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Ab 2015 nur noch zwei katholische Gemeinden in Ahaus

Fusionspläne

In Ahaus soll es ab 2015 nur noch zwei statt fünf katholische Kirchengemeinden geben. Die Pläne des Bistums sind in den Gemeinden mit Überraschung und zum Teil auch Irritationen aufgenommen worden.

AHAUS

von von Stefan Grothues

, 26.01.2011
Ab 2015 nur noch zwei katholische Gemeinden in Ahaus

Der neue Dechant Pfarrer Heinrich Plaßmann von St. Marien Ahaus.

Am Dienstagabend hatte das Bistum die neuen Strukturüberlegungen in Borken vorgestellt. Danach sollen zum einen die drei Gemeinden St. Mariä-Himmelfahrt Ahaus, St. Andreas Wüllen und St. Martinus Wessum verschmelzen, zum anderen die beiden Gemeinden St. Georg Ottenstein und St. Mariä-Himmelfahrt Alstätte. „Wir waren sprachlos. Damit haben wir nicht gerechnet“, erklärten übereinstimmend Michael Gerling, der stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende in Wessum und der Wüllener Pfarrgemeinderatsvorsitzende Andreas Kersting zur geplanten Dreierfusion. Jetzt müsse man die Neuigkeiten erst einmal sacken lassen. Gerling: „Dann werden wir überlegen, ob es Alternativen gibt.“ Kersting gab sich kämpferisch: „Wir werden uns dafür stark machen, die 800-jährige Selbstständigkeit unserer Gemeinde zu erhalten. Unsere Pfarreiengemeinschaft funktioniert doch.“ Überrascht von den Fusionsplänen zeigte sich auch Anneliese Vortkamp Pfarrgemeinderatsvorsitzende von St. Mariä-Himmelfahrt Ahaus. „Das müssen wir erst einmal verdauen. Es wird ein sehr großes System entstehen. Aber ich glaube, wir werden es nicht abwenden können.“ Aus Sicht der kleinen Gemeinde St. Josef in Graes hat Vortkamp bereits vor sechs Jahren eine Fusion miterlebt. Ihr Fazit ist eher positiv: „Die Vielfalt – seelsorgerisch und ehrenamtlich –ist seither eher gewachsen.

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Der Ahauser Pfarrer Heinrich Plaßmann sieht die drei Gemeinden vor einem „langen und mühevollen Weg“ hin zu einer Großgemeinde. Gleichzeitig betonte er aber: „Einheit in größeren Strukutren mus nicht Gleichmacherei bedeuten“. Das habe auch die gelungene Fusion von St. Marien, St. Josef Ahaus und St. Josef Graes im Jahr 2005 gezeigt. „Es gab nie böses Blut oder Verweigerung. In den Pfarrbezirken gibt es weiterhin ein reges Eigenleben. Die Menschen dürfen die Beheimatung rund um ihren Kirchturm nicht verlieren.“ Jetzt gelte es. sich an einen Tisch zu setzen und etwaige Alternativen auszuloten. Plaßmann: „Ich kann noch nicht genau einschätzen, welche Möglichkeiten wir haben. Wir wollen in keinem Fall aussichtslose Kämpfe führen“. Und wer wird Pfarrer der künftigen Großgemeinde? Plaßmann: „Es ist noch viel zu früh, dazu etwas zu sagen. Diese Frage wird am Ende des Prozesse entschieden. Der Wüllener Pfarrer Gereon Beese war gestern nicht zu sprechen. Er weilt auf einer Urlaubsreise in den USA.

Weniger überrascht als die Wüllener und Wessumer zeigten sich die Vertreter der Pfarrgemeindenin Ottenstein und Alstätte. Für sie zeichnet sich die von vielen erwartete „kleine Lösung“ einer Zweier-Fusion abzeichnet. Seit 2003 bereits kooperieren die beiden Gemeinden miteinander in einer Pfarreiengemeinschaft. „Mit dieser Fusion können wir leben. Natürlich wären wir lieber selbstständig geblieben – aber die Zahlen der Kirchgänger und der Priester gegen dramatisch zurück. Wir müssen neue Wege gehen“, erklärte gestern der Ottensteiner Pfarrgemeinderatsvorsitzende Franz-Josef Gerwing (Foto l.). Wie er sieht auch der Alstätter Pfarrgemeinderatsvorsitzender Dr. Jens Potreck auf beiden Seiten eine Akzeptanz für die Entscheidung des Bischofs und den Willen zur gedeihlichen Zusammenarbeit: „Wir kennen uns schon seit langem und fangen daher nicht bei Null an.“ Darauf baut auch der Ottensteiner Pfarrverwalter Pastor Paul Ehlker (Foto r.): „Das fruchtbare Zusammengehen eröffnet auch viele neue Chancen.“ Er sieht seine Zukunft als Vicarius Cooperator in der von Pfarrer Matthias Wiemeler geleiteten neuen Gemeinde. gro Wie Vertreter des Bistums Münster, angeführt vom Regionalbischof für die Region Borken-Steinfurt, Dr. Christoph Hegge, und Generalvikar Norbert Kleyboldt, am Dienstag im Borkener Kapitelshaus erläuterten, seien  im Kreisdekanat vier neue Fusionen vorgesehen: Neben den Ahauser Fusionen die Zusammenlegungen in Bocholt (St. Georg/Lowick und St. Paul/Liebfrauen). Weitere, aber schon bekannte Fusionen betreffen Raesfeld und Erle, die von Weseke/Borkenwirthe/Burlo und die von Borken und Gemen. Darüber hinaus stellten Hegge, Kleyboldt sowie Kreisdechant Josef Leenders und der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge-Personal beim Bistum, Hans-Bernd Köppen, zunächst den Seelsorgern aus dem Kreis und dann den Vertretern der Kirchenvorstände, den neuen Struktur- und Stellenplan vor. „Wir können nicht mehr alles bedienen“, machte Weihbischof Hegge deutlich, dass man angesichts der sinkenden Zahl von Priestern Prioritäten auch im pastoralen Raum setzen müsse. Auch sei etwa die Zahl der Taufen und Hochzeiten in den vergangenen Jahrzehnten um rund zwei Drittel gesunken. Trotz der Notwendigkeit neuer Personalstrukturen sei man beim Bistum davon überzeugt, dass man auf dem Lande kleinere Einheiten brauche als in der Stadt, begründete Kleyboldt, warum das Bistum im Kreis Borken in vielen kleinen Gemeinden auch weiterhin buchstäblich die Kirche im Dorf lässt. Der Bistumsleitung liege viel daran, dass in den Orten und Ortsteilen auch weiterhin ein „lebendiges Gemeindeleben bleibt“, sagte der gebürtige Ahauser Kleyboldt. Hegge betonte weiter, dass die neuen Strukturen ein Gerüst seien, das jetzt mit Schwerpunkten pastoraler Arbeit gefüllt werden müsste. Kein Thema sei bislang eine eventuelle Umnutzung von Kirchen und kirchlichen Gebäuden gewesen, versicherte Hegge beim Pressegespräch. Zunächst gelte es, die personellen und pastoralen Fragen zu regeln, so der Weihbischof.

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