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Teurer wohnen im Westmünsterland

Preise für Wohneigentum steigen stetig

Wohnen im Raum Ahaus wird immer teurer. Die Nachfrage nach Wohnungen, Immobilien und Baugrundstücken ist ungebrochen. Das könnte sich ändern, wenn die Zinsen wieder steigen.

AHAUS/KREIS

, 12.03.2018
Teurer wohnen im Westmünsterland

In Wessum hat sich Bauland zuletzt am meisten verteuert. © Markus Gehring

Gute Nachricht für Verkäufer, schlechte für Käufer: Immobilien- und Grundstückspreise steigen im Kreis Borken stetig. Auch Mieter müssen draufzahlen „Die Preise sind extrem in die Höhe geklettert“, weiß Immobilienberater Walter Rudolphi von der Volksbank Gronau-Ahaus. Als einzige Stadt im Kreisgebiet erstellt die Stadt Ahaus alle zwei Jahre einen Mietspiegel. Dieser ist nach Gebäudealter, Wohnungsgröße und Wohnlage aufgeschlüsselt. Entsprechend groß ist die Spanne.

So gibt es laut Mietspiegel 2017 Altbauwohnungen um 100 Quadratmeter in mittlerer Wohnlage schon ab 3,13 Euro Mieter pro Quadratmeter, während für Neubauwohnungen um 50 Quadratmeter in guter Wohnlage bis zu 8,22 Euro fällig werden. Besonders bei Letzteren zeigt der Trend steil nach oben. 2015 hatten die höchsten Mieten noch bei 7,20 Euro gelegen.

Die Mieten in den anderen Orten ermittelte der Kreis 2015 per Umfrage. Am günstigsten wohnen Mieter demnach in Heek und Legden, wo einfache Wohnungen in Altbauten schon ab 2,40 Euro bis 2,50 pro Quadratmeter erhältlich sind. Zwischen 2,90 und 6,80 Euro zahlen Mieter in Stadtlohn und zwischen 3,10 und 6,90 in Vreden. In Vreden stiegen die Mieten am stärksten, laut NRW.Bank um 4,8 Prozent zwischen 2014 und 2016.

Die Immobilienpreise

Noch deutlicher ist der Trend bei Immobilien zum Kauf. Susann Schöll aus Alstätte sucht derzeit mit ihrer Familie nach einem Haus und merkt: „Das ist wirklich schwierig. Entweder es wird richtig teuer oder die Häuser gehen unter der Hand weg.“ Der gerade erschienene Grundstücksmarktbericht des Kreises bestätigt den Preisanstieg. So stieg der Kaufpreis eines durchschnittlichen Einfamilienhauses kreisweit von 203.000 auf 242.000, der Preis eines Reihenmittelhauses von 109.000 auf 134.000 Euro. Gleiches gilt für Eigentumswohnungen: Waren 2016 noch 2198 Euro pro Quadratmeter für eine 80-Quadratmeter-Neubauwohnung fällig, stieg der Quadratmeterpreis laut Kreis Borken 2017 auf 2376 Euro an.

Bei den verkauften Eigenheimen legten die Preise laut der NRW.Bank zwischen 2014 und 2016 in fast allen Gemeinden um zweistellige Prozentwerte zu, in Legden sogar um fast ein Viertel. „Viele Verkäufer meinen, einen Palast zu verkaufen“, kommentiert Walter Rudolphi die Entwicklung. Mit den hohen Einstiegspreisen hätten viele Makler zu kämpfen. Gleichwohl fänden sich immer wieder Leute, die bereit sind, die Preise zu zahlen.

Die Grundstückspreise

Der Preis für unbebaute Wohnbaugrundstücke stieg im vergangen Jahr kreisweit um über 4 Prozent. Dabei stiegen die Preise im Nordkreis (5 Prozent) stärker als im Südkreis (3 Prozent). Durchschnittlich kostete ein Quadratmeter Baugrund im Kreis 144 Euro. 2016 waren es noch 138 Euro. Der neunte Anstieg in Folge, damit haben sich die Preise in 30 Jahren verdreifacht.

Rund 150 Euro sind in Ahaus zu zahlen. Etwas günstiger ist das Bauland in Stadtlohn (140 Euro) und Vreden (125 Euro). Sind in Südlohn rund 110 Euro pro Quadratmeter fällig, kann man in Heek (95 Euro) und Legden (85 Euro) Bauland viel günstiger erwerben. Nur in Schöppingen (75 Euro) sind Grundstücke noch günstiger. Am stärksten stiegen die Preise in Wessum. 19 Prozent mehr als 2016 mussten Grundstückskäufer im Vorjahr hinlegen.

Um den Preissteigerungen am Grundstücksmarkt entgegenzuwirken, stellt die Stadt Ahaus regelmäßig Baugrundstücke zur Verfügung. Derzeit bietet die Stadt ein Grundstück im Baugebiet Gerwinghook in Alstätte (129 Euro pro Quadratmeter), 13 im Baugebiet Eper Straßer in Graes (60 bis 82 Euro) und sieben Grundstücke im Baugebiet Börgerdieksweg in Ottenstein (88 bis 98 Euro).

„Die Stadt versucht zu regulieren, aber das läuft ihnen aus dem Ruder“, sagt Walter Rudolphi. Das Hauptproblem sei der Mangel an geeigneten Flächen. „Wenn die Stadt 50 Bauplätze anbietet, melden sich 450 Interessenten.“ Fast 600 Interessenten haben sich auf der Warteliste der Stadt für Baugrundstücke eingetragen. Privates Bauland gebe es dagegen kaum, so Rudolphi. Deshalb gehe der Trend dahin, Immobilien allein zu dem Zweck zu kaufen, um diese dann abzureißen.

Die Zukunft

Billiges Geld hat den Boom auf dem Immobilienmarkt angefeuert, doch was passiert, wenn die Zinsen wieder steigen? Mittelfristig stabil sieht die Postbank-Studie den Immobilienmarkt im Kreis – und bescheinigt diesem sogar noch Wachstumspotenzial. Eine inflationsbereinigte jährliche Preissteigerung von 0,31 Prozent prognostiziert die Studie bis 2030.

Deutlich pessimistischer stimmt eine andere Studie: Es werde am Bedarf vorbeigebaut, urteilte das Institut der Deutschen Wirtschaft zuletzt. Zu viele Einfamilienhäuser und zu wenige Wohnungen gebe es im Kreis. Wenn nun die Zinsen stiegen, so die Prognose, breche der Markt im ländlichen Raum zuerst ein.

Walter Rudolphi kann das nicht nachvollziehen: „Der Markt ist noch nicht gesättigt. Die Leute stehen Schlange und Leerstand ist absolut kein Thema hier.“ Trotzdem ist er sicher: „Wenn die Zinsen sinken, wird der Markt ruhiger.“ Gute Aussicht für Käufer, schlechte für Verkäufer.

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