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Babyfenster am Rochus

Castrop-Rauxel Recklinghausen hat eine Babytür, Bochum eine Babyklappe - in Castrop-Rauxel wird das St.-Rochus-Hospital ein Babyfenster bekommen. RN-Redakteurin Julia Grunschel sprach mit Veronika Borghorst, Caritas-Geschäftsführerin, und Dr. Michael Glaßmeyer, ärztlicher Direktor, über das Angebot, bei dem Frauen in Not ihr Baby anonym zur Adoption freigeben können.

11.12.2007

Babyfenster am Rochus

Wer hatte die Idee zum Babyfenster?

Glaßmeyer: Nach dem Fund der Babyleiche im Castroper Holz wurde in Reihen der Frauen-Union und der Caritas der Gedanke laut: Was kann man tun?

Wie weit sind Ihre Planungen?

Borghorst: Die Caritas und der Verwaltungsrat der St. Lukas Gesellschaft möchten das Projekt gemeinsam machen. Das wurde auf der Verwaltungsratssitzung Ende November diskutiert. Im Januar werden wir uns nun zusammensetzen, um die nächsten Schritte zu planen.

Inwieweit ist die Stadt beteiligt?

Borghorst: Ich habe der Sozialdezernentin das Projekt vorgestellt und sie hat mir das Signal gegeben, dass im Falle eines Falls, die betroffenen Bereiche der Stadtverwaltung, wie zum Beispiel das Standesamt, mit uns zusammenarbeiten.

Wo soll das Babyfenster eingerichtet werden?

Borghorst: Gegenüber der Notfallpraxis am St.-Rochus-Hospital. Der Ort ist gut zu finden. Trotzdem besteht die Möglichkeit, anonym zu bleiben.

Wie funktioniert das?

Borghorst: Als Mutter kann ich mein Kind anonym durch das Fenster in einen beheizten Raum reichen. Der Zugang bleibt ein paar Minuten offen, dann schließt er automatisch und kann nicht wieder geöffnet werden. Die Krankenhaus-Mitarbeiter werden dann über ein Signal informiert und können das Kind medizinisch versorgen.

Warum schließt der Zugang nicht direkt?

Borghorst: Zum einen kann die Mutter so noch Abschied nehmen oder es sich in der letzten Minute anders überlegen. Außerdem findet sie im Bettchen einen Brief in mehreren Sprachen.

Einen Brief?

Borghorst: In diesem Brief stehen Informationen, damit die Mutter später mit uns Kontakt aufnehmen kann, wenn sie das möchte.

Warum sollte sie das wollen?

Borghorst: Vielleicht um alles rückgängig zu machen oder um sich anonym nach dem Kind zu erkundigen. Erfahrungen anderer Träger zeigen, dass die Abgabe des Babys oftmals ein Hilferuf ist. Mütter, die sich melden, brauchen Beratung und Begleitung. Wenn sie dies bekommen, kommt es vor, dass sie ihr Kind wieder zurücknehmen.

Sie profitieren also von den Erfahrungen anderer?

Borghorst: Ja, wir kooperieren auch mit dem Sozialdienst katholischer Frauen in Recklinghausen, der dort die Babytür am Prosper-Hospital betreut. Der SkF hat einen Adoptions- und Pflegekinderdienst.

Kommen wir zu den Kindern...

Glaßmeyer: Da liegt auch schon die Problematik. Wir können ihnen zwar in der akuten Situation helfen. Aber am Beispiel Frankreich, wo die Kritik an anonymen Geburten immer größer wird, wissen wir auch, dass die Situation später für Kinder unerträglich ist, nicht zu wissen, woher sie kommen.

Warum ist Ihnen die Einrichtung eines Babyfensters dennoch so wichtig?

Borghorst: Weil es nicht alle Frauen schaffen, unter Begleitung zu entbinden und ihr Kind zur Adoption frei zu geben. Sei es aus kulturellen, religiösen, finanziellen oder familiären Gründen. Das Babyfenster ist eine lebensschützende Maßnahme als Alternative zur Aussetzung oder Tötung eines Kindes. Deshalb hat es auch seinen Wert.

Babyfenster am Rochus

Babyfenster am Rochus

<p>Am St.-Rochus-Hospital soll das Babyfenster eingerichtet werden. Archiv</p>

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