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Antiker Apuleius-Roman neu aufgelegt

Berlin. Der einzige aus dem Altertum erhaltene Roman stammt von Apuleius. Mit dessen „Metamorphosen oder Der goldne Esel“ feiert Die Andere Bibliothek ihr Jubiläum - und zeigt, wie unterhaltsam „sex and crime“ auch nach so vielen Jahrhunderten noch ist.

Antiker Apuleius-Roman neu aufgelegt

Neu aufgelegt: „Metamorphosen oder Der goldne Esel“ von Apuleius ist keine Neuübersetzung des lateinischen Originals, sondern greift auf den deutschen Text von August Rode zurück. Foto: Die Andere Bibliothek

Wenn es um Sagen über die Verwandlung von Menschen und Göttern geht, kommt den meisten wohl unweigerlich der antike Dichter Ovid in den Sinn. Dabei hat rund 150 Jahre nach diesem Vertreter des Goldenen Zeitalters in Rom ein anderer ein Werk geschrieben, das genauso den Titel „Metamorphosen“ trägt: Lucius Apuleius.

Wahrscheinlich wäre der 125 nach Christus als Sohn eines angesehenen Hauses im heutigen Algerien geborene Dichter in Vergessenheit geraten, hätte er nicht mit der in seinem Buch eingebetteten Erzählung von Amor und Psyche weit über seine Zeit hinaus Einfluss auf Bildende Kunst, Musik und Literatur erlangt. Wer hat denn etwa noch keine Statue oder kein Gemälde des Liebesgottes in inniger Umarmung mit der bezaubernden Königstochter gesehen?

Die 1984 von Hans Magnus Enzensberger gegründete Andere Bibliothek feiert nun ihr Jubiläum mit einer Neuausgabe dieses einzigen, vollständig erhaltenen Romans aus der Antike. „Metamorphosen oder Der goldne Esel“ ist die 400. Veröffentlichung der Buchreihe.

Darin berichtet der junge Ich-Erzähler Lucius von seinen Abenteuern. Seine Irrfahrt durch das mystische Thessalien beginnt, als er aus Versehen in einen Esel verwandelt wird, weil ihm seine Geliebte den falschen Zaubertrank reicht. Als Lastentier fällt er dann Räubern und Betrügern in die Hände, gerät in Orgien, muss mit Halunken und Sodomiten auskommen, bevor er nach elf Büchern ans Ziel gelangt.

Der Roman ist Parodie, Komödie und Burleske in einem - vor allem in den eingefügten Erzählungen über Ehebruch und Eifersucht, Verbrechen und Mord, Untreue und Magie. Die bekannteste ist die allegorische Prüfungsgeschichte von Amor und Psyche. Die schöne Königstochter weiß, dass sie ihren Gatten nur behält, wenn sie auf seinen Anblick verzichtet. Doch betrachtet sie einmal nachts sein Gesicht und entfacht damit den Zorn von Amors Mutter, der Göttin Venus.

Apuleius stammt aus Nordafrika. Wichtige literarische Impulse stammen von dort, da die Stadt Rom im zweiten nachchristlichen Jahrhundert ihre politische und kulturelle Anziehungskraft nach und nach verliert. Karthago - vormals zerstört - entwickelt sich zu einem Kulturzentrum. Dorthin geht Apuleius zum Studium, später nach Athen. Er wird ein brillanter Redner und großer Philosoph. Nur wenige seiner vielseitigen und virtuosen Werke sind noch heute erhalten.

Die Nachwirkungen seiner „Metamorphosen“ sind nicht zu unterschätzen, sie reichen bis weit über die europäischen Literaturgrößen wie Boccaccio („Decamerone“) oder Cervantes („Don Quijote“) hinaus.

Der nun vorliegende Band ist keine Neuübersetzung des lateinischen Originals, sondern greift auf den deutschen Text von August Rode zurück. Der galt in der Goethe-Zeit als ein herausragender Kenner der antiken Mythologie und lateinischen Sprache. Seine Übertragung von 1783 ist die bis heute wohl meistverbreitete deutsche Version.

Natürlich schmerzt es, dass in dem Band der Originaltext fehlt. Eine zweisprachige Ausgabe hätte gezeigt, an welchen Stellen sich Rode von Apuleius ab- und seinen Zeitgenossen zuwendet. Er versteht sich nämlich mehr als Schriftsteller denn als detailtreuer Übersetzer. Seine Sprache kennt man aus dem Rokoko oder vom jungen Goethe.

Die Übersetzung wirkt für den heutigen Leser mitunter unfreiwillig komisch. Während Apuleius saftige Szenen sprachlich sachlich hält, wird es bei Rode mitunter eigenartig. So findet Lucius nach seiner Verwandlung Trost im „Zuwachs des Werkzeugs des sechsten Sinns“ (ja, gemeint ist der Penis!). Er fragt sich, wie bei seiner Geliebten „ein so übergroßes Opfergefäß hinein in das enge Heiligtum der Wollust“ passe. Doch ist Rode nicht immer so zimperlich. Einmal lässt er einen Liebhaber „nach Herzenslust“ die Frau eines anderen „bezimmern“.

Ob es an Szenen wie diesen lag, dass Apuleius' „Metamorphosen“ noch in den 1950er Jahren in der Bundesrepublik als „unzüchtige Schriften“ beschlagnahmt wurden, ist heute nicht mehr ganz nachvollziehbar. Wer auf „sex and crime“ steht, sollte den mehr als 1800 Jahre alten Roman unbedingt zur Hand nehmen. Bis heute haben die „Metamorphosen“ nichts von ihrem Unterhaltungswert verloren.

- Apuleius: „Metamorphosen oder Der goldne Esel“, aus dem Lateinischen übersetzt von August Rode, Die Andere Bibliothek, 420 S., 42,00 Euro, ISBN 9783847704003.

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