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15 000 demonstrierten gegen Nokia-Aus

Bochum (dpa) Eine Woche nach Bekanntwerden der Schließungspläne für das Bochumer Nokia-Werk haben am Dienstag 15 000 Menschen für den Erhalt des bedrohten Standorts demonstriert. Um Punkt fünf vor zwölf setzte sich ein Protestzug vor dem Bochumer Werk in Bewegung.

15 000 demonstrierten gegen Nokia-Aus

Nokia-Kundgebung

Eine Woche nach Bekanntwerden der Schließungspläne für das Bochumer Nokia-Werk haben am Dienstag 15 000 Menschen für den Erhalt des bedrohten Standorts demonstriert. Um Punkt fünf vor zwölf setzte sich ein Protestzug vor dem Bochumer Werk in Bewegung.

An dessen Spitze trugen Teilnehmer einen Sarg mit der Aufschrift «Nokia». Während des Demonstrationszugs und einer anschließenden Großkundgebung ruhte die Arbeit in dem Handy-Werk. Auch rund 2 000 Beschäftigte der drei Bochumer Opel-Werke schlossen sich dem Protestzug an. Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo geht nicht davon aus, dass die Fertigung in Bochum noch gerettet werden kann. «Es fällt mir sehr schwer zu glauben, dass in den Gesprächen, die wir jetzt führen werden, neue Informationen auftauchen, die diese Entscheidung infrage stellen», sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

IG-Metall-Chef Berthold Huber bezeichnete die Schließungspläne des finnischen Nokia-Managements als «Kampfansage an die gesamte IG Metall». Nicht wegen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit solle Bochum geschlossen werden, sondern wegen der «ungezügelten Gier nach maßlosen Profiten», sagte er. Nokia habe sich zum Ziel gesetzt, das Vermögen seiner Anleger alle fünf Jahre zu verdoppeln. Das sei «aberwitzig» und untergrabe das wirtschaftliche Fundament und das soziale Gefüge jeder Gesellschaft, sagte Huber. Das Konzept, zu niedrigen Löhnen und niedrigen Steuern in Osteuropa zu produzieren, aber zu höchsten Preisen und höchsten Gewinnmargen im Westen zu verkaufen, gehe auf Dauer nicht auf. Der IG-Metall-Chef forderte den Konzernvorstand auf, die Schließungspläne zurückzunehmen und den Beschäftigten ein Zukunftskonzept vorzulegen.

Nach einem Gespräch von Bundeskanzlerin Angela Merkel(CDU) mit dem Nokia-Chef kündigte das finnische Unternehmen an, «so schnell wie möglich» Sozialplan-Verhandlungen zu beginnen. Kallasvuo rechnet damit, dass die Schließung des Werkes zu hohen Kosten führen wird. «Es wird überall teuer, wenn sie so etwas machen, besonders in Deutschland. Das wird nicht billig», sagte er der «FAZ». In den ersten Tagen sei es nicht gelungen, die Gründe für die Werksschließung wirklich zu vermitteln, sagte Kallasvuo weiter. «Das mag etwas kalt gewirkt haben. Aber wir werden jetzt mit den Betroffenen diskutieren und wirklich nach Lösungen suchen.»

Merkel hatte zuvor die Kommunikationsstrategie des finnischen Unternehmens als «unverständlich» kritisiert. Es gebe aber Gespräche zwischen dem Wirtschaftsministerium und Nokia. Darüber sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte sie dem Radiosender NDR Info. Merkel zeigte sich skeptisch, ob die Firma ihre Schließungspläne revidiert. Die Regierung werde aber alles tun, um den von Entlassung bedrohten Beschäftigten zu helfen.

Am Montagabend hatte ein erstes Gespräch zwischen der Nokia- Führung und Arbeitnehmervertretern des Bochumer Werks zu keinem Ergebnis geführt. «Wir sehen das Gespräch als Auftakt zu einer Reihe weiterer Gespräche», sagte die IG-Metall-Bevollmächtigte Ulrike Kleinebrahm.

Derweil kritisierte der finnische Botschafter in Deutschland Subventionen wie bei Nokia im hessischen Radiosender hr-iNFO als «veraltete Industriepolitik». «Ich glaube nicht, dass sie ausschlaggebend sind für das Schließen oder Halten des Werks», sagte René Nyberg.

Der sozialistische Oppositionsführer Rumäniens, Mircea Geoana, beklagte am Dienstag, deutsche Politiker hätten bei der Debatte um die Werksschließung in «diskriminierendem und arrogantem Ton» über die Qualität rumänischer Arbeiter gesprochen. Es sei der Verdienst des rumänischen Ausbildungswesens, dass Rumänien Investoren anziehe, sagte Geoana bei einer Parteiversammlung im siebenbürgischen Cluj (Klausenburg). Nokia will am 11. Februar in Jucu bei Cluj mit der Produktion von Mobiltelefonen beginnen.

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