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Nationalelf im Trainingslager

„Basis legen“: Joachim Löws Ziele und Baustellen

Eppan Bis zum 7. Juni bereitet sich die Fußball-Nationalmannschaft in Südtirol auf die WM vor. Zahlreiche Fragezeichen sollen bis dahin beseitigt werden. Vier Akteure werden schon vorher abreisen müssen.

„Basis legen“: Joachim Löws Ziele und Baustellen

Joachim Löw bereitet die Nationalmannschaft im Trainingslager in Südtirol auf die WM in Russland vor. Foto: dpa

„Endlich geht's los.“ Diesen Satz sprach Teammanager Oliver Bierhoff nach der Ankunft der deutschen Nationalmannschaft in Südtirol. Auch Joachim Löw ist froh: Für den Bundestrainer beginnt jetzt die intensivste und schönste Zeit in seiner geliebten Funktion als Fußball-Lehrer. Im Trainingslager gilt es für den 58-Jährigen und seinen Stab, bis zum 7. Juni die Grundlagen für ein erfolgreiches WM-Turnier (14. Juni bis 15. Juli) in Russland zu legen. In Eppan muss Löw Baustellen schließen und knifflige Personalien lösen.

Warum bereitet sich die Nationalmannschaft in Südtirol vor?
Wegen der guten Erfahrungen in der Vergangenheit. Bereits zum vierten Mal absolviert die DFB-Auswahl eine WM-Vorbereitung in der beliebten italienischen Urlaubsregion. „Im Trainingslager geht es darum, die Basis zu legen für das WM-Turnier, das uns alles abverlangen wird, physisch wie mental“, begründet Löw die Auswahl. Manager Bierhoff zählte nach der Ankunft am Mittwoch die Vorzüge Südtirols auf: „Optimale Bedingungen, tolles Trainingsgelände, herrliches Klima und herzliche Leute.“ Ein wenig Aberglaube ist auch dabei: 1990 und 2014 wurde Deutschland Weltmeister. 2010, als Löw mit dem DFB-Team ebenfalls in Eppan weilte, reichte es in Südafrika zu Platz drei.

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Wie lange bleibt das Team in Eppan? Was steht auf dem Programm?
Das Trainingslager dauert bis zum 7. Juni, also mehr als zwei Wochen. Es wird in der Regel zweimal am Tag trainiert. Nach einer langen Saison sollen die Spieler konditionell neu aufgebaut und der Hunger auf Erfolg neu entfacht werden. Der Kampf um die Plätze in der WM-Elf wird nach und nach forciert. Am 2. Juni steht ein Test-Länderspiel in Klagenfurt gegen Österreich an. Zwei Tage später muss Löw den endgültigen 23-Mann-Kader dem Weltverband FIFA melden.

Wie viele Spieler sind dabei?
Der Bundestrainer hat 27 Profis in den vorläufigen WM-Kader berufen, 23 Feldspieler und vier Torhüter. Sieben Spieler, darunter Mats Hummels, Thomas Müller und Marc-André ter Stegen, müssen erst am Freitag nach Südtirol anreisen. Sie dürfen sich erst noch ein wenig von den letzten Vereinsspielen erholen. Löws Ziel ist es, aus dem Kader nun ein „stimmiges Gesamtbild“ zu formen. Er will sehen, welche Akteure in der Lage sind, in Russland „Topleistung abzuliefern“. Ein wichtiges Kriterium ist aber auch der Zusammenhalt. „Die Mannschaft muss auch außerhalb des Platzes funktionieren“, betonte Löw.

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Wie ist der Plan mit Manuel Neuer?
Der Kapitän ist die große Unbekannte. Der 32 Jahre alte Torwart des FC Bayern hat seit September 2017 kein Spiel bestritten. Der letzte Länderspieleinsatz liegt sogar mehr als anderthalb Jahre zurück. Löw hat den Weltmeister dennoch nominiert, denn Neuers Mittelfußbruch sei „vollständig verheilt“. Jetzt will er sich gemeinsam mit Torwartcoach Andreas Köpke „selbst ein Bild machen“ von Neuers WM-Tauglichkeit. Einen Freifahrtschein nach Russland erhält auch der Kapitän nicht. „Jogi hat es ja schon gesagt, dass er nur einen hundert Prozent fitten Manuel Neuer mitnehmen wird“, bekräftigte Bierhoff in Eppan. Ansonsten wäre Marc-André ter Stegen die Nummer 1 bei der WM.

Warum kommt auch die deutsche U20-Auswahl nach Südtirol?
Vom 27. bis 31. Mai kommt das DFB-Nachwuchsteam nach Eppan. Eine Maßnahme speziell zum Spielpraxis-Gewinn für Manuel Neuer ist das aber nicht. Schon vor früheren Turnieren ließ Löw die U20 ins Trainingscamp kommen. Grund ist, dass sie in Trainingsspielen zum Beispiel die Spielweise der WM-Gruppengegner Mexiko, Schweden und Südkorea imitieren soll. „Wir agieren als Trainingspartner“, sagt U20-Coach Frank Kramer. Früher testete die Nationalelf häufig gegen Amateurteams aus der Region. Die Gegner waren oft übermotiviert, die Verletzungsgefahr groß. Und gegen den eigenen Nachwuchs kann mehr im Geheimen einstudiert werden - unbeobachtet von den WM-Gegnern.

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Wer sind die ersten Streichkanidaten im vorläufigen Kader?
Drei Feldspieler und einen Torwart muss Joachim Löw am 4. Juni noch nach Hause schicken. Wenn Manuel Neuer die WM-Tauglichkeit nachweist, erwischt es bei den Schlussmännern Bernd Leno oder Kevin Trapp. Wenn Weltmeister Jérôme Boateng seine Oberschenkelverletzung rechtzeitig auskurieren kann, muss auch ein Innenverteidiger weichen. Ein heißer Kandidat dafür wäre der Leverkusener Jonathan Tah. Es gibt aber einige Wackelkandidaten. Dazu gehört auch Nils Petersen. Den 29 Jahre alten Angreifer vom SC Freiburg - einziger Akteur ohne Länderspiel im vorläufigen Kader - hatte Löw überraschend statt des Münchners Sandro Wagner nominiert. „Er ist ein sehr guter Joker“, lautet ein Grund.

Wie geht es nach dem Trainingslager weiter?
Am 8. Juni findet in Leverkusen die WM-Generalprobe gegen Saudi-Arabien statt. Danach gibt Löw den Spielern noch mal frei. Am 12. Juni fliegt der DFB-Tross von Frankfurt/Main nach Moskau und bezieht etwas außerhalb der russischen Hauptstadt das Basisquartier in Watutinki. Am 17. Juni bestreitet Titelverteidiger Deutschland in Moskau das Auftaktspiel gegen Mexiko. „Das Ziel ist natürlich klar. Wir wollen als Weltmeister den Titel verteidigen“, sagte Bierhoff.

Von dpa

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