Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

Nach Facebook-Streit

Angeklagte bereuen Schießerei in Oer-Erkenschwick

BOCHUM/OER-ERKENSCHWICK Nach der spektakulären, gefilmten Schießerei in Oer-Erkenschwick sendeten drei angeklagte Brüder zum Prozessauftakt friedliche Signale, sprachen von berauschender Wut und dummen Fehlern. Der mutmaßliche Pistolenschütze, der Essener Rap-Musiker „Hamad45“, dagegen schwieg.

Angeklagte bereuen Schießerei in Oer-Erkenschwick

Der angeklagte Rapper „Hamad45“ schwieg vor Gericht, während die andere Seite ihm bereits eine Versöhnung anbot. Foto: Foto: Werner von Braunschweig

Vor dem Bochumer Schwurgericht hat am Mittwoch der Prozess um eine spektakuläre, gefilmte Schießerei begonnen. Während der mutmaßliche Pistolenschütze - Rap-Musiker „Hamad45“ aus Essen - schwieg, zeigten sich alle drei mitangeklagten Brüder aus Oer-Erkenschwick zum Auftakt reuig und einsichtig.

Angeklagte signalisieren Bereitschaft zur Versöhnung

„Das war einfach nur dumm und es tut mir wirklich von Herzen leid“, sagte einer der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagten Brüder, ein Kfz-Mechaniker. Vor dessen Werkstatt in Oer-Erkenschwick war am 13. Juni gegen 18.30 Uhr eine Art „Rapper-Krieg“ mit Scherben, Schüssen und quietschenden Reifen eskaliert.

Obwohl der Familienvater (35) bei dem Gewaltexzess durch einen Oberschenkel-Durchschuss schwer verletzt worden war, signalisierte er Versöhnungsbereitschaft. „Ich schwöre, dass ich bereit bin, diesem Mann da die Hand zu geben, auch wenn er auf mich geschossen hat“, hieß es. Dabei zeigte der 35-Jährige mit dem Finger auf den neben ihm sitzenden „Hamad45“.

Bushido-Auftritt im Fastenmonat Ramadan als Auslöser

Als scheinbaren Auslöser für das außer Kontrolle geratene Aufeinandertreffen zweier bewaffneter Männergruppen, enthüllte der Werkstattbesitzer einen Facebook-Streit.

Weil sein in Berlin lebender Cousin auf der Plattform ein Konzert des bekannten Rappers „Bushido“ bei Facebook angekündigt hatte, soll sich „Hamad45“ dazu berufen gefühlt haben, den geplanten Konzerttermin im Fastenmonat Ramadan zu kritisieren.

„Es gibt Leute, die schämen sich aber nicht mal, im heiligen Monat aufzutreten.“ So oder so ähnlich soll der abfällige Eintrag gelautet haben. Die Folge war: Auch der Werkstattbesitzer mischte sich ein, will mehrfach mit „Hamad45“ telefoniert haben. Und ihm dann nach eigenen Angaben sogar eine SMS geschickt haben nach dem Motto: „Komm‘ vorbei. Auge um Auge. Zahn um Zahn.“

Angeklagte verfolgten flüchtende Gruppe

Die Szenen, die sich damals vor dem Garagenhof abgespielt haben, hatte ein Augenzeuge mit seinem Handy gefilmt und ins Internet gestellt. Das Video wurde rasend schnell ein regelrechter „Klickmagnet“. Auch die zwei mitangeklagten Brüder (34/41) des Werkstattbesitzers gaben vor Gericht zu, bei der Schlägerei mitgemischt zu haben.

Der 34-Jährige räumte zudem ein, die Heckscheibe eines flüchtenden VW Polo mit einer Stange eingeschlagen zu haben. Später habe er gemeinsam mit beiden Brüdern auch noch zunächst flüchtende Männer aus der Rapper-Gruppe um „Hamad45“ in einem nahen Autohaus brutal zusammengeschlagen. „Wir waren so voll Adrenalin und hatten so eine Wut, dass wir wie im Rausch drauf geschlagen haben. Das war ein Fehler.“

„Hamad45“ sitzt wegen versuchten Totschlags in der U-Haft

Rap-Musiker „Hamad45“ war damals nach zehntägiger Flucht aufgegriffen worden und sitzt seitdem ununterbrochen in U-Haft. Einer seiner Anwälte kündigte an, dass sich auch der 27-Jährige im Prozessverlauf noch zum Anklagevorwurf „versuchter Totschlag“ erklären will. Der Prozess wird am 2. Januar fortgesetzt.

Anzeige
Anzeige