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«AAA» ist nicht entscheidend: Noten hinterfragen

Berlin/Hannover (dpa/gms) - Das Prinzip klingt einfach: Spezialisierte Agenturen bewerten Versicherungsunternehmen und deren Produkte und erleichtern Verbrauchern damit die Entscheidung beim Vertragsabschluss.

Doch um ein so genanntes Rating sinnvoll in die Suche nach einer geeigneten Police einzubeziehen, müssen sich Verbraucher mit den Kriterien der Bewertung auseinander setzen. Denn allein auf das Ergebnis von Ratings zu vertrauen ist falsch, warnen Experten.

Schon den Notenkanon zu überblicken ist kompliziert: Es gibt keine einheitlichen Bezeichnungen, sagt Carsten Pröhl vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin - wie etwa bei den Schulnoten von eins bis sechs. In einem Rating heißt die Bestnote «AAA», im nächsten «MMM», in einem weiteren gibt es für die Gewinner drei Sterne.

Dass «AA» besser ist als «A», leuchtet ein. Was aber sagen die Buchstaben und Sterne überhaupt aus? «Die Aussage, die hinter der Note steht, legt die Ratingagentur fest», sagt Pröhl. Er rät Verbrauchern, den Rat von Experten einzuholen. Versicherungsvertreter oder -makler können weiterhelfen.

«Wir bewerten die Qualität der Produkte. Und dabei bewegen wir uns auf der Ebene des Kleingedruckten», sagt Michael Franke, Geschäftsführer des Analyse- und Beratungsunternehmens Franke und Bornberg in Hannover. Er hält Ratings deshalb für eine wichtige Hilfe bei der Suche nach der geeigneten Versicherung. «Diese Analyse ist für Verbraucher gar nicht zu beherrschen.»

Verwechslungsgefahr besteht zudem zwischen Ratings und so genannten Rankings. Während bei Ratings mehrere Produkte oder Unternehmen den Spitzenplatz belegen können, gibt es bei Rankings jeweils nur einen ersten, zweiten und dritten Platz. Manfred Poweleit erläutert es so: «Ein Ranking ist wie die Bundesligatabelle. Bei einem Rating dagegen hätten alle Champions League-Teilnehmer 'AAA', die Mannschaften im UEFA-Cup 'A'», sagt der Chefredakteur des unabhängigen Branchendienstes «map-report» aus Artlenburg (Niedersachsen), der Versicherungsratings veröffentlicht.

Auch aus Sicht derer, die sich für Verbraucher in die Klauseln vertiefen, sind Ratings allerdings kein Allheilmittel. «Sie können eine professionelle Beratung nicht ersetzen», sagt Michael Franke. «Denn die Aussagekraft eines Ratings für den einzelnen Verbraucher hat seine Grenzen darin, dass es eine allgemeine Beurteilung ist.»

Wenn zum Beispiel jemand auf eine spezielle Klausel im Versicherungsvertrag angewiesen ist, könne ein Rating nicht die richtigen Antworten liefern, sagt Franke. Auf solche besonderen Anforderungen könne nur ein Berater oder Versicherungsvertreter eingehen. Franke rät Verbrauchern zudem, darauf zu achten, wie viele Kriterien von einer Ratingagentur überprüft wurden. Da gebe es zum Teil große Unterschiede.

Und entscheidend ist die Frage, was in einem Rating überhaupt bewertet wird. Die wirtschaftliche Situation von Unternehmen und die Aussichten für die Zukunft werden in so genannten Bilanzratings untersucht. Daneben gibt es Produktratings, in denen beispielsweise Lebensversicherungen verschiedener Anbieter beurteilt werden.

Aus Sicht von Niels Nauhauser, Experte für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart, helfen Bilanzratings nur denjenigen weiter, die sich langfristig an ein Unternehmen binden wollen, beispielsweise bei einer privaten Krankenversicherung. «Da ist mir die dauerhafte Zahlungsfähigkeit wichtig. Wenn das Unternehmen in einem Bilanzrating gut abgeschnitten hat, fühle ich mich sicherer.»

Bei Versicherungen, die kurzfristig gekündigt werden können, helfen Bilanzratings nach Nauhausers Einschätzung aber kaum weiter. Wenn ein Versicherungsunternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommt, sei ein Wechsel beispielsweise der privaten Haftpflichtversicherung oder einer Hausratversicherung relativ problemlos möglich. Deshalb kommt es hier auf Ratings zur Produktbewertung an. Poweleit warnt davor, Ausschnitte von Ratings zur Grundlage einer Entscheidung zu machen. Häufig würden Versicherungen mit einzelnen, positiven Bewertungen aus einem Rating für sich werben. Bereiche, in denen sie schlechter abschnitten, fielen unter den Tisch. Zudem würden manche Ratingagenturen von den Versicherungen bezahlt, die sie bewerten sollen, sagt Poweleit. Auch danach sollten Verbraucher sich erkundigen.

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