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Dreister Zwilling gibt sich als Bruder aus

CASTROP-RAUXEL "Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: ..." Diese Worte waren auch in 2007 viele Male im Amtsgericht zu hören. Bei Urteilen, die den Schlusspunkt setzen unter die unterschiedlichsten Vergehen: dumme, dreiste oder traurige Vorfälle.

von Von Gaby Regener

, 30.12.2007
Dreister Zwilling gibt sich als Bruder aus

Das Amtsgericht verurteilte den Frührentner nun zu einer Geldstrafe.

Äußerst planvoll ist der 40-jährige Mann vorgegangen, der bei einem Partyservice ein opulentes Buffet für 20 Personen bestellt hatte. Verspeist hat er die Lieferung mit Nachbarn, gezahlt hat er nichts. Die teuren Edelstahltöpfe hat er auch einkassiert - und sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Kupferklau

Mehrfach musste sich Amtsrichter Schwarz mit Kupferklau befassen. Angeblich wurden ganze Kabelrollen für Abfall gehalten, Recyclinghöfe wunderten sich über den Schwund an ausgedienten Elektrogeräten. Wurden früher bis zu acht Tonnen wöchentlich weitergeleitet, geht der Wert gegen Null. Geklaut! Wie die Speismaschine, die der Richter auf seinem Fußweg zum Gericht an einem Zaun stehen sah. Als sie verschwunden war, schwante ihm nicht Gutes. Gestohlen. Dem angeblichen Dieb konnte man die Tat aber nicht sicher nachweisen.

Freispruch auch für den Zeugen, der vermutlich auf der Anklagebank am richtigen Platz gewesen wäre. Doch dort saß sein Bruder, dem ein Unfall angelastet wurde. Nur saß dieser zum fraglichen Zeitpunkt in der JVA. Auch er hatte seinen Bruder in Verdacht, glaubte, dass dieser seine Personalien genannt hat. Eine Zeugin konnte sich an den Schnauzbart des Fahrers erinnert. Und der prangte unübersehbar unter der Nase des Zeugen. Der aber machte - als Verwandter des Angeklagten - von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Flasche leer, Angeklagter voll

Leichtes Spiel hatte die Polizei bei zwei Dieben, die fünf Flaschen Whisky gestohlen hatten. Direkt vor Ort hatte das Duo die Flaschen geleert und sich schlafen gelegt. Kommentar zum Beweisfoto: "Die Flasche war leer und ich war voll!" Mit 2,3 Promille.

Zum Schmunzeln war ein Nachbarschaftsstreit, an dem Stefan Raab seine helle Freude gehabt hätte. Kein Maschendrahtzaun, sondern ein Haufen Hundekot war das Corpus delicti, das für Verständigungsprobleme sorgte. Denn als der Richter konstatierte, "dass der Hund des Angeklagten Kot vor der Tür des Zeugen abgesetzt hat", antwortete dieser aufgebracht: "Nein, nein, der hat dahin geschissen!" Richter wie Staatsanwalt stank es, dass sie für solche Lappalien Zeit opfern mussten.

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