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Wer braucht Pinocchio?

Fußball

Die U17-Mädchen des SSV Rhade haben den Klassenerhalt in der Regionalliga geschafft. Ihr großes Plus waren dabei ihre Moral, ihr Einsatzwille und ihre Trainingsbeteiligung.

RHADE

von Andreas Leistner

, 13.06.2018
Wer braucht Pinocchio?

Rhade: 1 – Köln: 2. So endete das letzte Saisonspiel der Rhader U17-Fußballerinnen in der Regionalliga. Doch die Niederlage tat den Rhaderinnen nicht mehr weh. Lücke

Wer Mike Lerche anruft, der bekommt zur Überbrückung das Titellied der Zeichentrickserie Pinocchio zu hören. „Für die kleinen Lügengeschichten, wenn sich jemand vom Training abmelden möchte“, erklärt der 41-Jährige. Lerche ist Trainer. Seit zwei Jahren betreut er die U17-Fußballerinnen des SSV Rhade. „Aber bei denen“, sagt er, „brauche ich das Pinocchio-Lied nicht.“

Denn wenn das Team in der vergangenen Saison eines auszeichnete, dann die durchweg hohe Trainingsbeteiligung. Das war alles andere als selbstverständlich, denn die Rhaderinnen haben eine schwere Saison hinter sich. Als der SSV im Juni 2017 Westfalenmeister wurde und den Aufstieg in die Regionalliga klar machte, war Lerche und den Spielerinnen klar: „Das wird schwer!“ Und es wurde schwer.

In der Hinrunde gelangen dem Aufsteiger nur sieben Punkte. Zwei Siege, ein Unentschieden. Tabellenplatz zehn. Abstiegsplatz.

Dabei hatten die Rhaderinnen keineswegs enttäuscht. „In der Hinrunde haben wir super gespielt“, erinnert sich Mike Lerche. Was fehlte, war das Glück. „Wir haben zigmal Pfosten und Latte getroffen“, sagt er. Ein wenig habe auch die Unerfahrenheit eine Rolle gespielt, räumt der SSV-Trainer ein: „Regionalliga ist wirklich ein ganz anderes Kaliber als Westfalenliga.“

Doch so schlecht es nach der Hinrunde auch für die Mannschaft aussah − die Spielerinnen ließen sich niemals hängen. Sie kamen zum Training und arbeiteten hart an sich und für den Klassenerhalt. „Auch die Spielerinnen, die nicht zur Startformation gehörten, haben die ganze Saison über voll mitgezogen und so für den nötigen Konkurrenzkampf gesorgt“, lobt Mike Lerche auch seine „zweite Garde“.

Selbst als das Training in den Wintermonaten wegen des Kunstrasenbaus am Dahlenkamp nach Erle verlegt werden musste, brach die Trainingsbeteiligung nicht ein. Und das zahlte sich aus.

In der Rückrunde holte Rhade 13 Punkte, fast doppelt soviele wie in der Hinrunde. Knackpunkt war für Mike Lerche das Duell mit dem direkten Konkurrenten Leverkusen. Rhade setzte sich bei Bayer mit 2:1 durch. Das endgültige Signal zur erfolgreichen Aufholjagd.

Die wurde schließlich ausgerechnet gegen Meister SG Schönebeck Essen vollendet. Anfang Juni brachten die Rhaderinnen dem Nachwuchs des Frauen-Bundesligisten mit 2:1 eine von insgesamt zwei Niederlagen bei. „Wahnsinn“, sagt Mike Lerche noch heute und erinnert sich: „Da hatte ich echt Gänsehaut.“

Denn wegen Leverkusens gleichzeitiger Niederlage gegen Mönchengladbach stand damit auch der Rhader Klassenerhalt fest. Im letzten Saisonspiel gegen die U16 des 1. FC Köln konnte sich Rhade auch eine 1:2-Niederlage erlauben. Es tat nichts mehr zur Sache. Leverkusen hatte sechs Punkte Rückstand.

Die Weichen für die zweite Saison in der Regionalliga sind auch schon gestellt. „Der Kader bleibt zu 90 Prozent identisch“, berichtet der Trainer. Nur vier Spielerinnen wechseln in den Damenbereich, von auswärts sollen im Gegenzug noch zwei, drei Neuzugänge zum Team stoßen.

Nachwuchssorgen hat der SSV ebenfalls keine. „Ich habe schon in dieser Saison mit sechs Spielerinnen aus unserer U15 gearbeitet, die auch regelmäßig zum Einsatz gekommen sind“, erklärt Mike Lerche. Die Youngster werden also keine unbekannte Umgebung vorfinden und sind mit dem Niveau der Regionalliga bereits vertraut.

Und den Song auf dem Handy ihres Trainers kennen sie auch schon. Aber wer weiß? Vielleicht lässt Mike Lerche ja Pinocchio in der kommenden Saison Pinocchio sein und ändert die Überbrückungsmusik für seine Anrufer. Denn die erste Saison in der Regionalliga hat ihm gezeigt, dass er bei dieser Mannschaft keine Notlügen wie „Meine Oma hat Geburtstag“ fürchten muss. Einsatz- und Trainingsbereitschaft werden auch kommende Saison das große Plus der Rhaderinnen sein.