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Helena Sieniawski möchte Suchterkrankten Kraft geben

Neue Leiterin der Suchtberatungsstelle in Ahaus

Helena Sieniawski ist die neue Leiterin der Suchtberatungsstelle des Caritasverbandes für die Dekanate Ahaus und Vreden. In ihrer Arbeit macht ein Suchtmittel besondere Sorgen, weil es gesellschaftlich anerkannt ist.

Ahaus

von Von Mareike Meiring

, 16.02.2018
Helena Sieniawski möchte Suchterkrankten Kraft geben

Die Suchtberatungsstelle der Caritas bietet Hilfe an und arbeitet dabei auch mit Selbsthilfegruppen zusammen. © picture alliance / Felix Kästle

Eine Suchterkrankung bleibt ein Leben lang. „Aber man kann lernen, damit umzugehen“, sagt Helena Sieniawski. Und genau dabei will sie Ratsuchende unterstützen. Seit Anfang Dezember leitet die Münsteranerin die Suchtberatungsstelle des Caritasverbandes für die Dekanate Ahaus und Vreden und hat stets eine offene Tür für suchtkranke Menschen in dem Haus der Beratung an der Wüllener Straße.

Die 45-Jährige ist für die Caritas keine Unbekannte. Seit 2003 arbeitete Helena Sieniawski bereits im Caritasverband in Ahlen, zunächst in der Suchtberatung, später übernahm sie dort die Leitung der Migrationsberatung. Helena Sieniawski ist in der ehemaligen Sowjetunion geboren, außer Deutsch spricht sie noch Russisch und Polnisch fließend. Mit 18 Jahren kam sie damals nach Deutschland, machte hier das Abitur und begann schließlich in Paderborn mit dem Studium der Sozialen Arbeit.

Helena Sieniawski möchte Suchterkrankten Kraft geben

Die neue Leiterin der Suchtberatungsstelle des Caritasverbandes für die Dekanate Ahaus und Vreden, Helena Sieniawski © Mareike Meiring

Besonders die Suchtberatung lag ihr immer am Herzen. „In der Suchtberatung arbeitet man noch viel intensiver mit den Menschen als in der Migrationsberatung“, sagt sie. 2008 hat sie eine Weiterbildung zur Suchttherapeutin gemacht, so ist sie nicht nur beratend tätig, sondern auch in der Therapie. Und entgegen vieler Meinungen hat sie es längst nicht nur mit „hoffnungslosen Fällen“ zu tun, wie Sieniawski sagt. „Es gibt auch viele positive Verläufe. Viele schaffen es, abstinent zu bleiben oder ihnen gelingt nach einem Rückschlag doch noch ein Erfolg.“ Das gibt nicht nur der betroffenen Person Kraft, sondern auch den Menschen in dessen Umfeld. Denn auch Angehörige leiden oft enorm unter einer Suchterkrankung in der Familie.

Am weitesten verbreitet sei noch immer die Alkoholsucht. „Alkohol ist in der Gesellschaft sehr anerkannt“, sagt Sieniawski. Wenn jemand das ein oder andere Bier trinkt oder mal abends eine Flasche Wein öffnet, macht sich also erst einmal niemand Gedanken. „Aber beim täglichen Konsum – auch wenn es nur eine Flasche Bier ist – geht es schon in Richtung Abhängigkeit.“ Zudem komme es nicht nur auf die Menge oder die Häufigkeit an. „Die Frage ist, wie stark beeinflusst der Alkohol mein Leben“, sagt Sieniawski. Kommen Ratsuchende zu ihr, versucht sie daher zunächst herauszufinden, in welche Richtung die Abhängigkeit geht, bevor sie über Therapiemöglichkeiten informiert.

Nur wenige Drogenabhängige

Ebenso kommen auch Medikamentenabhängige oder Glücksspielsüchtige in die Beratungsstelle des Caritasverbandes. Mit Drogenabhängigen haben die insgesamt fünf Mitarbeiter eher weniger zu tun.

Als besonderen Schwerpunkt will sich Sieniawski in Zukunft auch die Glücksspiel- und Medienabhängigkeit setzen. Weil die Betroffenen hierbei die Abhängigkeit nicht direkt am eigenen Körper merken – wie etwa bei übermäßigem Alkoholkonsum –, denken viele, sie könnten ohne Probleme damit aufhören. Doch die Folgen seien ebenso gravierend, sagt Sieniawski: „Die Betroffenen isolieren sich total, mache verwahrlosen“, sagt sie. In solchen Fällen seien es oft auch Angehörige, die unter der Sucht leiden und sich an die Beratungsstelle wenden.

Steigende Bereitschaft

Doch viele Abhängige kommen laut Sieniawski auch aus eigener Initiative. „Viele merken selbst, dass es ihnen nicht gut geht.“ Während die Zahlen suchtkranker Menschen in den vergangenen Jahren stabil geblieben sind, steigt ihrer Ansicht nach die Bereitschaft, professionelle Hilfe anzunehmen.

Für die Zukunft ist es der Leiterin ein Anliegen, die Beratungsstelle noch stärker für Migranten zu öffnen. „Denn deren Krankheitsverständnis ist häufig noch ganz anders, viele gehen damit gar nicht nach außen“, sagt Sieniawski. Das will sie ändern – und so noch mehr Menschen dabei helfen, mit der Erkrankung zu leben.

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