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Gemeinde sorgt sich um Kai Schürholt

CASTROP-RAUXEL Mit einem vorgetäuschten Doktortitel und einer erfundenen Krebserkrankung hat der Castrop-Rauxeler Kai Schürholt, der noch zu Ostern in der Lutherkirche gepredigt hat, als CDU-Oberbürgermeister-Kandidat ganz Landau zum Narren gehalten und bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Inzwischen hat er Kontakt zur evangelischen Gemeinde aufgenommen.

von Von Julia Grunschel und ddp

, 28.08.2007
Gemeinde sorgt sich um Kai Schürholt

Screenshot der Schürholt-Internetseite vom 24. August.

Am 2. September wollte der Theologe, der 1991 am Ernst-Barlach-Gymnasium Abitur gemacht hat, die Wahl um den Oberbürgermeister-Posten in der 43 000-Einwohner-Stadt für sich entscheiden. Doch dann geriet der 35-Jährige ins Visier der Justiz, weil er sich im Wahlkampf mit einem falschen Doktortitel geschmückt hatte. Schürholt hatte dann zu Beginn der vergangenen Woche seine OB-Kandidatur mit der Begründung zurückgezogen, schwer an Krebs erkrankt zu sein. Am Freitag zog er die Reißleine und gestand, auch dabei gelogen zu haben.

Pfarrer Hans-Jürgen Knipp kennt Kai Schürholt seit langem. Bevor er zum Studieren nach Heidelberg und Göttingen ging, gehörte er zum Team der Lutherkirche, half bei Kindergottesdiensten mit. Im vergangenen Jahr wurde der 35-jährige noch als Laienprediger in der Lutherkirche eingeführt. Von der OB-Kandidatur Schürholts hat Knipp durch Zufall erfahren. Gemeindeglieder seien in der Pfalz im Urlaub gewesen und hätten die Plakate gesehen. "Das ist doch unser Kai!", waren alle erstaunt. Denn Schürholt lebt in Berlin, war als Pressesprecher beim Deutschen Brauer-Bund und vorher als wissenschaftlicher Mitarbeiter für den Bundestagsabgeordneten Cajus Julius Caesar (Wahlkreis Lippe 1) tätig.

E-Mail geschickt

Nach dem Gottesdienst am Sonntag haben Gemeindeglieder beschlossen, Kontakt zu ihrem ehemaligen Kollegen aufzunehmen. Sie schickten ihm eine E-Mail. "Er steckt in einer großen Persönlichkeitskrise und muss gucken, was ihm noch bleibt. Wir machen uns Sorgen, dass er eine Kurzschlusshandlung begehen könnte", fasst Pfarrer Knipp die Gedanken zusammen. Wider Erwarten hätte es aber schon ersten Kontakt gegeben. "Kai hat geantwortet. Er ist dankbar, dass wir reagiert haben. Ihm ist bewusst, dass er sehr viel falsch gemacht hat. Aber er weiß nicht, was er jetzt machen soll. Die OB-Wahl sollte der große Karrieresprung werden", so Knipp.

In Landau steht Schürholt für den 2. September immer noch mit Doktortitel auf dem Wahlzettel. Weil der Wahlausschuss der Stadt bereits getagt hatte, war der CDU eine offizielle Rücknahme der Kandidatur und die Aufstellung eines anderen Kandidaten nicht mehr möglich. Der Landauer CDU-Kreisvorstand hat seine Konsequenzen gezogen und ist noch am Freitagabend zurückgetreten.

Wie es jetzt für Kai Schürholt weitergeht, kann Pfarrer Knipp natürlich nicht sagen: "Aber wir stehen als Gesprächspartner zur Verfügung. Für ihn und seine Familie."

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