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Das Platt stirbt aus - Alstätter forscht in seinem Dorf

Plattdeutsche Sprache

Michael Eing aus Alstätte hat in seiner Facharbeit über Mundart erforscht, wer überhaupt noch Plattdeutsch spricht oder es wenigstens versteht.

Alstätte

von von Mareike Meiring

, 09.08.2018
Das Platt stirbt aus - Alstätter forscht in seinem Dorf

Die Erkenntnisse sind in Balkendiagrammen dargestellt: Michael Eing hat in seiner Facharbeit untersucht, wer in Alstätte noch Plattdeutsch spricht und versteht. © Mareike Meiring

Er selbst spricht zwar kein Platt. Dafür aber Michael Eings Eltern. Und das machen sie auch gerne mal in den eigenen vier Wänden, während die Kinder zwar alles verstehen, indes nur auf Hochdeutsch antworten können. Wie das wohl in anderen Alstätter Familien ist, hat sich Michael Eing daraufhin gefragt. Wird dort noch viel Plattdeutsch gesprochen? Und können sich auch die Jüngeren noch in dieser Mundart unterhalten?

Diese Fragen hat der Gymnasiast der Canisiusschule zum Anlass genommen, sich in seiner Facharbeit mal näher mit dem Dialekt zu beschäftigen. Und folgt man seinen Ergebnissen, sieht es nicht gerade gut ums plattdeutsche Erbe in Alstätte aus.

Viele Jüngere verstehen noch Plattdeutsch

„Die älteren Leute reden und verstehen noch viel Plattdeutsch. Die Jüngeren dagegen verstehen es zwar noch, aber sprechen es nicht mehr“, hat der 17-Jährige herausgefunden. Für diese Erkenntnisse hat er einige Alstätter mit in seine Facharbeit eingespannt. Über 80 Personen hat er in Alstätte befragt, von jung bis alt, männlich wie weiblich. Allen hat er einen Fragebogen gegeben, in denen sie angeben konnten, wo und wann sie noch Plattdeutsch sprechen, ob es bei ihnen im Elternhaus gesprochen wurde und wie sie ihre Kenntnisse einschätzen. Später hat er die Befragten in drei Altersgruppen eingeteilt, von null bis 20 Jahren, von 21 bis 60 Jahren und alle über 60 Jahre. Dann hat er die Fragebogen einzeln ausgewertet. Während fast 100 Prozent der Ü60-Generation ihre Plattdeutsch-Kenntnisse beim Sprechen wie auch Verstehen als gut bezeichneten, waren es bei den Jugendlichen – zumindest was das Sprechen angeht – null Prozent. Ging es ums Verstehen, gaben dagegen rund 70 Prozent der bis 20-Jährigen an, dieses noch gut zu können.

Mehr Männer

Doch nicht nur ein Unterschied zwischen den Altersgruppen hat Michael Eing festgestellt, sondern auch einen Unterschied zwischen den Geschlechtern. „Die männlichen Befragten sprechen mehr Platt als die Frauen“, sagt er. Doch auch nicht in jeder Situation. „Oft wird in Gesprächen zwischen Platt und Hochdeutsch gewechselt.“

Er selbst wird es wohl nicht mehr lernen, plattdeutsch zu sprechen, schätzt Michael Eing. Dabei hat seine Mutter Monika bewiesen, dass das durchaus auch als Erwachsene noch möglich ist. „Ich bin Krankenschwester und habe es mir für den Beruf später noch angeeignet“, sagt sie. Auch sie habe es vorher zwar verstehen, aber nicht sprechen können – und unterhält sich nun mit ihrem Mann fast nur noch auf Platt.

Platt schreiben kann fast keiner

Doch Michael Eing geht nicht davon aus, dass er für seinen späteren Beruf den Dialekt noch braucht. „Meine Ausbildungsstelle habe ich schon, ich werde nach dem Abi ein duales Studium der Wirtschaftsinformatik beginnen“, sagt der Alstätter, der noch ein Jahr zur Schule geht. Was sicherlich auch viele Stunden am Computer mit sich bringen wird. Und Platt nicht nur zu sprechen, sondern auch zu schreiben – das können selbst seine Eltern kaum, wie Mutter Monika freimütig erzählt.

Doch selbst wenn es irgendwann keine plattsprechenden Alstätter mehr gibt – „einzelne Begriffe werden sicherlich bleiben“, schätzt Michael Eing. Beispiel gefällig? „Die Fiets“, nennt der 17-Jährige spontan. Da kann auch er sich nicht vorstellen, dass irgendwann mal niemand mehr weiß, dass damit das Fahrrad gemeint ist.

Das Sandplatt und das Kleiplatt
  • Nicht überall im Altkreis Ahaus sprechen die Bewohner das gleiche Platt wie in Alstätte. In Alstätte wird vor allem das sogenannte „Sandplatt“ gesprochen, in Heek, Schöppingen und Metelen eher das Kleiplatt.
  • Der Unterschied: Im Kleiplatt folgen in den Wörtern zumeist zwei Vokale (Selbstlaute) direkt aufeinander, im Sandplatt dagegen gibt es in diesen Fällen zumeist nur einen Vokal. Während „laufen“ also in Alstätte im Sandplatt „lopen“ heißt, sagen die Anhänger des Kleiplatts hier „laupen“.