Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

16-Millionen-Urteil gegen Achenbach

Kunsthändler

Seit wenigen Wochen ist Helge Achenbach wieder auf freiem Fuß, doch nun wird eine gewaltige Schadenersatzsumme gegen ihn gerichtsfest.

Düsseldorf

von Frank Christiansen

, 28.06.2018
16-Millionen-Urteil gegen Achenbach

ARCHIV - 06.06.2018, Nordrhein-Westfalen, Moers: Ex-Kunstberater Helge Achenbach verlässt die Justizvollzugsanstalt. Am Donnerstag soll in Düsseldorf das Urteil im Schadenersatzprozess gegen Ex-Kunstberater Helge Achenbach verkündet werden. In dem Berufungsverfahren geht es um einen zweistelligen Millionenbetrag. Foto: David Young/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © dpa

Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hat den ehemaligen Kunstberater und Millionenbetrüger Helge Achenbach zu 16,1 Millionen Euro Schadenersatz verpflichtet. Das Gericht reduzierte dabei am Donnerstag die Forderungen der Familie des gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht gegen Achenbach um 2,6 Millionen Euro. Eine Revision ließen die Richter nicht zu.

Achenbach spricht von einem Racheimpuls

Achenbach hatte den 2012 gestorbenen Berthold Albrecht beim Kauf von Kunst und Oldtimern durch versteckte Preisaufschläge betrogen. Der heute 66-Jährige habe das „tiefe Vertrauen“ Albrechts ausgenutzt, befand das Gericht. Achenbach habe sogar Rechnungen manipuliert, um sein Vorgehen zu verschleiern.

„Mein Vermögen hätte gereicht, der Familie Albrecht den Schaden zu erstatten“, sagte Achenbach am Donnerstag. „Ohne den Racheimpuls aus Essen hätte ich den Schaden wirklich gutmachen können. Aber als ich im Gefängnis mattgesetzt war, ist ein Essener System der Zerstörung und der Wut über mich hergefallen.“

Insolvenzverfahren habe Substanz zerstört

„Die wollten mich kaputtmachen. Die haben mich entmaterialisiert“, sagte Achenbach. Der Kunstsammler deutete damit an, dass er die Forderung voraussichtlich nicht wird begleichen können.

Durch das Insolvenzverfahren seien Millionenwerte vernichtet worden, sagte er. Immobilien seien weit unter Wert abgewickelt worden und Oldtimer verschwunden. Die Insolvenzrichterin sei später auf ihn zugekommen und habe gesagt: „Sie sind zerstört worden, obwohl die Substanz groß genug war.“

Er habe einen Brief von der Mutter und vom Bruder Berthold Albrechts erhalten, in dem sinngemäß stehe: „Berthold hätte das niemals gewollt.“ Mit den Schulden müsse er nun leben: „Das hängt 30 Jahre an mir wie ein Wackerstein.“

Achenbach will nun verfolgten Künstlern helfen

Er jammere aber nicht, sei in seiner neuen Rolle sogar glücklich und zufrieden. „Ich kümmere mich nun um Menschen, denen es noch viel schlechter geht“, sagte er. Achenbach will nun politisch verfolgten Künstlern helfen.

Vor vier Jahren war die Welt des Helge Achenbach noch in Ordnung. Da hatte er das WM-Quartier der deutschen Nationalelf in Brasilien mit Kunst ausgestattet, die Mannschaft war auf dem Weg zum WM-Titel. Doch bei seiner Rückkehr aus Brasilien war Achenbach festgenommen worden und der Skandal nahm seinen Lauf.

Deutschlands bekanntester Kunstberater wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. Erst vor wenigen Wochen war er nach Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe auf freien Fuß gekommen. Seine Firmen gingen mit dem Skandal pleite. Rund 2500 Kunstwerke aus ihrem Bestand wurden in mehreren Auktionen zwangsversteigert.