30 Jahre Dark Wave in 3 intensiven Stunden

Deine Lakaien

Pathos, große Gesten und ein teils glasklarer Sound: In der Kölner Philharmoniehaben DeineLakaien mit einer Retroperspektive auf 30 Jahre Dark Wave ein unglaublich intensives Konzert gespielt. Und wurden dafür frenetisch gefeiert.

von Bernd Schuknecht

, , 04.02.2018, 12:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Stimme von Alexander Veljanov verfügt über eine enorme Strahlkraft.

Die Stimme von Alexander Veljanov verfügt über eine enorme Strahlkraft. © Thomas Brill

Auch wenn die Musik bereits nach Aschermittwoch klingt, so bricht doch ein in seiner Intensität ungewöhnlich frenetischer Applaus aus, als das Elektro-Duo Deine Lakaien auf die Bühne der nahezu ausverkauften Philharmonie in Köln kommt. Es scheint gleichsam, als hätte die großteils genrespezifisch in Schwarz gekleidete Gothic-Gemeinde 30 Jahre auf ein musikalisches Lebenszeichen ihrer Helden Alexander Veljanov (Gesang) und Ernst Horn (Keyboards, Komposition) warten müssen.

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Deine Lakaien in Köln

04.02.2018
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Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill
Deine Laikaien auf der "XXX – The 30 Years Retrospective"-Tour in der Kölner Philharmonie. © Thomas Brill

Deine Lakaien – der Name der 1885 gegründeten Band ist einem Lied von Einstürzende Neubauten entlehnt – präsentieren mit „XXX – The 30 Years Retrospective“ eine umfassende musikalische Rückschau inklusive der Nebenprojekte seiner Protagonisten - samt sechsköpfiger Live-Verstärkung, darunter ein Streicher-Trio.

Der 67-jährige Horn begann seine Karriere als Kapellmeister und Pianist an Theaterbühnen in Oldenburg und Karlsruhe und setzte sie später in München als Komponist am Bayerischen Staatsschauspiel fort ehe er nach einem Sänger für seine moderneren Musikvorstellungen suchte. Den fand er in

Alexander Veljanov, einem 1965 in Mazedonien geborenen Sänger, dessen düster-kräftige Stimme trotz reichlich unterlegtem Hall über eine Strahlkraft, wie sie ansonsten nur in Kirchen und Opernhäusern zu hören ist, verfügt.

Wirklich weg waren die Lakaien nie

„Away“ eröffnet das rund dreistündige Konzert, doch wirklich weg, waren Deine Lakaien eigentlich nie, zu vital klingen trotz Moll-Tonart noch immer die dem Dark-Wave-Genre zuzurechnenden Kompositionen wie „Gone“ oder „Lonely“. Anders als die mehr dem Pop zugewandten Minimalisten von Kraftwerk, die mit distanziertem technokratischen Verständnis die Avantgarde gesellschaftlicher Phänomene kommentieren, geht es bei Deine Lakaien immer nur um eines: Große Gefühle. Da gibt es keine Berührungsängste zu pathetischer Geste, wenn es um unerfüllte Sehnsüchte oder diffuse Ängste geht. Erste Abwechslung von der leicht depressiven Grundstimmung liefert das Hornsche Nebenprojekt Helium Vola. Den mittelalterlich inspirierten Piano-Klängen steuert Sängerin Sabine Lutzenberger mit Liedern wie „Mahnung“, „Dormi“ oder „Seelig“ einen Gesang in Mittelhochdeutsch bei, dessen glasklare Intonation an Lisa Gerrard (Dead Can Dance) erinnert.

Erstmals mit „The Man With the Silver Gun“ nutzt auch Alexander Veljanov die Gelegenheit, auf Solo-Projekte zu verweisen. Mit leichtem Country-Einschlag klingt er ein wenig wie Johnny Cash aus der Gruft.

Eindrucksvoll zeigt das Jubiläumskonzert, über wie viel igensinnige Experimentierfreude das musikalische Konzept von Deine Lakaien, die sich zu Beginn von Gruppen wie Joy Division, Ultravox oder auch Kraftwerk inspirieren ließen, noch immer verfügt, was letztlich auch für die Zukunft hoffnungsfroh stimmt. „Love me to the End“, ein Song aus der Anfangszeit, erklingt dann schließlich zum Finale, eindeutig als rein rhetorische Aufforderung zu verstehen, denn der frenetische Applaus des Publikums dürfte nichts Anderes bedeuten.

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