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Von Ottenstein in die Bundesliga

Ahauser ist Physiotherapeut bei Eintracht Frankfurt

Maik Liesbrock arbeitet als Physiotherapeut bei Eintracht Frankfurt. Der 34-jährige Ottensteiner erzählt von seinen Anfängen bei Borussia Dortmund und schwitzigen Händen bei der ersten Behandlung eines Profis.

Ottenstein

, 12.04.2018
Von Ottenstein in die Bundesliga

Der Ottensteiner Maik Liesbrock (r.) im Einsatz: Als Physiotherapeut von Eintracht Frankfurt behandelt er hier gemeinsam mit Mannschaftsarzt Dr. Christoph Seeger den Defensivspieler Jetro Willems. © Jan Hübner/Eintracht Frankfurt

Wenn Eintracht Frankfurt am kommenden Samstag bei Bayer Leverkusen gastiert, wird auch Maik Liesbrock wieder auf der Bank der Eintracht sitzen. Der Ottensteiner ist Physiotherapeut und schon seit fast zehn Jahren mittendrin im Profi-Zirkus. Er arbeitete auch schon für Borussia Dortmund und den FC St. Pauli. „Für mich ist es der absolute Traumberuf“, sagt der 34- Jährige.

Ob Robert Lewandowski, Mario Götze, Mats Hummels oder Kevin-Prince Boateng – sie alle hat Maik Liesbrock schon unter seinen Händen gehabt. Von Haus aus BVB-Fan, schlägt sein Herz mittlerweile etwas stärker für die Eintracht. Seit 2014 ist der Ottensteiner schließlich Leiter der physiotherapeutischen Abteilung in der Main-Metropole. Nahezu täglich bereiten er und sein Team die Profis auf ihre Trainingseinheiten vor, betreuen sie bei der Regeneration und kneten sie durch, wenn’s zwickt. Und bei den Spielen ist Liesbrock immer hautnah dabei.

Immer sechs Plätze neben Trainer Kovac

„Bleibt ein Spieler auf dem Platz liegen, muss es ganz schnell gehen. Dann müssen wir entscheiden, ob er weitermachen kann oder nicht“, erzählt Liesbrock, der auf der Bank immer sechs Plätze neben Trainer Niko Kovac sitzt. Mit ihm und dem Mannschaftsarzt Dr. Christoph Seeger stehe er in ständigem Kontakt, schließlich sei die Gesundheit der Profis das höchste Gut des Vereins.

Von Ottenstein in die Bundesliga

Der damalige BVB-Verteidiger Patrick Owomoyela war der erste Profifußballer, den Maik Liesbrock behandelte. © dpa

Dass es der Ottensteiner bis hierhin gebracht hat, ist für ihn ein großes Glück. „Bei 36 Klubs in der 1. und 2. Bundesliga ist es schwierig, in diesen Bereich reinzukommen.“ Doch Maik Liesbrock traf zur richtigen Zeit die richtigen Leute und investierte viel, um in der Bundesliga Fuß zu fassen.

Glück im Unglück hatte er, als er sich zu seiner Zeit als Spieler in Münster einen Kreuzbandriss zuzog. „Die Reha habe ich damals in Vreden absolviert und dabei Raphael Gebker kennengelernt.“ Mit dem Wessumer Physio habe er sich auch über die Behandlung von Profis des FC Twente unterhalten. „Da habe ich angefangen, mich für den Beruf zu interessieren und ein Praktikum gemacht, später dann in den Niederlanden Physiotherapie studiert mit dem Ziel Profifußball.“

BVB macht Job-Angebot nach Bachelorarbeit

Seine Bachelor-Arbeit schrieb er über die therapeutische Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum von Borussia Dortmund. „Das Ergebnis war zum Glück sehr gut, so habe ich kurz darauf ein Job-Angebot vom BVB erhalten und die U15-Mannschaft betreut.“ Nach und nach arbeitete er sich über die U17 zur U19 hoch und kam erstmals in Kontakt mit den Profis. „Der erste, den ich behandelt habe, war Patrick Owomoyela. Da war ich schon nervös und hatte schwitzige Hände. Aber Patrick hat mich sehr gut mitgenommen und alles hat geklappt.“

Ein weiterer Meilenstein in Maik Liesbrocks Laufbahn war die Begegnung mit dem Physio des Hamburger SV, Uwe Eplinius. „Ich habe ihn auf einer Fortbildung kennengelernt und er erzählte mir, dass der FC St. Pauli gerade einen Physiotherapeuten sucht.“ Die Bewerbung führte zur Einstellung als dritter Physiotherapeut beim Zweitligisten, für den er von 2011 bis 2012 arbeitete. „Das war ein super Zeit in Hamburg, da habe ich auch meine Frau kennengelernt“, erinnert sich Liesbrock. „Der Verein hat dann aber eingespart und ich musste gehen.“

Die guten Kontakte nach Dortmund bescherten dem früheren Jugendspieler des FC Ottenstein dann einen leitenden Posten im Nachwuchszentrum des BVB. „Wie der Zufall es wollte, hat ein Sohn von Bruno Hübner zu der Zeit in Dortmund gespielt“, so Liesbrock. Der Kontakt zum Sportdirektor der Eintracht, die gerade einen neuen Physio suchte, war hergestellt – und die Hessen stellten Liesbrock ein.

Wiedersehen mit Ex-Nachbar Herbers

Seither ist er mit der Mannschaft viel rumgekommen in der ganzen Welt. „Ich weiß noch genau, wie ich das erste Mal in den Mannschaftsbus eingestiegen bin, da habe ich mich gefreut wie Bolle“, so Liesbrock, der auch von der Gänsehaut-Atmosphäre in Frankfurt schwärmt: „Wenn das Stadion pickepackevoll ist und die Fans bei dem Lied ‚Schwarzweiß wie Schnee‘ alles raushauen – das ist immer wieder ein unglaublicher Moment“.

Im Sommer steht ein Trainingslager in den USA an. Dabei ist auch ein Freundschaftsspiel mit Philadelphia Union um den Ottensteiner Fabian Herbers geplant, auf das sich Liesbrock besonders freut. „Fabian ist nämlich genauso wie ich an der Ringstraße aufgewachsen.“ Die große Fußballwelt ist manchmal eben doch sehr klein. Und Maik Liesbrock hofft, noch lange Teil davon zu sein. Und in der nächsten Saison vielleicht sogar mit den Frankfurtern im Europapokal.