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Als in Castrop der Krieg zu Ende ging

Vor 65 Jahren

CASTROP-RAUXEL Vor genau 65 Jahren drangen alliierte Streitkräfte im Zuge der Umklammerung des Ruhrgebietes bis an die Nordgrenze der Stadt vor. Einen Monat vor der Kapitulation der Wehrmacht war der Krieg damit für Castrop-Rauxel beendet.

von Von Gabriele Regener

, 03.04.2010

Am 1. April, dem Ostersonntag, standen amerikanische Truppen unmittelbar an dem nördlichen Ufer der Emscher. Am darauf folgenden Tag, Ostermontag, überschritten sie den Fluss an der Pöppinghauser Furt und betraten den Boden von Castrop-Rauxel. Wenn es in dem Willen und der Macht der Bevölkerung gelegen hätte, wären der Stadt die blutigen Verteidigungskämpfe erspart geblieben. Man war aufs Äußerste abgespannt und todmüde von dem Rennen und Hetzen zwischen Wohnung und Bunker, man sehnte sich nach Ruhe und Frieden, hielt jeglichen Widerstand für sinnlos und verbrecherisch. Man erwartete den schnellen Einmarsch der Gegner, um von all den äußeren und inneren Nöten und der nervenzerstörenden Ungewissheit befreit zu werden, heißt es im Verwaltungsbericht der Stadt von 1945.

Gerüchte, die Stadt würde bis zum Letzten verteidigt werden, gingen von Mund zu Mund und lasteten wie ein böser Alpdruck auf den gequälten Menschenherzen. Die Entscheidung über die Frage einer Freigabe der Stadt lag in der Hand der Wehrmacht. Und die wollte den aussichtslosen Kampf weiterführen. So schritt der grausame Krieg in seiner Endphase über die Fluren und Häuser von Castrop-Rauxel hinweg, unnötige Opfer an Gut und Blut fordernd.Die amerikanischen Truppen drangen von Norden her in das Stadtgebiet ein, besetzten am 2. April den Ortsteil Pöppinghausen und gelangten am 3. April nach Niederwerfung des Widerstandes bei Schloss Bladenhorst an den Kanal. Die sinnlos gesprengten Brücken hielten den Vormarsch nicht auf. Am Abend des 3. Aprils stießen Vortrupps von Henrichenburg aus nach Ickern vor, am 5. April war der gesamte Nordteil der Stadt in Höhe der Zechenbahn Habinghorst-Ickern fest in den Händen der Amerikaner. Am 6. April rollten Panzer bis zum Bahnhof Rauxel vor, Deininghausen und Dingen wurden eingenommen. Am 8. April folgte die Altstadt und am 9. April war das gesamte Stadtgebiet endgültig besetzt.

Acht Tage lang haben die Kämpfe vom nördlichen Pöppinghausen bis zum südlichen Bövinghausen gedauert. Auf deutscher Seite kämpfte ein Bataillon der 2. Div. Fallschirmjäger-Regiment Nr. 23, zumeist junge Menschen, die nur schwach von der Artillerie und den Panzern unterstützt wurden. Auf der amerikanischen Seite stand ein gut ausgerüstetes Infanterie-Regiment, zahlenmäßig weit überlegen und unterstützt von Panzern, Granatwerfern und Jagdbombern. Ein ungleicher Kampf mit einer traurigen Bilanz: 91 Einwohner und 134 Wehrmachtssoldaten starben bei den Bodenkämpfen.