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Joachim Gauck stellt seine Biographie "Winter im Sommer - Frühling im Herbst" vor

Dorothee-Sölle-Haus

AHAUS Großes Interesse fand der Besuch von Joachim Gauck im Dorothee-Sölle-Haus in Ahaus, zu dem die evangelische Christus-Gemeinde und das Evangelische Forum Westfalen ihn eingeladen hatten. Im Gepäck hatte er sein zweites Buch "Winter im Sommer - Frühling im Herbst", dass aufgrund der großen Nachfrage bald in sechster Auflage erscheinen wird.

von Von Elvira Meisel-Kemper

, 14.04.2010
Joachim Gauck stellt seine Biographie "Winter im Sommer - Frühling im Herbst" vor

Pfarrer, Politiker, Entlarver: Joachim Gauck.

Pfarrer Willy Bartkowski stellte seinen Amtskollegen als "freischaffenden Demokratielehrer und Reisenden in eigenen Erinnerungen" vor. Doch Gauck war mehr. Er war Pfarrer, Politiker und mit der Gründung und Einrichtung der Gauck-Behörde 1992 auch Entlarver der Stasi-Machenschaften.

"Durch das Schreiben der Biographie habe ich Zugang zu meiner Seele gefunden", so Gauck. Zusatzinformationen gaben eine Vorstellung von den politischen Verhältnissen, die ihn geprägt haben. Gauck griff ganz persönliche Abschnitte aus seiner Biographie heraus.

Vater wurde Spionage vorgworfen Das Wort "abgeholt" habe ihn geprägt seit dem 26.Juni 1951 , an dem sein Vater verhaftet wurde. Für fünf Jahre verschwand sein Vater in den Gulags der Sowjets. Unter dem Vorwurf der Spionage wurde er ohne Anwalt zu zwei Mal 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. "Das war so in der Stalinzeit. Hast du erst eine Person, dann findet sich auch ein Delikt", ironisierte Gauck das einschneidende Erlebnis.

Die Überhöhung des Westens nach dem Bau der Mauer erlebte er als Familienvater mit grotesken Auswirkungen. An der Ostsee hielten die Menschen Ausschau nach Strandgut aus dem Westen, dass sie im Wohnzimmer ausstellten. "Jede Seite hat ihre innere Wirklichkeit", resümierte Gauck. Betroffenes Publikum Besonders bewegend war für ihn der Abschied von drei seiner vier Kinder, die 1987 und im Juni 1989 in den Westen ausreisen durften. Das Gefühl, seine Kinder vielleicht nie mehr wiederzusehen, nagt auch heute noch an ihm. Betroffenheit war die Reaktion des Publikums auf die Gefühlsaufwallung des Gastes.

"Wo ich jetzt lebe, habe ich Freiheit", leitete er ein Plädoyer für die Freiheit ein, die er vor dem Fall der Mauer nur in der Kirche fand. "Die Trauer um den Verlust der Intensität begleitet uns, auch wenn wir keine Sekunde die DDR zurück wünschen", relativierte er diesen Gedanken zum Schluss. Der Applaus belohnte ihn für die Ehrlichkeit.