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„Mein Handy ist explodiert“

Fußball: Interview mit Fabian Herbers

Aufregende Tage liegen hinter Fabian Herbers. Und vor allem vor ihm. Der gebürtige Ahauser hat einen Profivertrag bei Philadelphia Union erhalten und wird künftig in der Major League Soccer spielen. Am Telefon berichtet Herbers der Münsterland Zeitung, wie es ihm seither ergangen ist und was er sich von der anstehenden Saison in den USA erhofft.

AHAUS

, 19.01.2016
„Mein Handy ist explodiert“

Fabian Herbers mit dem Schal seines neuen Klubs beim „Superdraft“.

Fabian, wie geht es, was machen Sie gerade? Bestens, ich bin gerade fertig mit dem Frühstück.

Wie haben Sie den vergangenen Donnerstag, den Tag, an dem Sie MLS-Profi wurden, erlebt? Das war schon verrückt. Zwar hatte ich bereits eine Woche vorher einen Vorvertrag unterzeichnet, daher konnte ich mir sicher sein, dass ein Klub mich auswählen würde. Als ich beim Superdraft (das Auswahlverfahren der Profiklubs, d. Red.) in Baltimore saß, war mir aber überhaupt nicht klar, zu welchem Team es gehen würde. Man sitzt da gespannt auf seinem Stuhl und hat keine Ahnung, wann man an der Reihe ist und was passieren wird.

Für Sie hatte das Warten dann aber recht schnell ein Ende. Bereits als Sechster der insgesamt 41 Spieler wurden Sie ausgewählt … Ja, das stimmt. Dann wurde mir sofort ein Schal von Philadelphia Union umgehängt und ich musste eine Rede halten. Danach musste ich den Journalisten vor Ort unzählige Interviews geben. Zwar ist Fußball in den USA immer noch längst nicht so groß wie andere Sportarten, aber der Wirbel an dem Tag war schon riesig, für mich etwas völlig Ungewohntes.

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Aber sicher auch eine Bestätigung für die guten Leistungen in der College-Liga. Wie groß wird die Umstellung für Sie im Profibereich? Im College haben die besten 20 Teams, zu denen meins auch gehörte, schon das Niveau der Regionalliga in Deutschland. Jetzt wird es noch mal ein richtig großer Sprung in die Profiliga. Dort trifft man auf gestandene Spieler, das Tempo und das technische Niveau werden noch mal deutlich höher sein. Da werde ich mir meinen Platz hart erkämpfen müssen.

Welche Reaktionen haben Sie aus Ihrer Heimat Ottenstein und dem Westmünsterland erhalten? Das war Wahnsinn, mein Handy ist sozusagen explodiert. Als ich nach den ganzen Interviews drauf geschaut habe, waren etliche Glückwünsche auf allen Kanälen – SMS, Whatsapp und sämtlichen sozialen Medien – gekommen. Ich fand es sehr schön zu sehen, dass so viele Leute in Deutschland an mich gedacht und sich mit mir gefreut haben.

Ihr neuer Verein, Philadelphia Union, spielt erst seit fünf Jahren in der MLS. Was wissen Sie über den Klub? Viele Erfolge hat er nach so kurzer Zeit noch nicht aufzuweisen. Den Trainer und den Sportdirektor habe ich direkt am Tag des Superdrafts kennengelernt. Sie haben mir schon ein bisschen was über die Philosophie des Klubs erzählt. Die Marschroute ist, vor allem auf junge Spieler zu setzen. Ich denke, das ist der richtige Weg und hoffe, dass ich daran mitwirken kann. Ideal wäre das Erreichen der Play-Offs in dieser Saison.

Mit dem Schweizer Tranqillo Barnetta haben Sie unter anderem einen Ex-Bundesligaspieler an ihrer Seite. Hatten Sie schon Kontakt zu den neuen Kollegen? Nein, die Mannschaft habe ich noch nicht kennengelernt, die Vorbereitung beginnt aber an diesem Freitag. Barnetta hat natürlich einen Namen, hat für Schalke und Leverkusen gespielt und ist Schweizer Nationalspieler. Mit so einem Mann in einem Team zu sein, ist schon eine Ehre.

Wenn Sie an den Trainingsauftakt denken – haben Sie ein bisschen weiche Knie? Wenn man als junger Spieler neu dabei ist, kann man ja noch nicht das größte Selbstbewusstsein haben. Aber ich denke, dass sich die Aufregung nach zwei, drei Tagen legt. Ich weiß ja, dass ich auch ein bisschen kicken kann …

Sie könnten in der neuen Saison auf richtig große Namen treffen. Allein in New York stehen Frank Lampard, Andrea Pirlo und David Villa im Kader, in Los Angeles Steven Gerrard, in Orlando Káká und viele mehr … Da sind Spieler dabei, die in Europa alles gewonnen haben, die Champions League oder sogar den Ballon d‘Or. Ich kann mir ehrlich gesagt noch gar nicht richtig vorstellen, wie das sein wird, gegen solche Leute zu spielen. Es ist schon ein bisschen wie im Traum. Meine Chance, gegen solche erfahrenen Spieler mitzuhalten, liegt wahrscheinlich in der Schnelligkeit und Agilität. Letztendlich sind aber bei allen Mannschaften elf Leute auf dem Platz und nicht nur die Stars.

Was steht bei Ihnen als nächstes an. Ein Umzug nach Philadelphia oder den Spielort Chester? Ich bin jetzt schon in Philadelphia. Seit dem Draft wohne ich hier in einem Hotel etwa eine halbe Stunde außerhalb der City. Ich habe ja vorher in Omaha gelebt, aber schon alle meine Sachen gepackt, bevor ich Weihnachten nach Hause geflogen bin. Jetzt habe ich alles mit im Hotel und hoffe, dass ich in den nächsten Tagen eine Wohnung finde. Ideal wäre es, mit einem oder zwei meiner Mitspieler zusammenzuziehen. Einen kenne ich noch aus der College-Liga.

Wie ist es denn grundsätzlich, jetzt ganz allein in einer Millionenstadt zu sein? Ich habe schon Ansprechpartner im Verein, die organisieren mir zum Beispiel die Fahrten zum Klubgelände. Ansonsten komme ich aber wohl auch allein gut zurecht.

Wann werden Sie das nächste Mal in Deutschland sein? Ich nehme mal an, wenn die Saison zu Ende ist, also etwa Ende November.

In den vergangen zwei Jahren haben Sie in der Ligapause für die SpVgg Vreden gespielt. Das dürfte jetzt kaum möglich sein, oder? Das glaube ich auch nicht. Aber ich habe es immer wertgeschätzt, dass die Mannschaft und Trainer Marcus Feldkamp mir das ermöglicht haben. Das ist nicht selbstverständlich.