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Bluttat im Hausflur: „Dann bin ich zusammengebrochen“

Messerattacke an Silvester in Recklinghausen

Mit der Vernehmung der zwei Opfer ist der Prozess um die Silvester-Bluttat in einem Wohnhaus in Recklinghausen fortgesetzt worden. Laut Anklage hat ein 70-jähriger Anwohner versucht, zwei 22 und 23 Jahre alte Freunde bei einem Streit im Flur zu töten. Von einem Messerangriff hatte das Duo anfangs überhaupt nichts gespürt.

BOCHUM/RECKLINGHAUSEN

von Werner von Braunschweig

, 08.06.2018
Bluttat im Hausflur: „Dann bin ich zusammengebrochen“

Das Foto zeigt den Angeklagten mit seinem Verteidiger Björn Rüthers (l.). © Foto: Werner von Braunschweig

„Ich habe das erst gar nicht mitgekriegt, habe auch nichts gespürt“, erinnerte sich ein 23-jähriger Recklinghäuser am Freitag vor dem Bochumer Schwurgericht. Erst als eine Bekannte etwas von einem Messer gerufen habe, sei er schnell nach draußen vor die Tür gelaufen. Der Zeuge: „Dann bin ich aber schon zusammengebrochen.“ Fest steht: Der 23-Jährige landete mit einer Stichverletzung im Bauch auf der Intensivstation, musste operiert werden. Restlos überwunden hat er die Beschwerden nach eigenen Angaben bis heute nicht.

Auch sein ein Jahr jüngerer Freund will „die ganze Zeit kein Messer gesehen“ haben. Erst nachdem er beim Gerangel mit dem Angeklagten durch eine verschlossene Wohnungstür gekracht sei, habe er plötzlich Blut und dann auch ein Messer gesehen. „Erst brannte es an meiner Hand, dann sah ich wie Blut an meinem Oberschenkel runter lief“, erinnerte sich der 22-Jährige. Auch er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo eine tiefe Stichwunde im Hüftbereich diagnostiziert worden sei.

Wie es zur Eskalation kam, ist unklar

Unklar blieb nach der Vernehmung der zwei Verletzten, wie und warum genau die hitzige Hausflur-Situation eskaliert ist. Kamen die jungen Männer gleichzeitig vom Böller-Abfeuern zur Farnstraße zurück und trafen an der verschlossenen Haustür auf den 70-Jährigen, der ihnen den Zutritt verweigern wollte? Oder war einer der Männer alleine vorgelaufen? Sicher ist, dass die beiden späteren Opfer angetrunken waren (1,4 und 1,6 Promille). Sicher ist auch, dass ihre ersten Angaben in der Silvesternacht und ihre Erinnerungen nun im Prozess kein einheitliches Bild vom Ablauf des Streits abgeben.

Der Angeklagte - 1981 in München wegen eines vollendeten Totschlags schon zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt - quittierte die Äußerungen der Zeugen mit fast schon demonstrativer Gelassenheit. Ab und zu tuschelte der 70-Jährige kopfschüttelnd mit seinen Verteidigern Jörn Dieker und Björn Rüthers. Sagen wollte der Angeklagte auch am Freitag nichts.

Der Prozess wird fortgesetzt.