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Caterpillar in der Krise: Mitarbeiter verzichten auf Geld - sonst drohen Entlassungen

mlzBergbauzulieferer mit Problemen

Die rund 600 Caterpillar-Mitarbeiter verzichten 2019 auf mehrere hundert Euro pro Monat. Die Belegschaft hat dieser Maßnahme zugestimmt. Sonst hätten bis zu 170 Mitarbeiter gehen müssen.

Lünen

, 16.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Bergbau-Zulieferer Caterpillar will an seinem Lüner Standort mit den rund 600 Beschäftigten weiter sparen - und hat die Belegschaft überzeugt, einer Arbeitszeitverkürzung (ohne Lohnausgleich) von 35 auf 30 Stunden zuzustimmen. Andernfalls hätte Caterpillar wohl bis zu 170 Mitarbeiter entlassen. Die 40-Stunden-Verträge waren schon zuvor auf 35 reduziert worden.

Wie aus Unterlagen, die dieser Redaktion vorliegen, hervorgeht, hatte die Unternehmensleitung schon im Dezember 2018 mitgeteilt, dass „auch das Jahr 2019 im Hinblick auf die Auftragseingänge für unsere Standorte noch kein gutes Jahr werden“ würde. Die Auslastung der Werke (Lünen und der deutlich kleinere Standort in Wuppertal) liege 2019 nur bei 50 Prozent.

Verhandlungen waren „schwierig und emotional“

Deshalb verhandelten Betriebsrat und Geschäftsführung seit Januar über eine Reduzierung der Arbeitszeit, das erwies sich „als extrem schwierig und emotional“, wie der Betriebsrat der Belegschaft mitteilte. Ende Januar, hieß es aus der Geschäftsführung, müsse eine Einigung her.

Als die Belegschaft am 31. Januar in Wuppertal und Lünen abgestimmt hat, gab es eigentlich ein knappes Votum gegen die Vereinbarung: 209 Mitarbeiter stimmten dagegen, 203 dafür, einer enthielt sich. Rechnet man den Lüner Standort einzeln, ergibt sich jedoch eine knappe Zustimmung.

„Wir werden hier wohl nicht mehr in Rente gehen.“
Ein Caterpillar-Beschäftigter

Die Vereinbarung gilt somit für Teile der Belegschaft seit Februar, für andere Teile tritt die Stunden-Reduzierung Anfang April in Kraft. Die Regelung läuft zum Ende dieses Jahres aus. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verzichten damit auf 400 bis 600 Euro im Monat, schätzt ein Caterpillar-Beschäftigter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Immerhin ist es eine Reduzierung um etwa 8,5 Prozent.

Die Stimmung im Werk beschreibt ein Mitarbeiter so: „Uns ist klar, dass wir hier wohl nicht mehr in Rente gehen werden, wir machen uns keine falschen Hoffnungen mehr.“ Wären noch einmal 170 Mitarbeiter entlassen worden, „dann wäre das das Ende des Standorts“, ist er sich sicher.

Keine Stellungnahme aus der Geschäftsführung

Eine Stellungnahme von Geschäftsführer Thomas Reuß gibt es dazu nicht. Auf die Anfrage vom Freitag (8. März) meldete sich am Freitagmittag (15. März) Erik de Leye, Pressesprecher der Caterpillar-Gruppe aus Brüssel: „Um den Produktionsbetrieb der schwankenden Auftragssituation anzupassen, ist in einigen Bereichen die 30-Stunden-Woche eingeführt worden, in weitere Bereichen wollen wir das unter Umständen auch in Zukunft machen“, sagte er. Und weiter: „Diese Entscheidungen stehen in Zusammenhang mit der Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit in den Werken.“

Weitere Fragen nach dem Einsparpotenzial durch die Reduzierung, nach den betroffenen Bereichen, nach der Androhung von 170 Kündigungen und nach der Aussicht für die kommenden Jahre beantwortete de Leye nicht.

Dabei hätte es im März 2018 noch positive Signale gegeben: „Wir wollen kein weiteres Personal abbauen und auch die Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld ist kein Thema“, hatte Reuß gesagt. 2019 sieht das offenbar schon wieder anders aus.

Betriebsratsvorsitzender Andreas Unislawski wollte sich am Freitag nicht äußern. Er wolle erst eine Betriebsversammlung am kommenden Mittwoch abwarten, sagte er. Noch 2015 hatten 900 Mitarbeiter im Lüner Werk gearbeitet, zuletzt hatte das Unternehmen von nur noch rund 600 Beschäftigten gesprochen.

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