Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Ausstellung zu Deportationen mit der Reichsbahn in Berlin

Berlin (dpa) Die Ausstellung «Sonderzüge in den Tod» über die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn ist nach einem langen Streit am Mittwoch in Berlin eröffnet worden.

Ausstellung zu Deportationen mit der Reichsbahn in Berlin

Wanderausstellung zu Deportationen mit der Reichsbahn

Die Ausstellung «Sonderzüge in den Tod» über die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn ist nach einem langen Streit am Mittwoch in Berlin eröffnet worden.

Sie erinnert mit Fotos, Kurzbiografien, Briefen und aufgezeichneten Zeitzeugeninterviews an das Schicksal von etwa drei Millionen Menschen, die in der Nazi-Zeit per Bahn in die Konzentrations- und Vernichtungslager gebracht wurden. Die Verschleppten, von denen die meisten ermordet wurden, waren vor allem Juden, Sinti und Roma.

Zur Eröffnung im Bahnhof Potsdamer Platz kam auch die deutsch- französische Journalistin Beate Klarsfeld, die sich dafür engagiert hatte, die Ausstellung auf deutschen Bahnhöfen zu zeigen. Die Bahn hatte dies zunächst abgelehnt und dem Projekt in dieser Form erst auf Druck von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) zugestimmt. Die Ausstellung bleibt bis zum 11. Februar in Berlin und soll in diesem Jahr noch in bis zu zehn weiteren Städten zu sehen sein. Nächste Stationen sind Halle (Saale), Schwerin und Münster.

Klarsfeld liefert mit Fotos und Dokumenten über Kinder, die aus Frankreich in die Lager der Deutschen deportiert wurden, einen Beitrag zu der Ausstellung. Ihre Organisation hat für jedes der 11 400 Kinder eine Akte angelegt, die deren Lebensweg bis zum Tod nachzeichnet. Dadurch seien die Kinder «aus der Nacht des Vergessens ans Tageslicht zurückgekehrt», sagte Klarsfeld, die sich in den 70er Jahren als «Nazijägerin» einen Namen gemacht hatte.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, dankte Klarsfeld für ihr «couragiertes Engagement». Ausstellungen wie diese könnten auch dann noch historische Aufklärung leisten, wenn es keine Überlebenden mehr gebe.

Tiefensee sagte, ganz normale Menschen hätten die Nazi-Diktatur im Alltag gestützt. Deswegen müsse die Ausstellung über die damaligen Verbrechen auch im heutigen Alltag gezeigt werden. Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte Bahnhöfe als ungeeignete Orte für solch ein ernstes Thema bezeichnet. Die Bahn verständigte sich dann aber mit Klarsfeld auf ein Konzept auf Grundlage einer Dauerausstellung im Nürnberger Bahnmuseum.

Unabhängig von der Wanderausstellung fährt seit November ein «Zug der Erinnerung» durch Deutschland, in dem Fotos und Filmsequenzen gezeigt werden, in denen Überlebende von der Zustellung der Bescheide und den Weg zu den Lagern berichten. Der Zug macht an 30 ehemaligen Deportationsbahnhöfen halt und soll am 8. Mai, dem Jahrestag des Kriegsendes in Deutschland, in der Gedenkstätte Auschwitz ankommen. Der von Bürgerinitiativen getragene Verein des «Zuges der Erinnerung» beklagt die fehlende Unterstützung der Bahn für dieses Projekt.

Anzeige
Anzeige