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Filme verleihen aus Leidenschaft

Die letzte Videothek von Ahaus

Die Anzahl der Videotheken in Deutschland geht seit Jahren drastisch zurück. In Ahaus ist der „Videopalast“ die letzte Anlaufstelle für Fans des traditionellen Filmverleihs auf der Silberscheibe.

Ahaus

von Von Greta Löderbusch

, 17.02.2018
Filme verleihen aus Leidenschaft

Kerstin Ruzzo möchte in ihrer Videothek an der Bahnhofstraße noch lange Filme ausleihen – aus Leidenschaft. © Greta Löderbusch

Videopalast“ heißt die einzige Videothek, die in Ahaus noch geblieben ist. Videotheken sind seit Jahren vom Aussterben bedroht, vor allem das Internet ist für den Filmverleih ein großer Konkurrent. Vor vier Jahren ist der Videopalast von der Bahnhofstraße 46 in die Bahnhofstraße 14 gezogen.

Zwischen einem Textilienladen und einem Friseur liegt die Videothek ziemlich versteckt. Der Blick in die Räumlichkeiten wird durch Plakate, die an der Eingangstür hängen, versperrt. „Jetzt im Verleih“ steht auf bunten Blättern geschrieben, die über den Plakaten kleben. Ein Labyrinth aus Regalen führt letztendlich zur Kasse im hinteren Bereich des Raumes.

Familienbetrieb

Kerstin Ruzzo hat die Videothek in Ahaus 2002 übernommen, damals noch mit 20 Aushilfekräften für die Standorte in Ahaus und in Stadtlohn. Mittlerweile arbeiten dort nur noch sie und ihr Mann, das Geschäft in Stadtlohn haben sie geschlossen. Videotheken waren vor 15 Jahren noch eine aufsteigende Branche, heute ist die Zukunft ungewiss. „Der Bedarf ist einfach nicht mehr da“, räumt die Besitzerin ein. Auch die Öffnungszeiten sind dementsprechend zurückgegangen. Der Videopalast hat dienstags und donnerstags ganztägig geschlossen.

Die meisten Videotheken in der Umgebung sind im Laufe der letzten Jahre aus dem Geschäft ausgestiegen. Die Kundschaft aus Vreden, Stadtlohn und Coesfeld kommt nun nach Ahaus. Es sind vorwiegend Stammkunden, „die kommen dann auf ein Käffchen vorbei“.

Der Laden verleiht DVDs, Blu-ray Discs, Spiele und bei Bedarf die dazugehörigen Spielekonsolen. „Besonders gefragt sind „Klassiker“ wie „James Bond“ oder die „Fack ju Göthe“-Reihe. Aber auch Horrorfilme sind bei den Kunden sehr beliebt und laufen nicht nur an Halloween gut“, so Ruzzo.

Trotz rückläufigem Umsatz haben sich die Preise im Videopalast nie verändert. „Wir haben damals nur von Mark auf Euro gewechselt“, verrät sie. Der Tagespreis für DVDs liegt zwischen 1,60 Euro und 1,80 Euro.

Streaming-Dienste

Online-Streaming-Dienste machen den Videotheken das Leben schwer. Kunden können für circa zehn Euro im Monat bequem von Zuhause beliebig viele Filme und Serien im Internet schauen. Besonders aber sorgen illegale Angebote im Netz für den Rückgang der Videotheken.

Während Onlineportale wie Netflix und Amazon Prime keine aktuellen Kinofilme anbieten, erscheinen auf illegalen Seiten manche Filme schon vor ihrem eigentlichen Kinostart.

Lange war das Abspielen dieser Filme eine rechtliche Grauzone, mittlerweile hat ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs das Streamen als rechtswidrig erklärt. Nutzer müssen mit teuren Abmahnungen und Schadensersatzforderungen rechnen. Nach Angaben des Interessenverbands des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IDV) ist der Umsatz in Deutschland von 165 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 121 Millionen Euro im darauffolgenden Jahr zurückgegangen. Noch düsterer sieht die Umsatzprognose von 117 Millionen Euro für das Jahr 2020 aus. Insgesamt gibt es in Deutschland noch 933 Videotheken, davon 180 in Nordrhein-Westfalen. Zur Boomzeit in den 80er-Jahren gab es fast 5000 Videotheken, die Umsätze lagen über denen der Kinos.

Walter Sosul leiht sich regelmäßig Filme im Videopalast aus. Die Bequemlichkeit, die viele Netflix-Nutzer zu schätzen wissen, möchte Sosul nicht haben. „Eine DVD auszuleihen ist noch etwas Besonderes. Wenn ich Streaming-Dienste nutzen würde, dann würde der Film zu etwas Alltäglichem werden.“

Ins Kino geht er nur, weil es dann eine gemeinschaftliche Unternehmung ist. Auch möchte er von Online-Streaming-Diensten nicht vertraglich abhängig sein. „Wenn man monatlich einen Beitrag zahlt, dann möchte man ja dementsprechend viele Filme schauen.“ Walter Sosul möchte lieber für das zahlen, was er auch tatsächlich nutzt.

Kerstin Ruzzo hofft, dass sich das Geschäft noch lange Zeit rentiert. „Ich mache das ja auch aus Leidenschaft. Ich bin ein absoluter Film-Fan.“

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