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Baumkletterer fällen 140 Jahre alte Buche

NORDKIRCHEN Ein paar Mal rutscht Roland Schneider an den glatten Stämmen der alten Buche ab. Doch er fällt nicht hart zu Boden, sondern weich ins Seil. Jedes Mal könnte der Sturz böse Folgen haben für den Baumkletterer.

von Von Matthias Münch

, 10.12.2007

Aber  Schneider ist  professionell mit dicken Stricken und Haken gesichert. An diesem grauen Dezembermorgen mit hoher Luftfeuchtigkeit ist der Baumkletterer zusammen mit seinem Kollegen Georg Frieling auf dem Gelände der Kinderheilstätte Nordkirchen im Einsatz.

Baum weicht neuem Eingangsbereich

Zunächst rücken sie der großen, rund 140 Jahre alten Buche zu Leibe, die im neuen Eingangsbereich des heilpädagogischen Kindergartens keine Überlebenschance hat. Der Baum kann nicht einfach gefällt werden, weil die umstehenden Fassaden dabei beschädigt würden. Außerdem soll er als Kletterbaum für den Spielplatz des Kindergartens erhalten bleiben.

      Seit vier Jahren arbeiten die beiden Kletterer schon zusammen. Verletzt haben sie sich dabei noch nie, weil sie so sorgfältig zu Werke gehen. Dabei gehört schon Mut dazu. Und absolute körperliche Fitness. Denn Roland Schneider schwingt sich mit einigen Kilos Werkzeug-Gewicht durch das Geäst. An seinem Gürtel baumeln eine Handsäge, eine Motorsäge und ein gutes Dutzend Stahlhaken.

Der eine klettert, der andere sichert

Immer wenn Schneider sägt oder weiter klettert, sichert ihn sein Kollege von unten ab und nimmt die abgesägten Äste in Empfang. Beim nächsten Mal kann es genau umgekehrt sein. Dann klettert Frieling und Schneider bleibt auf der Erde. Nicht nur zur Hilfe ist der zweite Mann immer dabei. Wichtig ist er vor allem, falls doch einmal etwas passieren sollte.  „Wenn mein Kollege bei einem Einsatz verunglücken sollte“, erklärt Georg Frieling, „dann muss ich ihn schnellstens da runter holen.“ Dazu haben beide nicht nur eine Ersthelfer-Ausbildung, sondern auch eine zur Höhenrettung.

Nach dem Sturm Kyrill wurden die Kletterer nach Witten gerufen. Dort musste sich Schneider aus dem Korb eines Autokrans abseilen, um den Hahn auf einer Kirchturmspitze zu sichern, der abzubrechen drohte. „Industriekletterer“ steht auf Frielings und Schneiders Visitenkarten. Sie erklimmen Gerüste oder Schornsteine, Masten oder Gebäude.

Hobby und berufliche Wurzeln

Doch bei der „Problembaumfällung“ wie jetzt in Nordkirchen kehren sie zu ihren beruflichen Wurzeln zurück. Denn Holz ist ihr Metier. Beide haben Zimmermann gelernt. Auf die Frage nach ihrer Freizeitbeschäftigung antwortet Georg Frieling: „Kollege Schneider ist Bergsteiger.“ Kein Wunder, denn er stammt aus der Schweiz. Frieling kommt aus dem flachen Münsterland, aus Havixbeck. Sein Hobby: „Klettern.“

  

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