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500 Jahre alte Eichenreste entdeckt

Baumbrunnen

AHAUS Zum zweiten Mal nach 1976 ist in Ahaus ein alter Baumbrunnen entdeckt worden. Beinahe wären die geschätzt 500 Jahre alten Eichenreste achtlos geschreddert worden – hätte nicht Heimatforscher Ludwig Hopp ein wachsames Auge auf die Baustelle geworfen.

von Von Stefan Grothues

, 28.04.2010

Tagelang hatte Hopp die Ausschachtungsarbeiten an der Gasse hinter dem Ärztehaus zwischen Wall- und Frauenstraße im Blick. Dabei fielen ihm metergroße Schalen aus Eichenholz auf, die mit dem Aushub als Bauabfälle nach Gescher abgefahren wurden. „Ich habe mich direkt an den Bauherrn Werner Beckmann gewandt. Der hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Eichenreste wieder nach Ahaus zu holen.“

Eine erste Begutachtung nach einer groben Reinigung zeigte große Übereinstimmung mit dem Baumbrunnen, den August Bierhaus vor 34 Jahren bei der Stadtsanierung im Bereich Marktstraße entdeckte. Nach Zählung der Baumringe wurde damals die Baumfällung und der Brunnenbau auf die Zeit zwischen 1496 und 1506 datiert. Ludwig Hopp geht davon aus, dass sein Fund ähnlich alt ist. Stadtarchivarin Dr. Margret Karras sieht das auch so. In späteren Jahrhunderten, so sagt sie, seien Brunnen eher gemauert worden. Im 16. Jahrhundert allerdings seien Ziegel oder Steine ein teurer Baustoff gewesen. Wenn auch das Baumaterial Holz preiswert war, die Anlage eines Holzbrunnens muss für die Menschen ein hartes Stück Arbeit gewesen sein. Der Eichenstamm wurde zunächst längs geteilt, ausgehöhlt und dann wieder zusammengefügt.

Der Fundort bereitet aber dem Finder wie der Stadtarchivarin Kopfzerbrechen – lag er doch jenseits des Stadtgrabens und damit außerhalb des historischen Stadtgebietes. Im 16. Jahrhundert entstanden westlich der Wallstraße an der so genannten Hundestroote Wohnhäuser, deren Gärten an den Stadtgraben grenzten. Der Bereich Frauenstegge (heute Frauenstraße) jenseits des Grabens, wo die Brunnenreste freigelegt wurden, war aber noch bis Ende des 19. Jahrhunderts Grünland. Möglicherweise, so mutmaßt Karras, hat ja ein Hausbewohner der Hundestroote einen Brunnen errichtet, den er per Steg über den Stadtgraben erreichte.

Und was passiert jetzt mit den neu entdeckten Brunnenresten? Sollen sie nicht zerfallen, müssen sie von Spezialisten konserviert werden. Dr. Margret Karras sieht die Stadt aber nicht am Zuge. „Uns reicht es, den Fund zu dokumentieren und zu kartografieren. Sie empfiehlt dem Eigentümer, die Fundstücke vorerst in Wasser zu lagern, um schnelle Zerfallsprozesse auszuschließen. In anderen Fällen wurden ähnliche Fundstücke in Zuckerlösung konserviert. Auf diese Weise soll dem Holz das Wasser entzogen werden.