Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Zwei Münsterländer in der neuen Großen Koalition

Merkel will Spahn zum Gesundheitsminister machen

Der aus dem Ahauser Ortsteil Ottenstein stammende CDU Bundestagsabgeordnete und Finanzstaatssekretär Jens Spahn wird in einer neuen Großen Koalition Gesundheitsminister. Damit kommen zwei der künftigen CDU-Minister aus dem Münsterland. Spahns Mutter ist mächtig stolz auf ihren Sohn.

Ahaus

, 25.02.2018
Zwei Münsterländer in der neuen Großen Koalition

Guter Dinge: Jens Spahn, der künftige Gesundheitsminister, am Freitagabend in einer Fragerunde in Stadtlohn.

Kanzlerin Angela Merkel hat die Besetzung des Ministeramtes mit dem 37-jährigen, konservativen Merkel-Kritiker Jens Spahn am Sonntagabend bekannt gegeben. Bereits am Samstagabend hatten CDU-Kreise die Nominierung des CDU-Kreisvorsitzenden in ein Ministeramt gegenüber der Münsterland Zeitung bestätigt.

„Die CDU geht gestärkt in die neue Regierung“, sagte Jens Spahn am Sonntag gegenüber unserer Zeitung mit Blick auf die von der Kanzlerin benannten CDU-Minister in einer möglichen Großen Koalition. „Jetzt kommt es darauf an, dass wir unser Profil im Regierungsalltag herausarbeiten. Ich freue mich über die Möglichkeit, daran mitarbeiten zu können“, so Jens Spahn weiter. Mehr wollte der künftige Minister vor dem heutigen Bundesparteitag nicht zu seiner Berufung in ein Ministeramt sagen.

Künftige Bildungsministerin auch aus dem Münsterland

Neben Spahn will Merkel einen weiteren Ministerposten mit einem CDU-Mitglied aus dem Münsterland besetzen. Anja Karliczek hat sie als neue Bildungs- und Forschungsministerin quasi aus dem Hut gezaubert. Die 46-jährige Christdemokratin sitzt seit 2013 als direkt gewählte Abgeordnete des münsterländischen Wahlkreises Steinfurt III im Parlament. Die Hotelmanagerin solle sich vor allem um berufliche Bildung kümmern heißt es. Ob dies dem Ministerium gerecht wird, das angesichts eine Digitalisierungsoffensive an Schulen und der geplanten Lockerung des Kooperationsverbotes von Bund und Ländern in der Bildung zusehends zu einem Schlüsselressort wird, bleibt abzuwarten.

Zwei Münsterländer in der neuen Großen Koalition

Die Bundestagsabgeordnete Anja Karliczek © dpa

Freude groß bei Spahns Eltern

Mit seinen in Ottenstein lebenden Eltern hat Jens Spahn vereinbart, dass sie sich bei den Medien zurückhalten und keine Interviews geben. Gegenüber unserer Zeitung äußerte sich Ulla Spahn aber erfreut über den Karriereschritt ihres Sohnes: „Natürlich sind wir stolz und froh. Er macht schon seinen Weg.“

Jetzt lesen

Kommt es zur Großen Koaltion mit Jens Spahn als Gesundheitsminister, dann wird er der ranghöchste Politiker aus dem Kreis Borken (Wahlkreis Steinfurt I - Borken I), der bisher in Berlin oder Bonn ein Mandat inne hatte. Von 1997 bis 1998 stellte die CDU aus dem Kreis mit Elke Wülfing eine Parlamentarische Staatssekretärin.

Spahn gilt als Kritiker der Kanzlerin

Bei der CDU im Kreis ist die Freude darüber, einen Minister aus ihren Reihen zu stellen, natürlich groß. Erst am Freitagabend hatte die CDU zur Diskussionsrunde mit dem seit 2002 im Bundestag vertretenen Abgeordneten nach Stadtlohn eingeladen. Für etwa 80 Besucher war der Saal vorbereitet, etwas 200 Mitglieder aus dem ganzen Kreis Borken fanden den Weg nach Stadtlohn, um mit Jens Spahn über die Ergebnisse der GroKo-Verhandlungen zu sprechen. Es war, als ob die Basis das Beben ahnte, in der Form, dass die Kanzlerin mit der Berufung ihrem parteiinternen Kritikern entgegen kommt und den prominenten Merkel-Kritiker ins Kabinett und damit näher an sich heranholt. „Symbolfigur der Unzufriedenen in der Union“, schrieb die Berliner Zeitung jüngst über Spahn. Und: „Gegenmodell zu Angela Merkel“.

In der ersten Reihe gerückt

„Wir als CDU im Westmünsterland freuen uns, dass mit Jens Spahn einer von uns in die erste Reihe der deutschen Politik aufrückt“, sagte CDU-Kreisgeschäftsführer Markus Jasper am Sonntag gegenüber der Münsterland Zeitung. Und: „Ich bin überzeugt, dass er mit seiner Bodenständigkeit und seinem Fleiß die anstehenden Herausforderungen bewältigen wird.“

Zwei Münsterländer in der neuen Großen Koalition

Der Kreisgeschäftsführer weiß natürlich auch, dass Jens Spahn von der Kanzlerin nicht gerade geliebt wird. Markus Jasper sieht die bisherige Kritiker-Rolle des künftigen Ministers aber aus einem ganz anderen Blickwinkel: „Jens Spahn weiß, wo die Menschen der Schuh drückt und hat sich nie gescheut, auch unbequeme Themen anzusprechen.“ Der Geschäftsführer der Kreis-CDU ist davon überzeugt, dass „dieses klare Profil der CDU gut tun wird“.

Mit dem Ottensteiner holt sich die Kanzlerin einen ausgewiesenen Gesundheitsexperten in das Ministeramt. Der 37-Jährige war unter anderem von 2009 bis 2015 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Gesundheit und zugleich gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Seit 2015 ist er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen.

Keine Angst vor Merkel

Mit dem Politiker holt sich Merkel jemanden in ihre Ministerriege, der die offene Auseinandersetzung mit ihr nicht scheut. Beispielsweise kritisierte er in der Flüchtlingspolitik Merkels Willkommens-Ansatz, forderte einen Kurswechsel und die Begrenzung der Flüchtlingszahlen. Damit nicht genug: Auf dem Parteitag vor zwei Jahren setzte er ein Nein zur doppelten Staatsbürgerschaft durch – gegen den Willen der Kanzlerin.

Der Politiker aus dem Münsterland wird schon lange hoch gehandelt. Viele sehen in Jens Spahn einen künftigen Kanzler. Viele freuen sich auch einfach darüber, dass da jemand ist, der provoziert, ausgetretene Pfade verlässt und im politischen Berlin sein eigenes Profil zeigt, Gegenmeinung zur Kanzlerin wagt. Jetzt muss die GroKo nur noch kommen.

„Der Mann an der richtigen Stelle“


Im Ahauser CDU-Stadtverband hatte sich am Sonntagmorgen die Nominierung von Jens Spahn mithilfe der elektronischen Medien bereits herumgesprochen. Der Ottensteiner Ortsvorsteher Karl-Heinz Terbrack (Foto)
Zwei Münsterländer in der neuen Großen Koalition

© Duttmann

freut sich über die guten Nachrichten: „Ich bin sehr froh, dass einem aus unseren Reihen diese Ehre zuteil wird. Er zeigt immer ein klares Profil und hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Völlig egal, aus welcher Richtung die Fragen kommen, er ist um keine Antwort verlegen. Wenn er wirklich in die Ministerriege aufsteigt, ist das schon der Wahnsinn“.

An der richtigen Stelle

Auch der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Michael Räckers (Foto)
Zwei Münsterländer in der neuen Großen Koalition

© Haget, Anna-Lena

wünscht seinem Parteifreund alles Gute. „Wir freuen uns als CDU Ahaus ganz besonders darüber. Er ist der richtige Mann an der richtigen Stelle“, sagte Räckers. Auch er habe über interne Kanäle von der Nominierung von Jens Spahn erfahren. „Jens hat sich das erarbeitet und verdient“, zeigt der CDU-Stadtverbandsdirektor sich überzeugt, erinnert aber auch daran, dass man erst noch abwarten müsse, ob die SPD auch zustimme. Jens Spahn verbindet eine lange Freundschaft mit der Ahauser CDU. Schon 1995 trat er in die Junge Union ein und 1997 in die Partei. Von 1999 bis 2009 gehörte er dem Rat der Stadt Ahaus an.
Lesen Sie jetzt