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Solidarität geht durch den Magen

Ahaus "Jetzt bist du ganz unten angekommen und musst Almosen sammeln, dachte ich noch draußen", erzählt die junge Mutter von drei kleinen Kindern. Inzwischen ist die 31-Jährige drinnen - im Laden der Ahauser Tafel. Neben ihr stehen drei Tüten mit Lebensmitteln und sie lächelt. "Das ist hier wie in einem Tante-Emma-Laden - warm, freundlich, einfach gut."

06.12.2007

Solidarität geht durch den Magen

Die allein erziehende Mutter atmet auf. Und mit ihr die rund 100 ehrenamtlichen Mitarbeiter der neuen Hilfsorganisation, die nach einem Jahr Vorarbeit gestern erstmals öffnete - als eine von fast 750 Tafeln bundesweit. "Vor einem Jahr hatte ich noch Zweifel, ob wir das schaffen", erzählt Mathilde Fischer, Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und Mitinitiatorin des Projekts, "doch wir haben nie die Hoffnung aufgegeben". Mit Recht: "Am Ende waren wir selbst überrascht von der großen Hilfsbereitschaft und der Zustimmung aus der Bevölkerung."

Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter, Trennung: Jeder der Männer und Frauen, die draußen vor der Tür des Tafel-Ladens am Kirmesplatz warten (es werden immer nur jeweils fünf eingelassen), kann eine andere Geschichte vom Leben erzählen. In einem Punkt gleichen diese sich alle. "Plötzlich stellt man fest, dass nichts mehr geht", bringt es ein 47-Jähriger auf den Punkt. Ihm und seiner Frau stünden im Monat 200 Euro zum Leben zur Verfügung. Keine Frage: Kaufen könnte er sich die Waren nicht, die im Kühlraum und auf den Regalen des Ladens warten.

Zwar stehen er und die übrigen Tafel-Besucher draußen im Nassen, im Regen wollen die Initiatoren der Tafel sie aber nicht stehen lassen - und das, ohne Gefühle zu verletzten. "Wir behandeln niemanden als Bittsteller, sondern als Kunden", erklärt Margret Keck-Brüning, hauptamtliche Mitarbeiterin des SkF. Daher müsse auch bezahlt werden: ein Euro pro Person und zwei ür eine Familienration.

Die dreifache Mutter zählt die Münzen auf den Tisch und greift nach ihren vollen Tüten. "Ich koche jeden Tag für meine Kinder, aber Frischgemüse und Fleisch - das können wir uns kaum leisten.", sagt sie dankbar. Auch ihre älteste Tochter (8) strahlt. In ihrer Händen hält sie drei Stutenkerle. sy-

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