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In Vertrauen investieren

CASTROP-RAUXEL Weil er bei den Bürgern große Vorbehalte gegen den Bau einer Moschee spürt, sieht Ratsmitglied Manfred Postel von der FWI noch eine Menge Überzeugungsarbeit auf die Politik zukommen. Redakteur Peter Wulle sprach mit ihm.

29.08.2007

Herr Postel, in Ihrer Freien Wähler Initiative wird der geplante Moschee-Bau weit kritischer beäugt als etwa in der SPD, für die der Moschee-Bau ein "Ausdruck der Akzeptanz von Religionsfreiheit" ist, wie Ratsmitglied Daniel Molloisch im Interview am 18. August sagte. Was sind Ihre Bedenken? Postel: Dass Religionsfreiheit zur Legitimation allein nicht reicht. Die Bürger diskutieren das Thema ganz anders...

....wie haben Sie die Diskussion in der Bevölkerung wahrgenommen? Postel: Ich will es einmal so beschreiben: Die gefühlte Temperatur in der Bevölkerung entspricht nicht der, die durch die Kommunalpolitiker von Rot-Grün und vom Bürgermeister veröffentlicht und artikuliert wird. Es gibt überwiegend sehr kritische Stimmen - auch bei den Mitgliedern der FWI - zum Moschee-Bau in Castrop-Rauxel.

Welche Gründe konnten Sie dafür bei den Bürgern und bei ihren Mitgliedern ausmachen? Postel: "Nicht die Moschee, der Islam ist das Problem" - mit dieser Aussage bringt der in Köln lebende jüdische Schriftsteller Ralph Giordano das Problem auf den Punkt. Nach meiner Wahrnehmung, nch den bei uns erfolgten Diskussionen und nach von der FWI zusammengetragener detaillierter Information kann man diese Feststellung auch auf die meisten Äußerungen Castrop-Rauxeler Bürger übertragen.

Was sagen die Ihnen konkret? Postel: Sie sehen in einer Moschee die Manifestierung der Lehren des Islams durch ein repräsentatives Gebäude. Viele sehen die dogmatischen Grundsätze dieser Religion, bestehend aus Koran, Sunna und Scharia, mit den bei uns verfassungsmäßig garantierten Grund- und Menschenrechten als unvereinbar an. Sie wehren sich vehement gegen alle Vergleiche mit anderen christlichen und jüdischen Kirchen und dem bestehenden Agora-Zentrum in Ickern.

Mit welchen Argumenten und Fakten werden denn diese Aussagen untermauert? Postel: Erst einmal war für mich erstaunlich wie viele Bürger sich mit dem Thema intensiv befasst haben. Es war aber auch für mich erstaunlich, welche Antworten Sie von den Initiatoren und Politikern erwarten, bevor das geplante Projekt gestartet wird. Nur zwei Beispiele, die wir dokumentiert haben: Eine Bürgerin zitierte aus dem Koran "Nehmt euch nicht Juden und Christen zu Freunden" (Sure 5,51) und "Als schlimmste Tiere gelten bei Gott die Ungläubigen" (Sure 8,55) und fragte, ob wir diese Aussagen als mit dem Grundgesetz vereinbar einstufen. Eine weitere Bürgerin fragte "Wie hält es der Islam mit den Frauenrechten?", "Steht die Scharia über dem Grundgesetz?" und "Wie steht man zum Sportunterricht für Mädchen?"

Welche Antworten seitens der Initiatoren und der Politik müssten denn zunächst gegeben werden und welche Bedingungen würden Sie an ein Ja zur Moschee knüpfen? Postel: Wie die Integrationsbeauftragte des Bundes, Maria Böhmer (CDU), bereits formulierte, müssen "eine deutliche Absage an religiös motivierte Gewalt" und "klare Bekenntnisse zu unseren Grundrechten" erfolgen, um dauerhaft zu einem friedvollen Zusammenleben in Deutschland zu kommen. Viele Bürger bemängelten, dass Stimmen in der Öffentlichkeit, insbesondere auch von den hier lebenden DiTib-Initiatoren der Moschee und den weiteren drei islamischen Gemeinden in Castrop-Rauxel zu vielen schrecklichen Taten unter der Fahne des Islams nie zu hören waren.

Es bedarf Ihrer Meinung nach also noch etlicher vertrauensbildender Maßnahmen? Postel: Genau. Das Vertrauensverhältnis ist auf beiden Seiten nicht da. Das Projekt Moschee kann nicht nur mit viel Toleranz politisch begleitet werden, es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Wenn der Islam auf eine Stufte gestellt werden will mit den christlichen Kirchen, muss er sich dann auch an Standards halten - wie z.B. Treue zum Grundgesetz und unserer Demokratie. Es wird nicht ohne diese beispielhaft genannten klar formulierte Bedingungen gehen, d.h. man sollte zunächst gemeinsam mit allen Beteiligten mehr in die mit dem Gebäude verbundenen Inhalte als in das Gebäude investieren.

Und wie sehen Sie die Arbeit des Integrationsrates und die vorgeschlagenen Integrationsbemühungen? Postel: Auseinandersetzungen mit dem Islam und dem Moschee-Bau, wie sie derzeit hier stattfinden, sind für mich eine wichtige Vorstufe der Integration. Nur mit Ehrlichkeit und Klarheit auf beiden Seiten wird man einen gewünschten Fortschritt in den Beziehungen zueinander erzielen. Dieser Prozess ist mühsam, insbesondere auch in Bezug auf die fünf islamischen Gemeinden, die untereinander schon verschiedener Auffassung sind und nicht allein von den Initiatoren der DiTib vertreten werden. Der Integrationsrat hat da noch viel Arbeit.

Können Sie sich eine Moschee auf dem Ascheplatz am Stadtmittelpunkt vorstellen? Postel: Nein, das ist auch reine Spekulation. Ich denke, die DiTib bevorzugt schon einen Standort auf dem E.ON-Gelände in Habinghorst.

 

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