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Brüssel feiert Jugendstilmeister Victor Horta

Brüssel. Victor Horta hat als einer der Väter des Jugendstils vor allem in Brüssel gewirkt. Gut 70 Jahre nach dem Tod des Architekten feiert die Stadt den Liebhaber von Arabesken und Schnörkeln mit einem Jahres-Event.

Der Name Victor Horta ist mit Brüssel ebenso eng verbunden wie der des spanischen Architekten Antoni Gaudí mit Barcelona. Wie kein anderer hat Horta das Stadtbild der belgischen Hauptstadt geprägt.

Einige seiner mit Schnörkeln und Gusseisen verzierten großbürgerlichen Stadthäuser stehen seit 2000 auf der Welterbeliste der Unesco. Gut 70 Jahre nach dem Tod des weltbekannten Architekten feiert Brüssel seinen Jugendstilmeister mit einem ganzjährigen Event: „Horta Inside Out“.

Der Jugendstilmeister verdiene, dass man sein Werk und sein kreatives Genie ein ganzes Jahr lang würdige, meinten die Organisatoren. Mehr als 20 Kultureinrichtungen nehmen an der Hommage teil. Auf dem Programm stehen Ausstellungen, Konferenzen, Festivals und Führungen durch Brüssel, die den Besucher auf die Fährte des Initiators des Jugendstils in Belgien setzen. Im Oktober wird ihm und dem Jugendstil, auch Art Nouveau genannt, sogar eine Buchmesse gewidmet.

Gestorben ist der Liebhaber der Arabesken und floralen Ornamentlinien am 8. September 1947. Dass die Gedenkfeiern nicht bereits im Herbst gestartet sind, sondern ausschließlich im Jahr 2018 stattfinden, hat einen pragmatischen Grund. Seit Anfang Januar sind die Rechte an Bild und Werk nicht mehr geschützt. In Belgien erlischt der Urheberschutz 70 Jahre nach dem Tod eines Autors ab Ende des laufenden Kalenderjahrs. Nun gehöre Horta wieder allen, meinte einer der Organisatoren.

Horta hat in Brüssel verstärkt ab 1892 gewirkt. Nach seinen Jahren in London und den USA, wohin er vor dem Ersten Weltkrieg geflüchtet war, kehrte er wieder in die Hauptstadt zurück. Doch wandte er sich nach der Blütezeit des Jugendstils, die von 1890 bis etwa 1910 dauerte, von den Blumenmotiven und runden Linien ab und entwarf Bauten in einer bereinigten und klassizistischen Formensprache. Zu diesen Spätwerken gehört auch der Bahnhof Gare Centrale mitten im Zentrum der Stadt.

Der Sohn eines Schusters wurde am 6. Januar 1861 in Gent als eines von zwölf Kindern aus zwei Ehen geboren. Erstmals in Kontakt mit der Architektur kam er, als er als Junge seinem Onkel auf einer Baustelle half. Womit die Weichen gestellt waren. Nach der Schule schrieb er sich zum Studium der Architektur und der Schönen Künste ein.

Nach anfänglichen Jahren der Armut wendete sich ab 1892 sein Schicksal. Jeder, der in Brüssel Geld und Ansehen hatte, wollte sich von ihm ein Stadthaus entwerfen lassen. Die meisten Auftraggeber waren Freimaurer, denn der katholischen Mehrheit Belgiens waren die runden Linien zu sinnlich.

Horta hat in Brüssel rund 30 Jugendstil-Häuser erbaut. Davon haben 22 die Kriegszeiten und die „Bruxellisation“, wie man den unkontrollierten Modernisierungswahn zwischen den 50er und 70er Jahren nennt, überlebt. Zu jenen, die nur noch auf Archivbildern existieren, gehört das „Haus des Volkes“. Der Riesenkomplex aus Geschäften, Cafés und Veranstaltungssälen wurde von der belgischen sozialistischen Partei in Auftrag gegeben und musste Mitte der 60er Jahre einem über 25-stöckigen Bürokomplex weichen.

Im Jahr 2000 wurden vier der Horta-Bauten auf die Unesco-Welterbeliste gesetzt, darunter die Stadthäuser Van Eetvelde und Tassel sowie das heutige Horta-Museum, das ehemalige Wohnhaus des in Brüssel beerdigten Baumeisters. Sie sind Gesamtkunstwerke im Stil der Art Nouveau: freiliegende Gusseisenelemente, Glasdachkonstruktionen, organische Formen, geschwungene Linien.

Zu den Höhepunkten von „Horta Inside Out“ gehört neben Ausstellungen im Horta-Museum auch die Werkschau im Kunstmuseum BOZAR. Dort wird ab Ende April unter dem Titel „A Work in Progress“ daran erinnert, dass Horta auch den riesigen Kunsttempel entworfen hat. 

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