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Am Kino-Standort NRW geht es wieder aufwärts

Kino-Branche: Lichter gehen wieder an

Es geht wieder aufwärts am Kinostandort NRW. Schlossen in den Jahren 2003 bis 2013 noch viele Betriebe ihre Türen, so zeichnet sich aktuell eine Trendwende ab. Trotz harter Konkurrenz wie den Online-Streaming-Diensten und Heimkinoformaten befinde sich der Kinomarkt wieder im Aufschwung. Vor allem auch kleinere Kinos sind dabei erfinderisch geworden.

NRW

, 03.04.2018
Am Kino-Standort NRW geht es wieder aufwärts

Im Sweet Sixteen in Dortmund gibt es immer eine besondere Filmauswahl zu sehen. © Dieter Menne Dortmund

Die Entwicklung in Deutschland ließ in den vergangenen Jahren aufhorchen: Deutsche Lichtspielhäuser haben die jüngste wirtschaftliche Talsohle durchschritten. Das belegt jedenfalls der Jahresabschlussbericht 2017 der Deutschen Filmförderungsanstalt (FFA). Laut statistischer Erhebung der FFA gibt es aktuell in Deutschland so viele Kinos wie seit zehn Jahren nicht mehr.

107 Kinosaal-Neu- oder Wiedereröffnungen wurden der FFA 2017 gemeldet. Kino-Spitzenreiter ist laut Ranking zwar immer noch der Freistaat Bayern mit 284 Betrieben, aber NRW positioniert sich mit 267 Kinos gleich dahinter. Zum Vergleich: Für Gesamtdeutschland verzeichnete die FFA im vergangenen Jahr 1672 Kinos mit 4803 Sälen an 899 Standorten.

Kinomarkt trotz Streaming-Diensten im Aufschwung

Die positive Entwicklung bei der Anzahl der Kinosäle und Standorte wertet FFA-Vorstand Peter Dinges als besonders erfreulich. „Zumal sich der seit Jahren anhaltende kontinuierliche Anstieg von Kinos nach unseren ersten Erkenntnissen neben den Großstädten insbesondere auf kleinere Orte und Städte mit bis zu 50.000 Einwohnern auswirkt“, so Dinges.

Trotz harter Konkurrenz wie den Online-Streaming-Diensten und Heimkinoformaten befinde sich der Kinomarkt wieder im Aufschwung. Kinobetreiber und Kommunen investieren in NRW wieder vermehrt in Neu- und Anbauten.

Der eine hat, der andere will

In Lüdinghausen wird seit Jahren um einen Kino-Neubau gerungen. Der Rat hatte 2017 grünes Licht gegeben. Die Stadt Lüdinghausen verkaufte das rund 10.000 Quadratmeter große Grundstück an die Apollon-Gruppe. Neben einem Supermarkt sollten auf dem Areal fünf Gebäude für fünf Kinosäle mit insgesamt 700 Sitzplätzen entstehen. Betreiber: die Kino K-Motion.

Das Hamburger Unternehmen hat einen Mietvertrag über 20 Jahre unterschrieben. Es investiert zudem zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro in den Innenausbau. Neue Spielstätten mit mehreren Sälen entstehen aktuell auch in Attendorn, Remscheid und Gummersbach. Im münsterländischen Vreden hat seit 2015 das Kino an der Wüllener Straße neu eröffnet, nachdem es fast 20 Jahre geschlossen war. An weiteren Kinostandorten in der Region wird erweitert. Es gibt aber auch schwarze Flecken auf der Kino-Landkarte.

Am Kino-Standort NRW geht es wieder aufwärts

Das ehemalige Kino „Die Kurbel“ in Castrop-Rauxel ist seit Anfang 2014 geschlossen. © Foto: Daniele Giustolisi

Hierzu zählt zum Beispiel Castrop-Rauxel. Dort gibt es seit 2014 kein Kino mehr, die Kurbel an der Oberen Münsterstraße schloss Anfang 2014. Dass es in Schwerte ein Kino gegeben hat, ist schon eine gefühlte Ewigkeit her. Dort gingen in der Reichskrone am Postplatz vor 33 Jahren die Lichter aus. Doch in Schwerte hat man die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass mit dem aktuellen Trend vielleicht doch wieder ein Kino eröffnet wird.

Wunsch und Wirklichkeit

Auch Haltern hat seit 2003 kein Kino mehr. Aus wirtschaftlichen Gründen war der kleine Vorführsaal, der mit nur 80 Plätzen als das kleinste Kino in NRW galt, an der Zaunstraße nicht mehr zu halten. Pläne für ein Kino gibt es derzeit nicht, doch der Wunsch vor allem bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist da. In Dorsten soll es ebenfalls Überlegungen geben, ein neues Lichtspieltheater im Obergeschoss des ehemaligen Kesselhauses gegenüber der Lohnhalle inklusive Anbau zu eröffnen. Für den Betreiber des bereits in Dorsten bestehenden Central-Kinos ist die Stadt für zwei Kinos dieser Größenordnung jedoch zu klein.

Im Münsterland gibt es neben dem Kino in Vreden noch das Cinema in Ahaus mit zwölf Leinwänden. Kinos in Stadtlohn, Südlohn, Legden und Heek? Fehlanzeige!

Weg vom lokalen und zurück zum regionalen Kinostandort: Der allgemeine Aufwärtstrend ist auch dem hochwertigen Programm aus deutschen und US-Produktionen der vergangenen Jahre zu verdanken, die den Kinobetreibern gute Umsätze bescherten. 122,3 Millionen Kinobesucher (121,1 Millionen im Vorjahr) sorgten laut FFA-Bericht 2017 ließen 1,056 Milliarden Euro (1,023 Milliarden Euro) in den Kinokassen – und das ist das zweithöchste Einspielergebnis aller Zeiten.

Erfolgreichster Film: „Fack ju Göhte 3“

Erfolgreichster Film des Jahres war mit 5,9 Millionen Besuchern die FFA-geförderte Produktion „Fack ju Göhte 3“, – ebenso wie ihre beiden Vorläufer 2013 und 2015. Der Marktanteil deutscher Produktionen lag mit 23,9 Prozent über dem Vorjahr (22,7). Insgesamt wurden 28,3 Millionen Tickets (27,7 Millionen) für deutsche Filme gekauft.

„Für die Kinowirtschaft war 2017 ein durchwachsenes Jahr mit positivem Ausklang“, sagt FFA-Vorstand Peter Dinges. Dass mit „Fack ju Göhte 3“ erneut eine deutsche Produktion vor allen US-Blockbustern landete, belege „erneut den hohen Stellenwert, den deutsche Filme hierzulande im Kino mittlerweile besitzen“. FFA-Sprecher Thomas Schulz unterstreicht die Wichtigkeit des Programms für die Wirtschaftlichkeit der Kinobranche. „Kino ist immer nur attraktiv und erfolgreich, wenn die Qualität des Programms stimmt“, sagt Schulz.

Und so wie Kino sich in seiner Historie immer neu erfunden hat, sind es eben nicht nur Filme, die Leute in die Lichtspielhäuser ziehen. „Wenn die Eröffnung der Elbphilharmonie oder Übertragungen großer Pop-Konzerte die Menschen in die Kinosäle bringen, dann hat auch das seine Berechtigung“, so Thomas Schulz. Man sei erfinderisch geworden, habe sich den Wünschen der Besucher geöffnet und neue Zielgruppen erschlossen.

Das Besondere macht‘s aus

Genau das ist es auch, was klassischen Ein-Saal-Kinos das wirtschaftliche Überleben und die Koexistenz mit dem Multiplex-Kino sichert, wie Holga Rosen und Sascha Kirchhoff, die Betreiber des Dortmunder Programmkinos Roxy, bestätigen.

„Es sind vier oder fünf Filme von bis zu 60 im Jahr, die so gut laufen, dass sie das Konzept unseres Programmkinos tragen“, erklärt Holga Rosen. Es gebe kein wirkliches Patentrezept dafür, was beim Publikum ankommt und was nicht. Hier heißt es also: ausprobieren.

Die meisten Filme, die im Roxy laufen, sind Rosen zufolge sowieso kaum im Internet zu finden. In Konkurrenz zum Cinestar stünde man auch nicht, dafür sind die gezeigten Filme einfach zu speziell. Dasselbe gilt für das Sweet Sixteen in Dortmund: Die hier vielfach ausgezeichnete Filmauswahl ist einfach zu besonders, um den illegalen Angeboten im Netz zum Opfer zu fallen.

Kinos sind probierfreudig

Probierfreudig zeigen sich aber auch Kinos in anderen Städten. So bietet die Lüner Cineworld einige Besonderheiten - vor allem wird dort auf kommerzielle Werbetrailer vor den Filmen verzichtet. Die Zuschauer lieben es, wenn etwa nach fünf Trailern für kommende Filme bereits der Hauptfilm beginnt. Und durch die gesparte Zeit können in der Cineworld pro Woche 35 Vorstellungen mehr laufen. Weitere Specials: Filmnächte wie die „Avengers“-Nacht oder aber auch die Ladies Nights.

Am Kino-Standort NRW geht es wieder aufwärts

Das Central-Kino an der Borkener Straße ist das momentan einzige Kino in Dorsten.

Auch in Dorsten gibt es eine Ladies Night, die einmal im Monat stattfindet. Weitere Aktionen wie beispielsweise ein spezielles Kinderfilm-Programm in den Osterferien oder besondere Tage wie das John-Travolta-Special anlässlich von „40 Jahre Saturday Night Fever“ sollen Zuschauer in die Säle des Central-Kinos locken.

Die Schauburg in Dortmund zeigt hingegen regelmäßig Filme im Original mit Untertitel, was vor allem auch für Schulklassen interessant ist. Zudem zeigen sie dort Filmreihen wie „Homochrom“, die seit acht Jahren Filme rund ums Thema Homosexualität zeigen und vor allem den Wiedererkennungswert des Kinos steigern.

Die wichtigsten Termine für Kino-Fans:

  • Vom 21. bis 24 November 2018 feiert Lünen das 29. Kinofest. Im Wettbewerb um die Auszeichnung „Lüdia“ und weitere Auszeichnungen wie dem Jugendfilmpreis „Rakete“ sind in der Cineworld Lünen, Im Hagen 3, wieder rund 50 aktuelle, deutsche Filmproduktionen zu sehen.
  • Neue internationale Produktionen aus den Bereichen Horror, Thriller, Phantastik und Science-Fiction stehen bei den Fantasy Film Fest Nights am 5. und 6. Mai im Kölner Kino Residenz – Astor Film Lounge, Kaiser-Wilhelm- Ring 30-32, auf dem Programm.
  • Der Film- und Theaterregisseur Jörg Buttgereit lädt für Freitag, 20. April, ab 20 Uhr ins Studio des Schauspiels Dortmund, Hiltropwall 15, ein. Seine monatliche Kino-Gesprächsreihe unter dem Titel „Nackt und zerfleischt“ widmet sich dann dem Thema Nationalsozialismus in der filmischen Trivialkultur.
  • Im 20. Jahr seines Bestehens widmet sich „Der geheimnisvolle Filmclub Buio Omega“ in Gelsenkirchen-Buer weiterhin einmal monatlich den längst vergessenen Perlen des abseitigen Genre-Films. Vom europäischen Söldnerfilm bis hin zum US-Monster-Happening flimmert über die Leinwand des Schauburg Filmpalast, Horster Straße 6, allerlei Kurioses. Das Doppelprogramm am Samstag, 21. April, trägt den Namen „Grillhehnchen“ und bietet Frühaufstehern (Beginn 10.30 Uhr) zwei Überraschungsfilme, die stilecht auf 35mm-Filmrolle präsentiert werden.
  • Aktuelle Geheimtipps des abseitigen Films und Bahnhofskino-Klassiker im Doppelpack serviert der Filmclub Bali einmal monatlich im Kinosaal des Hagener Kulturzentrums Pelmke, Pelmkestraße 14. Am Freitag, 6. April, läuft ab 20.30 Uhr wieder „schöner Schund“.
  • Im Sommer diesen Jahres feiert auch „Besonders wertlos – Das Festival des deutschen psychotronischen Films“ sein 20-jähriges Bestehen. Ursprünglich in Bochum beheimatet, findet das kleine Festival, das schräge und ehemals populäre Filmhits aus deutscher Produktion präsentiert, mittlerweile in Köln statt. 2018 im Kino Lichtspiele Kalk, Kalk-Mülheimer-Straße 130-132.