintracht Ergste (beim SV Bommern) zwei weitere Schwerter Bezirksligisten schon samstags. „Es ist nicht so, dass wir von unseren Zuschauereinnahmen leben. Aber wir wollen ja nicht vor nur sechs Leuten spielen“, sagt Geiseckes Sportlicher Leiter Thomas Redel. Zudem wolle sicherlich auch der eine oder andere Aktive der ersten Mannschaft das Bundesliga-Derby sehen – da macht eine Vorverlegung Sinn.

Die Verantwortlichen der SG Eintracht Ergste stimmten dem Terminvorschlag des Gastgebers SV Bommern zu, nachdem Trainer Dominic Pütz sich vorher bei seinen Spielern umgehört hatte. „Mir selber wäre es ziemlich egal gewesen. Ich bin da relativ emotionslos, auch wenn ich BVB-Fan bin. Das Spiel am Sonntagabend im Fernsehen zu sehen, reicht mir. Aber weil bei uns auch alle Spieler samstags spielen können, war es auch kein Problem, dem Wunsch aus Bommern zuzustimmen“, sagt Pütz.

Von den heimischen A-Ligisten hat der VfB Westhofen am Wochenende Heimrecht. Auch die Westhofener ziehen ihre Partie gegen Urania Lütgendortmund auf den Samstag vor. „Bestimmt 30, 40 Leute mehr“ verspricht sich 2.Präsident Holger Lennartz von der Vorverlegung. Tags darauf sollen die Leute dann wieder zum Sportplatz kommen, wünscht sich Lennartz. Dann gibt´s im Vereinsheim auf Sky das Revierderby zu sehen, inklusive Verzehr und entsprechender Einnahmen.

Unter dem Strich aber bleibt das Verhältnis zwischen Amateur- und Profifußball kein ungestörtes. „Aber das Rad drehen wir nicht mehr zurück“, sagt Geiseckes Thomas Redel mit Blick auf die immer weiter zunehmende Kommerzialisierung – einen Satz, mit dem wir ihn übrigens im November 2015 auch schon zitiert haben.

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