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Rocker-Chef hatte sich im Zillertal versteckt

Satudarah-Rocker aus Alstätte festgenommen

Monatelang fahndete die niederländische Polizei vergeblich nach Satudarah-Rocker Michel B. aus Alstätte. Dann bekam sie endlich einen Tipp.

Alstätte/Gerlos

, 22.02.2018
Rocker-Chef hatte sich im Zillertal versteckt

Da saßen sie noch einträchtig am Tisch: Yildiray K. (2.v.l.) und Michel B. (4.v.l.). bei einer Pressekonferenz anlässlich der Gründung eines Duisburger Satudarah-Chapters im Jahr 2012. Yildiray K. belastet jetzt Michel B., in einen Mordfall verwickelt zu sein. © picture alliance / dpa

So schnell dürfte der Alstätter Michel B. seinen Wohnort nicht wiedersehen. Der 52-Jährige Niederländer, einer der führenden Köpfe der inzwischen verbotenen Rockergang Satudarah, sitzt derzeit in Österreich in Auslieferungshaft.

Die niederländische Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Mitglied einer kriminellen Vereinigung zu sein. Ihm und weiteren Gang-Mitgliedern werden unter anderem unerlaubter Waffenbesitz, Drogenhandel und Erpressung vorgeworfen. Nach Michel B. war in den Niederlanden seit mehreren Monaten gefahndet worden. Einsatzkräfte der Polizei hatten im November vergangenen Jahres sein Wohnhaus in Alstätte durchsucht – den Flüchtigen aber nicht angetroffen (Münsterland Zeitung berichtete). Die Polizei beschlagnahmte damals Dokumente. Der langjährige Chef des Enscheder Satudarah-Chapters Eastside blieb im Untergrund.

Im Hotel klickten die Handschellen

Zuletzt versteckte er sich im Zillertal in Österreich. Im Hotel des Nationalratsabgeordneten Franz Hörl von der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) war Michel B. Anfang Februar festgenommen worden. Der 52-Jährige hatte mit seiner Familie für drei Wochen ein Apartment im Hotel in Gerlos gebucht und schon zehn Tage dort verbracht.

Michel B. habe unter falschem Namen gebucht und sei ein unauffälliger Gast gewesen, berichtete die Tiroler Volkszeitung und zitierte Franz Hörl. Der Gesuchte habe meist bar bezahlt. „Er blieb nichts schuldig“, wird der Hotelier von der Tageszeitung zitiert. In dem Bericht wunderte sich Franz Hörl, dass sich Michel B. ausgerechnet in seinem Hotel in Gerlos versteckte. In der Anlage würden viele Holländer Urlaub machen. Das sei nur mäßig intelligent gewesen.

Das Konterfei des 52-Jährigen auf einem Steckbrief war unter anderem in einer holländischen Fernsehsendung veröffentlicht worden. Laut Medienberichten erkannte ein holländischer Urlauber seinen Landsmann in einer Après-Ski-Bar und gab der Polizei in den Niederlanden einen Tipp. Die Festnahme ging laut Tiroler Volkszeitung unspektakulär vonstatten. Beamte der Polizeiinspektion Zell hätten im Apartment des Verdächtigen gewartet. „Er ließ sich widerstandslos festnehmen“, äußerte sich ein Pressesprecher der Polizei gegenüber der Volkszeitung.

30.000 Euro Kaution gezahlt

Doch war Michel B. schnell wieder frei. Gegen eine Kaution in Höhe von 30.000 Euro entließ ihn ein österreichischer Richter aus der Auslieferungshaft. Allerdings unter der Auflage, Österreich nicht zu verlassen.

Warum Michel B. trotz Fluchtgefahr freikam, das erklärte Staatsanwalt Hansjörg Mayr von der Staatsanwaltschaft Innsbruck am Donnerstag auf Anfrage der Münsterland Zeitung. „Für die Annahme weiterer Haftgründe ergab sich aus dem europäischen Haftbefehl zunächst kein Grund.“ Weil das Gericht „nur“ Fluchtgefahr annahm, bot es einen Kautionsbetrag an, gegen dessen Bezahlung die Haft aufgehoben worden sei. Die niederländischen Behörden reagierten darauf mit einem neuen europäischen Haftbefehl und lieferten Informationen nach.

Staatsanwalt Hansjörg Mayr: „Es war nicht nur von Fluchtgefahr auszugehen, sondern auch von der Gefahr weiterer Tatbegehungen.“ Michel B. wurde dann am 10. Februar erneut festgenommen, wiederum in Gerlos. Gegen seine Auslieferung und die Auslieferungshaft hat er laut Hansjörg Mayr Beschwerde eingelegt. „Bis wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, kann ich nicht beurteilen“, so der Staatsanwalt. Nicht nur die niederländische Staatsanwaltschaft hofft nun auf ein zügiges Verfahren. Auch die Anwälte von vier Mordverdächtigen haben ein paar Fragen an den 52-Jährigen.

Michel B. soll zu Mord an Onno Kuut befragt werden

Laut Berichten in niederländischen Medien wird Michel B. von Yildiray K. belastet, in den Mord an dem Enscheder Onno Kuut verwickelt zu sein. Yildiray K. war ein führender Kopf der Duisburger Satudarah-Gruppierung. Er wurde 2013 festgenommen und brach das Schweigegebot in der Rockerszene. Die Justiz glaubt, dass Mitglieder der „Tattookillers“ den Mord an Onno Kuut begangen haben. Der Name der Gruppe basiert auf chinesischen Schriftzeichen, die alle Mitglieder auf dem Rücken tragen. Die Leiche von Onno Kuut war im März 2009 in den Dünen bei Hoek van Holland gefunden worden. Der 30-Jährige stand unter Verdacht, ein Auftragskiller und Mitglied der als „Todesschwadron“ gefürchteten „Tattookillers“ zu sein. Zu der Tat soll Michel B., der ein enger Freund des Getöteten gewesen sein soll, befragt werden.

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