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Schritt für Schritt gesund

Südlohn/Oeding Gleichmäßig setzt Bronko einen Huf vor den anderen. Hoch oben auf dem Vierbeiner schaukelt Jana lachend hin und her. Dass die Zwölfjährige hoch oben auf dem Pferderücken sitzt, dient nicht nur ihrem Vergnügen, sondern auch ihrer Gesundheit. Denn Jana ist Spastikerin.

24.08.2007

Begleitet werden Pferd und Reiter von Hippo-Therapeutin Angelika Feldmann und Pädagogin Barbara Kemper. Dass dies möglich ist, haben sie dem Engagement von Thea Robert zu verdanken. Vor rund 25 Jahren hat sie das therapeutische Reiten in Südlohn populär gemacht - und das Angebot bis heute mit vielen Mitstreitern durch Spenden aufrechterhalten. Auf die Idee hatte sie ein Zeitungsartikel gebracht. Berichte über Heilerfolge durch das Reiten beeindruckten die frühere Hebamme.

Bevor es losgehen konnte, war jedoch viel Überzeugungsarbeit gefragt - bei Vereinen, Verbänden und politischen Gremien. "Bei der Einweihung der Südlohner Reithalle 1980 bin ich mit dem Hut durch die Menge gegangen und hab' Geld für unser erstes Pferd gesammelt", erzählt die langjährige Ratsfrau und Bürgermeisterin rückblickend. Dabei habe sie zu Beginn doch große Angst vor den Vierbeinern gehabt, gesteht sie.

1987 Halle gebaut

Viele hätten nicht an einen Erfolg des Projekts geglaubt und gesagt: "Das ist doch nur was für Privilegierte, nicht bezahlbar." Kein Wunder: Denn "Reiten für Behinderte, das gab es damals im Kreis noch nicht." In vielen kleinen Schritten ging es weiter. Ein Träger musste gefunden werden, Versicherungen abgeschlossen, Spender gefunden. 1987 konnte die Halle hinter dem Reitverein errichtet werden. Heute hat das Angebot enormen Zulauf. Am 7. September feiern Thea Robert und der Caritasverband als Träger mit NRW-Minister Karl-Josef Laumann das 25-jährige Bestehen des therapeutischen Reitens und das 20-jährige Bestehens des Fördervereins.

Rund 160 Menschen jeden Alters werden von sechs Therapeuten betreut, kommen jede Woche nach Südlohn - wie Jana. Dann darf sie hoch oben auf einem der fünf eigens für die Therapie ausgebildeten Pferde sitzen. Das Reiten tue ihr gut, und mit den Pferden habe sie großen Spaß, versichert das aufgeweckte Mädchen, dem die Ärzte prognostiziert hatten, sie werde niemals gehen können. "Für Jana ist das keine Therapie, sondern Spaß", sagt Andrea Bockenfeld. Dass ihre Tochter auf eigenen Beinen stehe, habe sie auch der Hippotherapie zu verdanken, meint die Mutter. Falle das Reiten einmal aus, habe Jana Kopfschmerzen, leide ihre gesamte Körperhaltung. "Dann fällt sie um wie ein Baum." Dass das nicht ohne Folgen bleibt, zeigen die Narben an Janas Arm. Die stammen vom letzten Sturz in einen Stacheldrahtzaun vor einem Jahr. Die Kosten für das Training teilt sich die Familie mit dem Förderverein. Denn die Krankenkassen übernimmt diese seit zehn Jahren nicht mehr.

Hohe Anforderungen

Auch Kindern mit Wahrnehmungsstörungen oder sozialen Schwierigkeiten hilft die Therapie auf dem Pferderücken. "Das heilpädagogische Reiten und Voltigieren hat den Vorteil, das es häufig schnelle Wirkung zeigt", erklärt Barbara Kemper. Dabei werden hohe Anforderungen an die Vierbeiner gestellt: Ein guter Gang, ein ruhiges Temperament und einer guter Charakter sind unbedingte Voraussetzungen.

Jana läuft zum Auto, winkt allen zum Abschied. Für sie muss nächste Woche das Reiten ausfallen. Aber dann kommt sie wieder - und freut sich schon auf ein Wiedersehen mit dem Wallach Bronko. kh

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