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"Freitagabend ist ideal"

DORTMUND Kunstrasen und Freitagsspiele, Einstellung der Spieler und die Ziele - darum drehte sich das Redaktionsgespräch, zu dem aus jeder der überkreislichen Ligen mit Dortmunder Beteiligung ein Vertreter mitdiskutierte.

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Froh über Kunstrasen: Klaus-Dieter Friers.

Auch mal Drecksau sein: Thomas Faust.

Man braucht Kontakte: Andreas Müller.

 

Andreas Müller (Trainer, Phönix Eving, Landesliga), Klaus-Dieter Friers (Sportlicher Leiter, Westfalia Wickede, Bezirksliga 8) und Thomas Faust (Trainer, TuS Eichlinghofen, Bezirksliga 15) zeigten sich in fast allen Fragen einig.

Klaus-Dieter Friers kommt die Treppen zur Redaktion hochgehetzt.

Fühlen Sie sich auch bei Westfalia Wickede nach dem Umzug ins neue Pappelstadion wie der Hansdampf in allen Gassen?

Friers : In den vorigen drei Wochen haben wir ein absolutes Hammerprogramm absolviert.Firmenfußball-Bezirksmeisterschaften, Sport- und Spielfest, bald Halloween. Und dazu läuft der normale Ligabetrieb.

Und all das, um den neuen Kunstrasenplatz bekannt zu machen und ihm eine Seele zu geben...

Friers : Genau. Mit solchen Aktionen wollen wir die Leute aus dem Ort zum Platz locken, uns bei Unternehmen bekannt machen.

Ist Kunstrasen eine Chance, Fußball auch bei Kindern beliebter zu machen?

Faust : Ja, wir spüren das. Hombruch hat einen Kunstrasenplatz, Brünninghausen erhält einen. Da müssen wir aufpassen, dass uns die Jugendlichen nicht weglaufen. Für Eichlinghofen wäre Kunstrasen sehr wichtig.

Wobei bei Ihnen eher an Asche gedacht ist...

Faust : Ja, wir stehen auf der Prioritätenliste der Stadt, dass unsere Asche bald saniert wird. Der Verein bemüht sich aber, die Bedingungen für einen Kunstrasenplatz zu schaffen.

Müller : Unsere Konkurrenz-Situation ist ähnlich, obwohl wir bald Kunstrasen erhalten sollen. Wenn ich ehrlich bin, sehe ich die Asche in dieser Saison noch als Vorteil, da wir so dem einen oder anderen Gegner Punkte abkämpfen können.

Langfristig aber...

Müller: will sich der Großteil der Mannschaft weiterentwickeln. Wenn du spielerisches Potenzial hast, der Ball im Training aber ständig verspringt, verlierst du irgendwann den Spaß. Und natürlich benötige ich auch jetzt bei unserem schlechten Platz schon Überredungskunst, um Spieler zu locken.

Wie lockt also Thomas Faust einen Spieler auf die Eichlinghofer Asche?

Faust : Unsere Trainingsbeteiligung ist seit Jahren konstant hoch. Das intakte und beispielhafte Vereinsleben imponiert Fußballern. Was während der Hallenfußball-Stadtmeisterschaften in unserem Vereinsheim los ist, sollte jeder mal erleben.

Wer spielt gerne auf dem von Ihnen zum "Spitzen-Platz" erklärten Geläuf?

Müller : Die Jungs haben bei uns die Chance, Landesliga zu spielen. Sven Schlüchtermann beispielsweise hätte woanders womöglich auf der Bank gesessen. Sonst läuft alles über Kontakte. Wenn du die nicht hast, hast du verloren.

Natütlich aber muss der Charakter zur Mannschaft passen, oder?

Faust : Ich führe die Gespräche selbst und achte darauf, dass sie beispielsweise regelmäßig trainieren. Ich habe Probleme damit, Leute spielen zu lassen, die kaum trainieren.

Müller : Ich mache da schon Abstriche. Wenn einer woanders studiert, sich dort fithält, kann er bei mir spielen. Das sind dann Leute, die die Akzeptanz innerhalb der Mannschaft haben.

Bei vielen ist die Trainingsbeteiligung nicht so hoch. Ist die Bereitschaft, sich zu quälen, gesunken?

Friers : Eigentlich ist es seit Jahren dasselbe. Die Älteren sagen, die Jüngeren sollen mehr Gas geben. Das war früher nicht anders.

Müller : Ab und an kriege ich Anrufe, sie seien krank. So oft krank war ich in fünf Jahren nicht. Die Jüngeren respektieren die Älteren auch nicht mehr so.

Faust : Wir hatten nicht solche Probleme, mit Kritik umzugehen. Heute akzeptieren die Jungs es teilweise nicht, wenn die Leitwölfe etwas sagen. Zur Wehleidigkeit: Wenn wir verletzt waren, kamen wir auch schneller zurück. Heute musst du einige Jungs an die Hand nehmen, ihnen den Weg zum Arzt weisen etc. Ich sage denen, ihr dürft nicht zum Metzger gehen.

Müller : Wenn einer eine Wadenverhärtung hat, soll er zum Platz kommen und nicht zu Hause sitzen. Denn was hilft dagegen? Ein bisschen bewegen und dehnen.

Reden wir über das Reden. Bei Ihnen in Eving war Konsequenz gefordert.

Müller : Vielleicht bin ich als Trainer noch zu weich. Daher war es aber ein wichtiges Signal, die Meckerei aus dem Heven-Spiel nicht zu dulden. Als ich den einen oder anderen dann in Aplerbeck draußen ließ, hat er mich keines Blickes gewürdigt. Da muss ich aber durch. Ich hätte gerne noch den einen oder anderen Erfahrenen dabei, der mich unterstützt.

Faust : Manchmal musst du als Trainer auch eine Drecksau sein. Nach dem Training ist das vergessen.

Friers : Auch als Sportlicher Leiter dulde ich kein Jojo, unterstütze so den Trainer.

Die Zuschauerzahlen steigen, obwohl sonntags die Bundesliga spielt. Wie können Sie noch mehr Zuschauer locken? Wäre ein Spiel der Woche denkbar, das auf Freitag oder Samstag vorverlegt wird?

Friers : Die Sonntagsspiele der Bundesliga schmerzen. Freitagabend ist für unseren Klub ohnehin ideal. Dann kann der Mann zum Sportplatz gehen, nach dem Spiel etwas bleiben. Das bringt Geld in die Kasse. Am Sonntag sehe ich die vollen Züge, wenn Borussia Heimspiel hat. Das sind doch alles potenzielle Zuschauer, die uns fehlen.

Müller : Wir sollten sogar über generelle Spieltags-Verlegungen nachdenken. Erstens wegen der Konkurrenz. Und wenn ich aus einem 0:3 ein 4:3 mache, trinke ich am Sonntag ein Bier und fahre nach Hause. Am Freitag oder Samstag aber gehe ich feiern. Anstoß muss ja dann nicht um 18 Uhr sein, wenn einige noch arbeiten. Warum nicht um 20 Uhr?

Zum Sportlichen: Was dürfen wir von Ihren Mannschaften erwarten?

Faust : Wir wollen noch unter die ersten Fünf.

Friers : Wir freuen uns, wenn wir aufsteigen. Platz drei oder vier reicht. Auch unsere guten Neuzugänge wie Roman Schymanietz oder Sebastian Didion wollen hoch.

Müller : Gibst du mir deren Nummer? Zu uns: Wenn wir in dieser Liga absteigen, dann habe ich alles falsch gemacht. 

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Froh über Kunstrasen: Klaus-Dieter Friers.

Auch mal Drecksau sein: Thomas Faust.

Man braucht Kontakte: Andreas Müller.

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