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Olympische Spiele von Pyeongchang

Ein Weizenbier vom Olympiasieger

Schwerte Der Schwerter Markus Paszehr (24) ist zurück von den Olympischen Spielen aus Südkorea – mit einer Menge intensiver Eindrücke im Gepäck. Paszehr erzählt von Ringen unter den Augen, dem Kampf mit dem Wetter und Wirrwarr in seinem Kopf.

Ein Weizenbier vom Olympiasieger

Markus Paszehr (Mitte) bei der Arbeit, hier nach dem Eishockey-Finale mit Patrick Ehelechner und Gerhard Leinauer aus dem Expertenteam. Foto: Markus Paszehr

Nach aufregenden, intensiven, aber auch anstrengenden 23 Tagen ist Markus Paszehr (24) von den Olympischen Winterspielen von Pyeongchang zurückgekehrt. Der Student an der Sporthochschule Köln war als Social-Media-Reporter für den TV-Sender Eurosport in Südkorea im Einsatz. Seit gut einer Woche ist Paszehr wieder in Deutschland und war auch für ein paar Tage in seiner Heimatstadt Schwerte. Michael Dötsch hat die Gelegenheit genutzt, sich mit Paszehr zu treffen.

Markus, hast Du Dein Schlafdefizit inzwischen ausgeglichen?

Ja, mittlerweile schon. Aber es war schon ziemlich heftig in Pyeongchang. Wenn ich mal auf fünf Stunden Schlaf gekommen bin, war das schon ein guter Schnitt. Die Olympischen Ringe hat man bei uns im Team am Ende auch unter den Augen der Leute sehen können.

Was genau hast Du bei Olympia gemacht, was war Dein Job?

Das ist gar nicht einfach zu erklären, jeder Tag war anders. Ich war im Digital-Team für Eurosport tätig, habe vor allem die Facebook-Live-Formate moderiert. Dabei standen Biathlon und Skispringen im Fokus, mit bekannten Leuten der Sportart wie Michi Greis, Sven Hannawald und Martin Schmitt im Expertenteam. Aber eben auch andere Sportarten. Zum Beispiel ein Facebook Live mit Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm und Nationalspieler Christian Ehrhoff, der sogar die deutsche Fahne trug. Ich war eigentlich immer irgendwohin unterwegs, wobei die Entfernungen viel größer waren als das vielleicht zu Hause am Fernseher rüberkam. Wir haben jeden Tag mehrere Stunden im Shuttle-Bus gesessen.

Was war die größte Herausforderung für Dich?

Es klingt so banal, aber es war der Kampf mit dem Wetter. Wir hatten in der ersten Woche minus 24 Grad mit einem richtig fiesen Wind. Sobald man mal den Handschuh ausgezogen hat, um die Kamera zu bedienen, war der innerhalb weniger Minuten wie festgefroren. Unvorstellbar, wie es für die Athleten gewesen sein muss. Zum Glück wurde es im Laufe der Spiele besser und am Ende waren es „nur“ noch minus 10 bis minus 15 Grad.

Ganz allgemein gefragt: Wie fällt Dein persönliches Olympia-Fazit aus?

Ich muss gestehen, dass ich auch mit ein paar Tagen Abstand immer noch ein ganz schönes Wirrwarr in meinem Kopf habe. Es klingt vielleicht komisch, aber den ersten und den letzten Tag habe ich noch ziemlich konkret vor mir. Es begann ja mit den beiden Goldmedaillen für Laura Dahlmeier und Andreas Wellinger. Da hatte ich plötzlich sogar kurz Kontakt mit Bundespräsident Steinmeier. Und der Schlusstag mit dem sehr emotionalen Eishockeyfinale – auch da war ich in der Halle. Auch dazwischen gab es natürlich viele Highlights, aber viele Dinge habe ich fast schon ein bisschen verschwommen in Erinnerung – es waren eben unheimlich viele und intensive Eindrücke. Das braucht noch etwas Zeit. Aber alles in allem war es für mich eines meiner bisher größten Erlebnisse.

Gibt es denn ein besonderes Highlight?

Schwierig zu sagen. Aber insgesamt waren die Skispringer schon echt cool. Andreas Wellinger hat zum Beispiel nach seiner Silbermedaille das ganze Eurosport-Team ins Deutsche Haus eingeladen und hat dann selbst hinter der Bar gezapft. Von einem Olympiasieger ein Weizenbier zu kriegen, war schon cool. Ich durfte auch seine Medaille mal anheben und ein Foto damit machen – die ist übrigens viel schwerer als ich geglaubt hatte.

Mit gerade mal 24 Jahren war es für Dich die ersten Olympischen Spiele. Ist im Laufe der Tage von Pyeongchang schon trotzdem so etwas wie Routine entstanden?

Die gab es tatsächlich. Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell das ging. Am Anfang war natürlich alles neu und aufregend, zumal ich wirklich der Jüngste im Team war. Aber nach ein paar Tagen hat man sich dann schon gesagt: Das ist halt meine Arbeit. Aber ganz Routine wird es natürlich nie – das sagt auch eine Kommentatoren-Legende wie Sigi Heinrich, der seine 13. Olympischen Spiele miterlebt hat und mit dem ich auch zusammenarbeiten durfte.

Wie sieht nach dem Olympia-Job Deine weitere berufliche Perspektive aus?

Tatsächlich hat erst einmal die Bachelor-Arbeit im Sommer Priorität – ich vergesse ganz gerne mal, dass ich eigentlich noch Student bin. Aber der Abschluss muss her! Generell bin ich aber selbstständig als Moderator, Reporter und Videojournalist unterwegs. Dabei habe ich den Schwerpunkt auf Social Media gelegt. Prinzipiell wird das Digital-Thema natürlich immer größer. Und ganz ehrlich: Wenn du so eine Erfahrung wie in Pyeongchang gemacht hast, kommst du auf den Geschmack. Wenn man sich dann noch überlegt, dass Olympische Sommerspiele noch eine Nummer größer sind… Also, ich würde lügen, wenn ich jetzt nicht sagen würde: Mein Ziel ist Tokio 2020 – da will ich hin!

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