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Gedenkkonzert geht unter die Haut

Christuskirche Ahaus

Es war ein ruhiges getragenes Konzert mit Musik von und nach Erich Mendel, womit das Ensemble „Mendels Töchter“ zusammen mit Dr. Manfred Keller in der Evangelischen Christus-Kirche in Ahaus am Abend des Jahrestags der Reichspogromnacht am 9. November das Publikum „gefangen“ nahm.

AHAUS

von Von Elvira Meisel-Kemper

, 10.11.2011
Gedenkkonzert geht unter die Haut

»Mendels Töchter« in der Christuskirche: Vanessa Hövelmann, Barbara Keller, Cornelia Klären, Ulle Pfefferle.

Pfarrer Willy Bartkowski erinnerte an die schrecklichen Ereignisse an diesem Tag im Jahr 1938. Keller erwies sich als ausgewiesener Kenner von Leben und Werk Erich Mendels. Keller, Evangelisches Forum Westfalen, hatte zusammen mit der Christus-Gemeinde Ahaus, der VHS und dem Katholischen Bildungswerk Kreis Borken die Veranstaltung beziehungsreich „Sachor – Gedenke“ benannt. Keller erzählte aus dem Leben und Schaffen Mendels. Die vier Musikerinnen Vanessa Hövelmann, Barbara Keller, Cornelia Klären und Ulle Pfefferle hatten sich in die Musik Mendels eingefühlt. Sie sangen einige der 17 überlieferten Kompositionen von Mendel und eigene Kompositionen, die denen von Mendel nachempfunden waren. Seit acht Jahren widmen sich die Münsteranerinnen seiner Musik.

Mendel wurde am 14. Juni 1902 in Gronau geboren. 1922 nahm er eine Stelle als Kantor in der Jüdischen Gemeinde in Bochum an. „Auch die Bochumer Synagoge brannte in der Pogromnacht 1938“, so Keller. Kurz darauf wurde Mendel ins KZ Oranienburg-Sachsenhausen deportiert. Monate später kam er traumatisiert wieder frei. Bis dahin hatte Mendel bereits eine stattliche Sammlung synagogaler Musik gesammelt, die bei Verwandten in Enschede fast ganz verloren ging. Am 1. August 1939 emigrierte er über Holland nach England und später in die USA nach Philadelphia. Dort baute er als Eric Mandell eine neue Sammlung synagogaler Musik auf. Bald hatte er knapp 15 000 Werke aus Israel, den Ghettos und den KZs gesammelt, die er dem College übergab. Am 6. Februar 1988 starb Mendel kinderlos.

„Die Musik, die er geschrieben hat, ist Musik, die unter die Haut geht“, lobte Keller das Erbe Mendels als Komponist. Zehn Kompositionen sangen und instrumentierten die Musikerinnen. Jede spielte mehrere Instrumente. Klärens tragende Stimme passte gut zu den Inhalten. Es waren Lieder, die zum Schabbat, zu jüdischen Festtagen oder am Totenbett gesungen wurden. In „Adon Olam“ (Herr der Welt) wurde die Herrlichkeit des Herrn besungen. Überlagernde vokale und instrumentale Stimmen strahlten Gelassenheit und Zuversicht aus. „Der jüdische Gottesdienst ist ein Gebetsgottesdienst“, fasste Keller drei weitere Lieder zusammen. Immer wieder bewiesen die „musikalischen Töchter“ überzeugendes Feingefühl für die feinen melodiösen Untertöne dieser besonderen Musik. Ergriffen lauschte das Publikum, das sich mit stehenden Ovationen bedankte.

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