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„Alles steht bereit“: Eppan freut sich auf Jogis Weltmeister

Eppan. 1990, 2014 - 2018? Schon zweimal wurde Südtirol für Deutschlands Fußballer zur Titelschmiede. Bis zum 7. Juni will Joachim Löw in Eppan die Grundlagen für einen historischen WM-Triumph schaffen. Teammanager Bierhoff eiert bei der Zielvorgabe nicht herum.

„Alles steht bereit“: Eppan freut sich auf Jogis Weltmeister

Bundestrainer Joachim Löw startet die WM-Vorbereitung in Südtirol. Foto: Jan Woitas

Eppan wartet voller Vorfreude und Anspannung auf den Fußball-Weltmeister. Der große, schwarze Mannschaftsbus stand schon am Dienstag vor dem Hotel „Weinegg“. Arbeiter waren mit dem Aufbau eines Sichtschutzes auf die erwartete Kicker-Prominenz aus Deutschland beschäftigt.

Ein paar Urlauber schauten interessiert zu - Südtirol bekommt für rund zwei Wochen eine Touristenattraktion dazu. Seit Monaten bereitet sich die Großgemeinde Eppan nahe Bozen mit knapp 15.000 Einwohnern auf den Aufenthalt der Nationalmannschaft vor. Am Mittwoch ist es so weit: Dann reist Joachim Löw mit zunächst 19 Spielern seines vorläufigen WM-Kaders nach Südtiol, um dort wie schon 2010 im Fünf-Sterne-Hotel „Weinegg“ Quartier zu beziehen.

Das Team um Kapitän Manuel Neuer will der Bundestrainer bis zum 7. Juni in der modern ausgebauten Sportzone Rungg fit machen für die Titelverteidigung bei der Weltmeisterschaft in Russland.

Landeshauptmann Arno Kompatscher spricht stolz von einem „Heimspiel für Südtirol“. Löw schätzt das italienische Ambiente, in dem er das Team ideal auf sein ambitioniertes WM-Großprojekt vorbereiten kann. „Im Trainingslager geht es darum, die Basis zu legen für das WM-Turnier, das uns alles abverlangen wird, physisch wie mental“, sagte der 58 Jahre alte Weltmeistercoach. Löw will vom 14. Juni bis 15. Juli in Russland „das Maximale erreichen“. Die Wiederholung des Titelgewinns von Brasilien wäre ein historischer deutscher Triumph.

2010, 2014, 2018: Vor jedem der nun drei WM-Turniere in seiner Amtszeit als Bundestrainer zog es den Schwarzwälder Löw nach Südtirol. Schon Franz Beckenbauer bereitete hier die Weltmeister von 1990 vor. Auch vor vier Jahren brachte Südtirol Deutschlands besten Fußballern mit dem Titelgewinn in Brasilien maximales WM-Glück.

Titelschmiede Südtirol! So soll es auch diesmal kommen. Teammanager Oliver Bierhoff formulierte vor dem Start der WM-Vorbereitung die Zielvorgabe noch einmal deutlich. „Es wäre unglaubwürdig, wenn wir eine Underdog-Rolle einnehmen wollten. Wir wollen Weltmeister werden. Diesen Anspruch haben wir. Wir haben die Qualität dafür, wir haben die Erfahrung. Und wir müssen den festen Glauben haben, dass wir es schaffen können“, sagte der 50 Jahre alte ehemalige DFB-Kapitän.

Löw ist ab sofort gefordert. Er muss aus einem 27-Mann-Kader, aus dem er am 4. Juni noch einen Torwart und drei Feldspieler streichen muss, „ein stimmiges Gesamtbild“ entwickeln. Die WM-Elf soll sich im harten Konkurrenzkampf herauskristallisieren. Dazu muss sich ein Teamgeist entwickeln, der den fünften WM-Stern für Deutschland möglich macht.

„Wir wollen den Spielern unsere offensive Spielweise einimpfen. Wir beurteilen einen Spieler danach, wer kann unsere Vorgaben am besten umsetzen. Daran arbeiten wir vom ersten Tag an“, kündigte Löw an.

Einige Baustellen müssen erst noch geschlossen werden. Manuel Neuer hat wegen seines Mittelfußbruches seit acht Monaten nicht bei einem Spiel im Tor gestanden. Bayern-Kollege Jérôme Boateng ist nach einer Oberschenkelverletzung noch nicht voll belastbar. Er ist neben Mats Hummels, Joshua Kimmich, Thomas Müller und Niklas Süle einer von fünf Bayern-Profis, die ebenso wie Torwart Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona und Antonio Rüdiger (FC Chelsea) erst am Freitag nach Eppan anreisen werden. Löw gewährt den sieben Akteuren etwas Erholung.

Toni Kroos wird sogar erst in der kommenden Woche zum DFB-Tross stoßen. Der Weltmeister bestreitet mit Real Madrid am Samstag noch das Champions-League-Finale in Kiew gegen den FC Liverpool.

Von Anfang an dabei sein werden Ilkay Gündogan und Mesut Özil. Die Aufregung um die Fotos des Duos mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan konnten vom DFB im Vorfeld des Trainingscamps ein wenig eingedämmt werden. Der Besuch der türkisch-stämmigen Spieler bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beruhigte die DFB-Spitze und auch Löw, der keine Ablenkung vom großen WM-Ziel dulden will.

Die rührigen Organisatoren in Südtirol haben ideale Voraussetzungen für eine ungestörte Trainingsarbeit geschaffen. Das Fußballzentrum Rungg, auch Heimstätte des FC Südtirol, ist vergrößert worden. Zwei Naturrasen- und drei Kunstrasenplätze, dazu moderne Fitness- und Reha-Räume sowie neue Umkleidekabinen stehen dem DFB-Team zur Verfügung. Die Wettervorhersage ist ebenfalls sehr positiv, Sonne und sommerliche 24 bis 28 Grad sind für die kommenden Tage angesagt.

Chefplaner Bierhoff spricht von „optimalen Bedingungen“. Das gilt ebenso für das Teamquartier. Das Wellnesshotel „Weinegg“ von Erika und Bruno Moser wurde rundum erneuert. Zum Komfort gehören eine Pool-Landschaft und eine neue Sky-Lounge zur Entspannung nach harten Trainingstagen. „Alles steht bereit“, versichert Hotelchef Moser.

Die Gemeinde Eppan und das Land Südtirol investieren viel in den Aufenthalt des Weltmeisters - auch finanziell. Der Einsatz soll sich wie 2010 erneut bezahlt machen. Für die damals mit dem Nationalteam erreichte mediale Sichtbarkeit „hätte man rund 11,2 Millionen Euro an Werbeauslagen hinlegen müssen“, sagte Präsident Hansi Pichler vom Wirtschaftsdienstleister IDM Südtirol. Der Weltmeister kann kommen.

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