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Nicht ohne Gottes Einwirken

Ahaus Warum ist nicht Nichts? Um es vorweg zu nehmen: Eine Antwort erhielten die Besucher des Forums politische Theologie im Ahauser Schloss von Prof. Dr. Josef Wohlmuth nicht. Dafür ein Bekenntnis: "Ich glaube, dass hinter diesem unvorstellbar großen, faszinierenden und gleichzeitig erschreckendem Weltall ein Gott steht."

10.12.2007

Nicht ohne Gottes Einwirken

<p>Beim Forum politische Theologie ging es diesmal eher unpolitisch zu: Prof. Dr. Josef Wohlmuth referierte im Schloss. Lüttich-Gür</p>

Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube - dass sich diese Begriffe nicht wechselseitig ausschließen, ist auch in der katholischen Kirche längst ein alter Hut: "Wir haben doch alle akzeptiert, dass die Welt ein evolutiver Prozess ist", machte der Bonner Theologe deutlich. Dennoch reißen die Debatten über Zielgerichtetheit oder Zufall in der Entwicklung der Natur nicht ab.

Auch nicht in Ahaus: "Kann der Zufall wirklich ein Erklärungsmodell abgeben?", fragte der Priester - und bereits der Tonfall seiner Stimme machte den Zweifel deutlich, dem nicht nur andere gläubige Christen teilten, sondern eben auch zahlreiche Naturwissenschaftler. Wohlmuth verwies dabei auf die Theorie des Intelligent Design, einer Art gemäßigten Strömung des Kreationismus. "Wenn etwas ist, also nicht Nichts ist, muss es dann nicht einen Schöpfer geben?"

Nach einem Exkurs zu wissenschaftstheoretischen Grundfragen erläuterte Wohlmuth - für machen Laien etwas zu gelehrsam - den Schöpfungsbegriff bei Thomas von Aquin. Der hatte bereits im 13. Jahrhundert vor der Herausforderung gestanden, die es auch heute noch zu meistern gilt: eine Synthese von Vernunft und Glauben.

Levinas als Schlüssel

Zurück zur Evolution: Dass sie durch Schöpfung erst möglich geworden sei, lässt sich nach Wohlmuth nicht in den grenzenlosen Weiten des Alls erkennen, sondern im begrenzten eigenen Bewusstsein.

Den Schlüssel zu diesem Verständnis liefert einer, der vom Urknall nichts wusste und sich für Naturwissenschaften nicht interessierte: Emmanuel Levinas (1906-1995), der führenden Interpret der "Ethik als Erster Philosophie". Das menschliche Bewusstsein selbst, so der jüdisch-französische Philosoph, habe keinen auf eine Ursache zurückführbaren Anfang und überschreite alle kausalen Gesetzmäßigkeiten.

Es verlange ohne Grund, gut zu handeln und zu helfen. Durch dieses ethische Verhältnis zum Anderen erfahre der Mensch das Göttliche, die Quelle seiner unstillbaren Sehnsucht nach dem Guten - seinen Schöpfer.

Für ein Gefühl des Hineingeworfenseins in eine unwirtliche Welt, wie es manchem Zeitgenossen plagen mag, gibt es da keinen Platz. Für das Nachdenken über Konsequenzen für die Politik keinen Anlass. Wohl für die Liturgie. Das Glaubensbekenntnis etwa könne im Licht des neuen Verständnisses des Anfangs der Dinge neu buchstabiert werden, so Wohlmuth.

Das sei ihm alles etwas dogmatisch, seufzte ein Zuhörer. Wohlmuth schmunzelte nur: "Ich hätte sie vorwarnen müssen. Ich bin schließlich Dogmatiker. " sy-

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