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Wie die Kursteilnehmer für die Freunde in Polen pauken

Städtepartnerschaft mit Reszel

ASBECK „Frohe Ostern“ auf Polnisch heißt „Wesolych swiat“. Vielen Legdenern und Asbeckern geht das schon ganz leicht über die Zunge, denn sie haben Übung. Seit Monaten büffeln sie in einem Sprachkursus, den der Asbecker Heimatverein mit der Volkshochschule anbietet, polnische Vokabeln und Grammatik. Sie wollen gut vorbereitet sein, wenn Vertreter der Gemeinde Legden im Mai die Städtepartnerschaft mit Reszel in Masuren besiegeln.

von Von Sylvia Lüttich-Gür

, 01.04.2010

Wenn die Teilnehmer des Polnisch-Kurses über Reszel, die künftige Partnerstadt Legdens, sprechen, kommen sie ins Schwärmen - zumeist auf deutsch, obwohl sich nach zig Kursstunden in ihr Gespräch immer mehr polnische Redewendungen einfinden.

Und "Idylla", das polnische Wort für Idylle, ist so herrlich leicht auszusprechen. Bei nahezu allen anderen Vokabeln ihrer Muttersprache sei das anders, bestätigt Kursleiterin Mariola Zalwert.

Mitleid mit den deutschen SchülernDie hat durchaus Mitleid mit ihren Schülern im Alter zwischen 17 und über 70: "Beim Lernen einer slawischen Sprache scheint sich die deutsche Zunge zu verknoten."

Aber wo ein Wille, da eine Aussprache - ärgerlicher Weise aber gleich mehrere Bedeutungen. Zum Beispiel "kasza", Mariola Zalwert spricht es mit einem weichen "sch" in der Mitte. Gemeint sein können die Graupen für den Eintopf, der fertige Brei oder auch eine Frau, in deren Pass Katharina steht: "Das sagt aber niemand. Wir verniedlichen im Polnischen jeden Namen."

Kasus und Tempus "Bücher aufschlagen, bitte Seite 36", ordnet die Dolmetscherin der Partnerschaft Reszel-Legden an - jetzt wieder die fordernde Lehrerin. Das Gespräch über Land und Leute wechselt in eines über Kasus und Tempus. "Sonst kommen wir nicht voran." Der bärtige Mann vorne links soll vorlesen. Hinten im Saal kommt nur eine unverständliche Mischung aus dunklen Vokalen und viel zu vielen Zischlauten an. Es muss aber richtig gewesen sein. Denn die Kursleiterin nickt zustimmend und bittet die Nachbarin zu Linken weiter zu lesen. Jetzt ist mehr zu verstehen - auch in der letzten Reihe und auch ohne Wörterbuch. Denn Bigos, ein polnisches Nationalgericht aus Sauerkraut, Weißkohl, Schweinefleisch, Pilze und Trockenpflaumen schmeckt auch ganz ohne Sprachkenntnisse.

Mariola Zalwert gibt die Hausaufgaben fürs nächste Mal auf. Eineinhalb Stunden sind schon wieder vorbei. Draußen ist es inzwischen ganz dunkel. Höchste Zeit, noch einmal vom sonnigen Reszel zu sprechen und von seinen gastfreundlichen Bewohnern. Denn um die geht es den künftigen Polen-Reisenden: "Wollten wir nur die Landschaft genießen, bräuchten wir uns ja gar nicht mir der Aussprache herum zu schlagen", lacht eine Frau im Hinausgehen.