Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Ab in den Regenwald

CASTROP-RAUXEL Der piekfeine Zwirn bleibt im Schrank. Mit legerer Kleidung fliegt Frank Schwabe zur Weltklimakonferenz: "Bei 28 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von fast 100 Prozent ist auf Bali der Anzugzwang aufgehoben", berichtet der SPD-Bundestagsabgeordnete vor dem Abflug.

von Von Peter Wulle

, 06.12.2007

Zunächst ist für ihn richtige Tropenkleidung angesagt: bevor es in das indonesische Urlaubsparadies geht, unternimmt Frank Schwabe (Foto)mit einer Bundestagsdelegation einen Abstecher in den Regenwald. "Auf Borneo schauen wir uns Regenwald-Schutzprojekte an und beschäftigen uns mit der Frage, ob die Nutzung von Palmöl ökologisch sinnvoll ist oder nicht." Dazu übernachtet er auf einer Orang Utan-Farm. Nicht ohne Grund, denn die Gorillas sind vom Aussterben bedroht. Mit dem Abholzen der Regenwälder wird ihnen der Lebensraum entzogen. "Es gibt nur noch 3000 Tiere dieser Art", weiß Frank Schwabe. Ebenso ist natürlich die für das Weltklima so wichtige grüne Lunge unseres Planeten bedroht. Durch riesige Palmöl-Plantagen, für die zusätzlich Regenwald abgeholzt wird, verschärft sich das Problem. "Prognosen sagen, dass es in 10 bis 15 Jahren keinen Regenwald auf Borneo mehr geben wird. Wir möchten uns vor Ort einen direkten Eindruck von der Situation machen und diesen mit nach Bali nehmen", so Schwabe."Auf Bali muss über Zielkorridore geredet werden..." Auf der Weltklimakonferenz soll es schließlich darum gehen, wie man den Regenwald-Ländern, den Verzicht auf eine weitere Abholzung vergüten kann. "Nur wenn auf Bali erreicht wird, dass darüber verhandelt wird, wie die Regenwald-Frage in den Emissionshandel einbezogen werden kann, kann es dazu 2009 ein Ergebnis geben", erklärt Frank Schwabe. In Kopenhagen soll dann schließlich ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll geschlossen werden. Für den globalen Klimaschutz-Fahrplan müssen möglichst alle Nationen gewonnen werden. "Die dafür notwendige Dynamik können nur solche Konferenzen wie die auf Bali erzeugen", meint Frank Schwabe und ergänzt: "Auf Bali muss über Zielkorridore geredet werden, darüber, dass Industrieländer im Zeitraum von 1990 bis 2020 bei den Treibhausgasen auf eine Einsparung von 25 bis 40 Prozent kommen." Nur darüber seien dann auch Schwellenländer wie China zu motivieren, Reduktionsziele zu verfolgen. Ziel müsse es sein, so Schwabe als klimapolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, dass jeder Mensch auf der Welt 2050 nur noch zwei Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß pro Jahr verursacht. Heute liege dieser Pro-Kopf-Wert in Deutschland bei 10 Tonnen, in Indien bei einer Tonne, in China bei 3 bis 4 Tonnen und auf dem gesamten afrikanischen Kontinent bei 0,2 Tonnen.Klimawandel sei nicht zu leugnen

Ein Klimawandel sei nicht zu leugnen, stellt Frank Schwabe fest und reagiert damit kritisch auf den Klima-Vortrag des ARD-Wettermoderators Sven Plöger beim Sparkassen-Forum. "Natürlich", sagt Schwabe, "hat es immer Klimaveränderungen auf der Erde gegeben. Da war die Welt aber auch kaum besiedelt, heute hat ein Anstieg des Meeresspiegels dramatische Auswirkungen. Panikmache ist sicher falsch, aber die Frage ist schon, wie wir damit verantwortlich umgehen."

Auf Bali wartet dazu jede Menge Arbeit. Auch die Badehose hat Frank Schwabe daher im Schrank liegen gelassen.

        

Lesen Sie jetzt