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Buchpreis-Gewinnerin Kinsky: „Kunst überhaupt kann trösten“

Leipzig. Ein Buch über eine trauernde Ich-Erzählerin hat die Jury überzeugt und Esther Kinsky den Preis der Leipziger Buchmesse eingebracht. Sie selbst war überrascht über den Preis, sagt sie. Auch, weil viele ihr Buch so dunkel und traurig fanden.

Buchpreis-Gewinnerin Kinsky: „Kunst überhaupt kann trösten“

Die Autorin Esther Kinsky. Foto: Monika Skolimowska

Esther Kinsky hat mit ihrem poetischen Roman „Hain“ den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen. In dem Buch wandelt eine Ich-Erzählerin auf italienischen Pfaden, in Kindheitserinnerungen und voller Trauer.

Warum sie über die Auszeichnung überrascht war, wo für sie Lieblingsorte sind und was sie mit den 15 000 Euro Preisgeld macht, sagt sie im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Frage: Sie wirkten sehr überrascht. Welche Eigenschaft an Ihrem Buch hat Sie denn daran zweifeln lassen, dass Sie den Preis bekommen?

Antwort: Vielleicht, weil manche Leute es so dunkel oder traurig finden. Es ist schwer zu sagen, aber es hat mich einfach überrascht. Es hat mich überrascht.

Frage: Nun ist es ja ein herausragendes Buch, weil es ein preisgekröntes Buch ist, aber welche Bedeutung hat es für Sie persönlich innerhalb Ihres Schaffens?

Antwort: Ich glaube, jedes Buch ist immer wieder der weitere Schritt, den man nimmt und der einen weiterbringt an eine andere und neue Grenze von Sprache, an eine neue Grenze von Wahrnehmung und Artikulation von Wahrnehmung. Es ist das Buch, mit dem ich im Kopf noch am meisten beschäftigt bin. Aber irgendwo im Kopf bin ich natürlich auch schon beim nächsten.

Frage: Die Jury hat in ihrer Begründung gewürdigt, dass Sie sich mit Ihrem Roman etwas herausnehmen, so zu schreiben, was im besten Sinne Kunst ist. Was ist denn für Sie gute Literatur? Ist sie Trost?

Antwort: Also, Trost, das ist ja sowas Funktionales. So würde ich das nie sehen. Ich glaube, Kunst überhaupt kann trösten, weil sie etwas artikuliert, für das Menschen manchmal die Möglichkeit fehlt. Und die Konfrontation mit einer solchen Artikulation kann einfach tröstlich sein, weil sie auch ablenkt. Jede Form von Kunst ist auch eine Überwindung von irgendetwas, das einen an sich selbst haften lässt. Aber Trost als Funktion würde ich nie suchen oder auch geben wollen.

Frage: Es ist ein Roman, in dem die Protagonistin reist – im tatsächlichen Sinne und auch in Ihre Vergangenheit. Wo ist denn Ihr Lieblingsort?

Antwort: Mein Lieblingsort? Das kann ich ganz schwer sagen, das wechselt dauernd. Das ist dann immer jeweils ein Ort, in dem man etwas findet. Also, mein Lieblingsort ist dann immer der Ort, mit dem ich mich gerade schreibend beschäftige, oder an dem ich schreiben kann.

Frage: Was machen Sie mit dem Preisgeld? Reisen oder das nächste Buchprojekt?

Antwort: Ja wahrscheinlich beides. Meine Buchprojekte sind immer mit Reisen verbunden, insofern bedingt das eine das andere.

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