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100 Prozent mehr Beiträge: "Unumgängliche Hilfe zur Selbsthilfe"

CASTROP-RAUXEL Die Erhöhung der Verbandsabgabe für Vereine an den Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) um 100 Prozent hat hohe Wellen geschlagen. Die Vereine sind zum einen verärgert über die Höhe des Aufschlags und zum anderen darüber, dass sie im Vorfeld nicht genügend informiert worden seien. Dazu nimmt FLVW-Direktor Carsten Jaksch-Nink im Interview Stellung.

von Von Marc Stommer

, 14.12.2007

Herr Jaksch-Nink, warum wurde so kurzfristig die Erhöhung für den 1. Januar 2008 beschlossen?Jaksch-Nink: Weil jetzt erst alle Zahlen vorliegen und wir wissen, dass wir in 2008 mit einem Defizit von rund 780.000 Euro rechnen müssen. Durch die Verdoppelung der Beiträge decken wir 650.000 Euro des Defizits ab.

Hätte man dies nicht auch schon auf dem Verbandstag im Sommer beschließen können?Jaksch-Nink: Im Sommer stand noch nicht fest, mit welchen Zuschüssen wir rechnen konnten. Also war dort keine seriöse Beschlussgrundlage vorhanden. Es wäre unredlich gewesen, dort eine 50-prozentige Erhöhung zu beschließen, ohne zu wissen, ob das reicht.

Trotzdem sind die Vereine empört, dass sie ohne Vorwarnung vor vollendete Tatsachen gestellt wurden.Jaksch-Nink: Dass wir finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, ist auf dem Verbandstag angesprochen worden und wurde auch im Verbandsorgan berichtet. Es war also klar, dass wir auf der Suche nach einer Lösung waren. Fest steht: Die Erhöhung ist eine unumgängliche Hilfe zur Selbsthilfe. Schließlich können wir nicht wie die öffentliche Hand Betriebskosten über Kredite finanzieren. Das wäre kaufmännisch nicht akzeptabel.

"Personal- und Energiekosten, Wareneinstand und auch der 'Teuro'"

Wie kommt es überhaupt zu diesem Defizit?Jaksch-Nink: Hauptgrund ist wie überall der steigende Kostenblock: Personal- und Energiekosten, Wareneinstand und auch der 'Teuro'. Gleichzeitig brechen staatliche Zuschüsse weg. Wenn ein Jugendlicher für 27 Euro pro Übernachtung mit Vollpension in der Sportschule Kaiserau untergebracht wird, dann ist das ein sportpolitisch gewollter defizitärer Aufenthalt. Auf der anderen Seite sind die hierfür bereit gestellten Sportschuldefizitmittel des Landes aber seit 15 Jahren nicht mehr angepasst worden.

Wäre eine schrittweise Erhöhung - auch schon in den letzten Jahren - nicht ratsamer gewesen?Jaksch-Nink: In der Vergangenheit war ein Anpassungsfaktor nicht notwendig, weil es dem Fußball immer gut ging. Mit dem Wegfall der Landesmittel sieht dies anders aus. Außerdem ist die 'Verdopplung' der Beiträge relativ zu sehen. Die große Anzahl der Vereine spielt in den Kreisligen. Bei Kreisliga-A-Zugehörigkeit beträgt die jährliche Erhöhung 208 Euro. Umgerechnet auf einen Monat sind das 17,34 Euro.

"Es bringt nichts, sich jetzt gegenseitig zu zerfleischen"

Was raten Sie den Vereinen?Jaksch-Nink: Es bringt nichts, sich jetzt gegenseitig zu zerfleischen. Vereine, Kreise und Verband müssen geschlossen gegen das Land stehen und es auffordern, wieder ein verlässlicher Partner zu sein. Es kann nicht sein, dass Nordrhein-Westfalen auf der einen Seite von der Politik als das Sportland Nummer eins ausgerufen wird und auf der anderen Seite Eckpfeiler der Sportförderung wie die Einnahmen aus dem Lotto-Toto-Geschäft gestrichen werden. Dadurch fehlt allen Beteiligten die Planungssicherheit.

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