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Nach dem Landesliga-Rückzug: Die Arminia lebt wieder

mlzMarten stellt sich neu auf

Arminia Marten meldete noch vor der Winterpause wegen Geldproblemen seine Mannschaft aus der Fußball-Landesliga ab. Der Verein war am Boden. Doch dem Verein wurde nun wieder neues Leben eingehaucht - Dank des Engagements vierer Männer.

Dortmund

, 08.06.2018

In diesem Jahr wird Arminia Marten 110 Jahre alt. Eigentlich ein stolzer Anlass zum Feiern. Es drohte aber ein ganz trauriges Jahr 2018 für den Traditionsverein zu werden, das Jahr des totalen Absturzes. Wären da nicht einige Alt-Arminen gewesen, die das nicht zulassen wollten. Und ein halbes Jahr nach der Weihnachtsfeier Ende 2017, als die Trauer in den zarten Willen umschlug, den Untergang nicht zuzulassen, stehen am schmucken Vereinsheim in Marten mehrere Männer nicht nur mit einem Konzept, sondern mit Fakten.

Komplette Mannschaft geht

Im Winter sah das alles noch anders aus. Die 1. Mannschaft zog sich freiwillig aus der Landesliga zurück. Trainer Giovanni Schiattarella fühlte sich völlig alleine gelassen, hörte auf. Mit ihm ging die komplette Mannschaft.

Keine Erste mehr, keine Zweite. Was blieb, waren zwei Jugendteams und die Alten Herren. Und die waren der Schlüssel zu dem, was da auf wundersamerweise in den vergangenen sechs Monaten entstand.

Heitmann schart alte Weggefährten um sich

Der Ur-Armine Jörg Heitmann scharte alte Weggefährten wie den mit ihm übrigens nicht verwandten Michael Heitmann, Frank Müller und Christian Franke um sich. Michael Heitmann war zuletzt im Dorstfelder SC aktiv, Franke Trainer von Urania Lütgendortmund und Müller, einst bekannter Spieler des Hombrucher SV, aktiv in den Martener Alten Herren.

Nach dem Landesliga-Rückzug: Die Arminia lebt wieder

Trainer Giovanni Schiattarella und die komplette Landesliga- Mannschaft warfen im Winter das Handtuch bei Arminia Marten und verließen den Klub © Schütze

„Wir wollten den totalen Absturz nicht zulassen“, begründet Jörg Heitmann den Schritt. „Es war hier ja keiner mehr da, kein Verantwortlicher, kein Helfer.“ Jörg Heitmann wird bald 2. Vorsitzender hinter Vera Schreiber, Michael Heitmann wird Sportlicher Leiter. Das neue Trainerteam der 1. Mannschaft heißt Christian Franke und Frank Müller. Alle kicken zusammen in den Alten Herren.

Heitmann: „Wollen ganz großes Wir!“

Und plötzlich, als die Ur-Arminen im Frühjahr die ersten Lebenszeichen sendeten, kamen viele wieder zurück, nicht nur, aber auch Spieler. Marten hat bereits jetzt einen Kader von 18 Leuten, die einfach gerne für Arminia spielen möchten: „Wir wollen das wieder haben, was wir früher mal hatten“, sagt Michael Heitmann, „ein ganz großes Wir!“

Dazu zählt übrigens eine bereits feststehende 2. Mannschaft, die aus ehemaligen Martener Juniorenspielern besteht. Und aus einer 3. Mannschaft, „die uns mehr oder weniger zugelaufen ist“, wie Franke sagt: „Das sind Hobbykicker, die eine Bleibe suchten und bei uns alle Möglichkeiten haben.“ Voraussetzung: Auch diese Jungs sollen sich einbringen. Beide Teams starten in der kommenden Saison in der C-Liga. Bevor es zu den Ambitionen geht, möchten die neuen, alten Arminen klarstellen: „Wir haben wieder Unterstützer. Jörg Heitmann war da extrem rührig, wir haben uns alle bemüht“, sagt Franke.

Vereinsheim soll wieder Treffpunkt werden

Das Vereinsheim soll wieder Treffpunkt werden, öffnet regelmäßig. Wenn die Teams Mitte Juni an den Start gehen, liegt die Ausrüstung vor. „Wir haben jetzt schon die Helfer beisammen, um den Spielbetrieb zu schaffen. Hier soll kein Trainer das Mädchen für alles sein“, sagen die Heitmanns.

Gute Bedingungen sollen die Jungs vorfinden, wenn es schon kein Geld gibt. „Die Zeiten sind vorbei. Wer hier hinkommt, kommt wegen des Wir-Gefühls“, sagt Christian Franke. „Wir leben das vor. Für mich ist das hier eine Herzensangelegenheit“, begründet Frank Müller sein Trainer-Comeback nach vielen Jahren.

Mannschaft in der A-Liga gemeldet

Zum Wohlfühlen zählt für die Verantwortlichen auch, dass die 1. Mannschaft nicht gleich nur unbequeme Fahrten hat. Daher meldete der Verein sie nicht - wie möglich - für die Bezirksliga, sondern für die Kreisliga A an. „Das sind interessante Derbys. Da spielen die Jungs gegen Gegner, die sie lange kennen. Und sie müssen auch nicht gleich gegen den Abstieg ran“, begründet Franke.

Seine Kontakte, aber auch die von Alten Herren wie Thorsten Nilkowski oder Sven Högner halfen, eine Mannschaft zusammenzubauen, die in der A-Liga konkurrenzfähig sein sollte. Vom DSC wechseln Jerome Benke und Mirko Burkamp, von BG Schwerin Daniel Reuschek, von RW Germania Kevin Kranefeld, vom TSC Eintracht Jannis Jersch, Jens Droese und von Frankes Urania kommen Nils Janke und Onur Topcuoglo mit.

Juniorenjahrgänge sollen besetzt werden

„Wir sind mit weiteren Perspektivspielern im Gespräch“, sagt der neue Coach. „Wir möchten hinter den Topteams eine gute Rolle in der A-Liga spielen. Dann ist das schon zufriedenstellend.“ Perspektive ist ein gutes Stichwort: Wichtig ist den Beteiligten, dass in naher Zukunft alle Juniorenjahrgänge wieder besetzt sind. „Bald kommt ein Jugendleiter, der das aufbauen soll“, verspricht Heitmann.

Das klingt, als spielten sie in Marten nicht bald das „Lied vom Tod“, sondern wieder „Arminia Fantastica“. Und besonders wichtig ist dem Organisationsteam, dass dann viele mitsingen. Sowohl Jörg als auch Michael Heitmann staunen: „Wir sind glücklich, wie neugierig viele schon sind und regelmäßig vorbeischauen. Und wir wollen die Voraussetzungen schaffen, dass dieses Mal auch alle bleiben.“