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Angeklagter akzeptiert Bewährungsstrafe

Kindesmissbrauch

AHAUS Jetzt können die Akten endgültig geschlossen werden. Nach monatelangem Leugnen hat ein 65-jähriger Mann vor dem Landgericht Münster nun doch noch eine zweijährige Bewährungsstrafe wegen sexuellen Kindesmissbrauchs akzeptiert.

von Von jörn Hartwich

, 01.04.2010
Angeklagter akzeptiert Bewährungsstrafe

Das Amtsgericht in Ahaus hatte den Rentner schon im Januar verurteilt, doch der 65-Jährige wollte sich mit der Strafe nicht abfinden. Er hatte auf „unschuldig“ plädiert und sofort Berufung eingelegt. Vor dem Landgericht musste der Fall deshalb noch einmal ganz neu aufgerollt werden. Nach der Vernehmung des mutmaßlichen Opfers (28) und deutlichen Worten des Gerichts zog der Senior seine Berufung jedoch überraschend zurück. Damit ist das Urteil rechtskräftig. Die Vorwürfe gehen auf das Jahr 1994 zurück. Im Mittelpunkt steht ein damals zwölfjähriger Junge. Der Schüler verbrachte viel Zeit bei seiner Oma in Ahaus, die Wohnung war sein zweites Zuhause geworden. Auch der Angeklagte war oft da. Er war ein Freund der Familie, kam an den Wochenenden gerne vorbei. Doch irgendwann soll er sich an dem Kind vergriffen haben.

„Meine Oma war schon im Bett, ich saß auf der Couch und sah fern“, sagte der heute 28-Jährige den Richtern mit leiser Stimme. „Dann hat er mich am Bein gestreichelt und gesagt, ich solle die Hose herunterziehen.“ Warum er sich nicht gewehrt habe, wollten die Richter wissen. Warum er nicht „Nein“ gesagt habe? Die Antwort war kaum zu hören: „Ich weiß es nicht.“ Über zehn Jahre hat der heute 28-Jährige geschwiegen und verdrängt. Dann gab es erste Gespräche mit seiner Ehefrau, später auch mit einem Freund, der sofort die Polizei einschaltete. Er selbst wäre diesen Schritt wahrscheinlich nie gegangen. „Er schämt sich“, sagte seine Ehefrau den Richtern in Münster. „Als er mir das erste Mal von dem Missbrauch erzählt hat, hat er nur ge-weint.“