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Jungen stark machen

Ahaus Mädchen haben in der Schule nicht die gleichen Chancen wie Jungen, also müssen sie stärker gefördert werden - das war gestern. Inzwischen wissen Pädagogen: Jungs sind die neuen Sorgenkinder - zunehmende Aggressivität und mangelnde Konzentrationsfähigkeit sind die Symptome. Nach einer möglichen Therapie suchten jetzt Lehrer aller Schulformen - nur Männer.

10.12.2007

Jungen stark machen

<p>Jochen Meyknecht (Realschule im Vestert), Thomas Linden (Annette-von-Droste-Hülshoff Hauptschule), Hartmut Kösters (Andreas-Grundschule Wüllen), Andreas Kaulingfrecks (Don-Bosco-Förderschule) und Günter Sowa (Alexander-Hegius-Gymnasium). Meisel-Kemper</p>

"Ich-Stärkung für Jungen" lautete der Titel der Veranstaltung des Jugendamts Ahaus, die Ralf Rehorst vom Jugendamt leitete. Jungen seien privat und in den Schulen meist nur von Frauen umgeben, so Rehorst. Deshalb gelte es, sie besonders zu stärken. Zwölf Lehrer von vier Grundschulen und sieben weiterführenden Schulen nahmen das Angebot des Jugendamtes wahr.

Unter der Leitung von Jörn Oberheim, der als Kommunikationstrainer vom Smart-Team Hamburg in Sachen "Gewaltprävention" bundesweit unterwegs ist, entwickelte sich in dem Männerkreis während der dreitägigen Seminarphase ein reger Austausch von Erfahrungen und neuen Erkenntnissen.

Auslöser waren die Meldungen von Lehrern über zunehmende Entwicklungen wie Mobbing und verbale Attacken, die zur Gewalt führten, und über die Häufung offener Gewalt unter Jungen. Deshalb werde es nach dem Seminar weitere Angebote geben für Lehrkräfte.

Der Umgang mit Wut und Aggression, Teamfähigkeit und Zivilcourage, die Austragung von Konflikten untereinander sowie Förderung des Kontaktes zu Jungen waren Themen. Ausgrenzung, Gruppendruck und psychische Gewalt nahmen ebenfalls breiten Raum ein. Ohne Elternarbeit sei das nicht zu bewältigen, waren sich alle einig.

Die anfängliche Skepsis mancher Lehrer legte sich schnell. Günter Sowa (Alexander-Hegius-Gymnasium) beobachtete immer wieder die "stillen Jungs", die ihre Wut und Aggression sammelten. Andreas Kaulingfrecks (Don-Bosco-Förderschule) sah die Chance des Erfolgs, aggressive Situationen schon im Vorfeld entschärfen zu helfen. Hartmut Köster (Andreas Grundschule Wüllen) fasste es für viele Kollegen zusammen: "Ich wünsche mir, dass Kinder auf spielerische Art ihre Aggressionen ausleben können. Aggressionen sind nicht immer negativ." Thomas Linden ist Verbindungslehrer an der Annette-von-Droste-Hülshoff-Hauptschule in Alstätte. Aus seiner Erfahrung verbergen sich hinter Aggressionen häufig Angst und Unsicherheit. Jochen Meyknecht (Realschule im Vestert) fand es gut, dass endlich einmal eine Förderung für Jungen angeboten werde: "Viele Mädchen haben schon ganz viele Jungs abgehängt." Alle Teilnehmer lobten den angestrebten Netzwerkcharakter. emk

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