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Sechs Monate Haft für nächtlichen Ausraster

Amtsgericht Ahaus

Ein 34-jähriger Ahauser stand nicht zum ersten Mal vor Gericht. Drei Jahre saß er bereits in Haft, jetzt kommen weitere sechs Monate dazu. Die Strafe ist die Quittung für einen Ausraster auf der Bahnhofstraße.

Ahaus

, 12.09.2018

Sechs Monate hat der 34 alte Ahauser demnächst Zeit, über sein Leben nachzudenken. Allerdings wird er diese Zeit in einer Justizvollzugsanstalt verbringen. Der Grund ist ein „Ausraster“ auf der Bahnhofstraße in Ahaus am 29. März vergangenen Jahres

In der Verhandlung im Amtsgericht ging es am Dienstag um einen Polizeieinsatz, der sich an besagtem Tag gegen 23.25 Uhr zutrug. Laut Anklageschrift sprang der Mann auf der Bahnhofstraße vor vorbeifahrende Fahrzeuge und zwang diese zu Bremsmanövern. Zudem versuchte er, Radfahrer an den Armen festzuhalten. Die von Anliegern hinzugerufenen Polizeibeamten versuchten, den um sich schlagenden und tretenden Ahauser zu Boden zu bringen. Die Fixierung des 34-Jährigen gelang vier Beamten erst nach Einsatz von Pfefferspray.

Er stand an dem Abend unter Einfluss von Alkohol und Marihuana, sagte der Angeklagte. Seine Aktionen auf der Bahnhofstraße seien ganz anders zu betrachten. „Kurz zuvor hatte mich jemand bedroht. Ich bekam Panikattacken und wollte auf der Straße Hilfe.“ Den Verkehr aufhalten, das wollte er nicht. Doch wer ihn damals bedrohte und warum, daran erinnerte sich der 34-Jährige am Dienstag nicht mehr.

„Ich werde schikaniert“

Kein gutes Haar ließ der Ahauser an den Polizeibeamten. „Die wollten meinen Ausweis gar nicht sehen. Die wollten mich direkt zu Boden bringen.“ Was er in den vergangenen Jahren festgestellt habe: „Ich werde jedes Mal von Polizisten schikaniert. Die müssen mich nur sehen.“ Alkoholisiert und unter Drogen sei er unzurechnungsfähig. „Aber ich wollte garantiert keinen vom Rad ziehen. Warum sollte ich lügen?“ Darauf der Richter: „Diese Frage muss ich Ihnen wohl nicht beantworten.“

Eine am Einsatz beteiligte Polizistin schilderte im Zeugenstand, dass der Angeklagte beim Eintreffen der Beamten „förmlich aufdrehte“. Vier Beamte seien nötig gewesen, um den Mann in die Schranken zu weisen. „Wir mussten Pfefferspray einsetzen.“ Danach seien dem Ahauser Handfesseln angelegt worden. Die Polizistin: „Er war nicht zu bändigen. Er wollte uns schlagen und treten.“ Diese Aussage quittierte der Angeklagte mit Kopfschütteln. „So etwas würde ich nie machen. Warum sollte ich Polizisten schlagen?“ Eine im Polizeigewahrsam durchgeführte Blutprobe ergab einen Wert von 1,4 Promille. Zudem wurde der Ahauser positiv auf Cannabinoide getestet. Ein im Blut feststellbarer Langzeitwert spreche für einen regelmäßigen Konsum.

Regelmäßiger Konflikt mit dem Gesetz

Regelmäßig war der Angeklagte in den vergangenen zwölf Jahren auch mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. 14 Einträge umfasste der Auszug aus dem Bundeszentralregister, den der Richter vortrug. Von exhibitionistischen Handlungen über gefährliche Körperverletzung, Missbrauch des Notrufs, Trunkenheit im Verkehr bis hin zu Betrug reichte die Bandbreite. „Ein kleiner Katalog“, fasste der Richter zusammen. „So viel dazu, dass Sie niemandem etwas zuleide tun.“

Die Staatsanwältin forderte in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten für den Angeklagten. Der mehrfach Vorbestrafte habe sich wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu verantworten. Eine Bewährung komme nicht in Frage. Der Ahauser habe sich von den vorigen Urteilen nicht davon abbringen lassen, weitere Taten zu begehen.

Der 34-Jährige brach angesichts einer drohenden Freiheitsstrafe in Tränen aus und äußerte Selbstmordgedanken. „Noch mal in den Knast gehe ich nicht.“ Er sei in einer Justizvollzugsanstalt nicht gut aufgehoben und dort ständig von Mithäftlingen bedroht und geschlagen worden. „Ich habe schon drei Jahre gesessen. Das waren drei Jahre Stress.“ Sein bisheriges Leben bestehe nur aus Mobbing, „das ging schon los, als ich sieben war, da hat man mich in der Schule als Brillenschlange gemobbt.“

Jobangebot auf der Kirmes

Müsse er abermals ins Gefängnis, bekäme er sein Leben nie in den Griff. Der Gelegenheitsjobber berichtete davon, dass er sich am Wochenende bei einem Schausteller auf der Ahauser Kirmes Taschengeld verdient habe. „Der Mann hat mir die Möglichkeit geboten, als Helfer mit nach Süddeutschland zu gehen.“

Dazu wird es kaum kommen. Der Richter folgte in seinem Urteil dem von der Staatsanwältin geforderten Strafmaß: sechs Monate ohne Bewährung. „Sie müssen aufhören, anderen die Schuld zu geben. Darüber können Sie jetzt sechs Monate nachdenken“, sagte der Richter nach dem Urteilsspruch. Der Ahauser: „Sind wir fertig?“ Der Richter: „Wir sind fertig.“