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Ans Ende der Welt gegoogelt

Ahaus 22 Wochen Praktikum, 25 Stunden Flugreise und 12 Stunden Zeitverschiebung liegen gerade hinter ihm, doch Michael Gersmeier strahlt, als käme er aus dem Urlaub. Vielleicht weil er einen langen Sommer hinter sich hat, einen Sommer am anderen Ende der Welt Neuseeland.

07.03.2008

Ans Ende der Welt gegoogelt

<p>Auf den Spuren Frodos: Michael Gersmeier am Mount Ngauruhoe, dem "Schicksalsberg" in der Verfilmung von "Der Herr der Ringe". MLZ-Foto privat</p>

Der 24-Jährige Ahauser, der in Hamburg Nutz- und Sonderfahrzeugbau studiert, hat in Feilding in Neuseeland bei einem Fahrzeughersteller Berufserfahrungen gesammelt.

Wie aber bekommt man zu einer Praktikumsstelle, die über 18 000 Kilometer von zuhause entfernt liegt? "Ich wollte in den englischen Sprachraum, habe gegoogelt und Bewerbungen per E-Mail verschickt." Der Rest war mehr oder weniger Zufall. Ein Zufall, der ihm unvergessliche Eindrücke bescherte in einem Land, in dem weniger als fünf Millionen Menschen leben, aber fast 50 Millionen Schafe, die mitunter sogar neben Pinguinen auf einer Weide grasen, wie eines der 1500 Fotos zeigt, die Gersmeier mit nach Hause gebracht hat. "Die Landschaft ist einfach unglaublich. In wenigen Stunden erreicht man vom Gletscher aus das Meer, erlebt rasante Vegetationswechsel von kargen Trockengebieten bis hin zum Regenwald." Seit Peter Jackson dieser Kulisse in seinem Film "Der Herr der Ringe" ein eindruckvolles Leinwanddenkmal gesetzt hat, besuchen immer mehr deutsche Touristen Neuseeland. "Ich habe oft ins Englische gewechselt, um nicht immer von den Deutschen angesprochen zu werden.

In der Kleinstadt Feilding hielt allerdings hielt kein Deutscher an. Gersmeier arbeitete dort in einem Familienbetrieb mit rund 30 Mitarbeitern und konnte als Konstrukteur sogar eigene Kipper und Containerfahrgestelle entwickeln. Und er lernte das Kleinstadtleben der ganz normalen "Kiwis" kennen: Ihre Vorliebe für Rugby und Cricket, das liebevolle "Aufmotzen" ihrer Autos, ihr Inselbewusstsein (der Rest der Welt ist weit weg) und ihre Deutschlandkenntnisse (Oktoberfest und Mauerfall).

Und hat Michael Gersmeier mit Auswanderergedanken gespielt? Nur flüchtig, lautet seine Antwort. Die phantastischen Landschaften und freundlichen Menschen haben ihm nicht den Blick genommen für Schattenseiten: Das Gesundheitssystem zum Beispiel lasse sehr zu wünschen übrig. Und natürlich habe er seine Familie und Freunde vermisst. Für die hat er aber erst einmal nicht allzuviel Zeit. Gleich am Montag startet das neue Semester. Weihnachten soll das Studium abgeschlossen sein. Und dann? "Der Markt ist gut. Um einen Arbeitsplatz mache ich mir keine Sorgen." Und im Lebenslauf blinkt ein Praktikum am anderen Ende der Welt. gro michael.gersmeier.de

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